Mara knows best

Mara knows best 

Die COVID-19 Pandemie hinterlässt eine Spur der Verwüstung, welche auch Sektoren betrifft, von denen es der Laie nicht unbedingt erwarten würde: Während der allgemeine Reiserückgang zu einer Reduktion des CO2-Ausstosses führte und damit für die Umwelt kurzfristig sogar positive Auswirkungen hat, sind Tourismusausfälle für viele Naturschutzgebiete existenzbedrohend. LGT Venture Philanthropy unterstützt seit 2016 Umwelt- und Wildtierschutzgebiete in der Maasai Mara in Kenia und stand diesen auch während der Coronakrise zur Seite.

Ein Bericht der Vereinten Nationen über die Auswirkungen der Coronakrise auf die globale Tourismusindustrie sagte im August voraus, dass der Tourismus mit Einbussen von etwa einer Billion US-Dollar rechnen müsse. Dies könnte bis zu 100 Millionen Menschen ihren Job kosten, gleichzeitig liefert Tourismus vielerorts wichtige Finanzierung für den Umweltschutz. Afrika etwa verfügt über beinahe 2000 Landschaften, die von zentraler Bedeutung für Biodiversität sind und jährlich rund 29 Milliarden US-Dollar an Tourismuseinnahmen generieren. Bleiben die Touristen aus, so kann das desaströse Folgen für Ökosysteme haben: Im Kampf ums Überleben greift die Bevölkerung zu verzweifelten Massnahmen wie Wilderei oder Abholzung von Regenwäldern. Um diese Abwärtsspirale aufzuhalten, haben lokale Organisationen in den letzten Monaten Grosses geleistet.

Es muss nicht immer Massentourismus sein

Das Mara-Serengeti Ökosystem in Kenia und Tanzania beheimatet etwa 40% der afrikanischen wilden grossen Säugetiere. Durch rasantes Bevölkerungswachstum und damit einhergehende Übergriffe auf den Lebensraum der Tiere kam es jedoch in Kenia in den letzten 30 Jahren zu einem 70-prozentigen Rückgang des Wildtierbestandes, in der Maasai Mara waren es sogar 75%. Um diese Entwicklung zu stoppen, gründete die lokale Bevölkerung vor einigen Jahren zusammen mit Tourismusbetreibern und Spendern so genannte «Wildlife Conservancies». Auf diesen Schutzgebieten verpachten lokale Maasai ihr Land, damit Wildtiere unbedroht leben, sich fortpflanzen und migrieren können. Gleichzeitig erlauben die Conservancies ein begrenztes Mass an Tourismus, der das Modell finanziert, Arbeitsplätze schafft und Besuchern ein unvergessliches Safari-Erlebnis ermöglicht.

2013 schlossen sich die Mara-Schutzgebiete zusammen und gründeten die Maasai Mara Wildlife Conservancies Association, kurz MMWCA. Die Organisation vertritt seitdem die Interessen der mittlerweile 15 Schutzgebiete auf regionaler und nationaler Ebene, treibt die Gründung weiterer Conservancies voran und steht ihnen auf unterschiedlichsten Ebenen mit Rat und Tat zur Seite. Seit 2016 unterstützt LGT Venture Philanthropy MMWCA durch Spenden u.a. für den Ausbau des Teams und die Stärkung der internen Kompetenzen, Infrastruktur und die Sicherstellung der Migrationsrouten von Wildtieren. LGT Venture Philanthropy ist damit Teil einer kleinen Gruppe von Spendern, die über die Jahre eine starke Partnerschaft aufgebaut haben.

Partnerschaften machen resilient

Anfang März berichteten die Tourismusbetreiber in der Maasai Mara freudig von rekordverdächtigen Buchungsraten für die bevorstehende Saison. Nur einige Wochen später fielen diese jedoch auf null zurück und die Conservancies standen plötzlich vor einem möglichen Aus. MMWCA ergriff sofort die Initiative und koordinierte mit allen Partnern in Windeseile ein Rettungspaket, das die Schutzgebiete für 12-18 Monate über Wasser halten kann: Durch diplomatisches Geschick gelang es MMWCA, Landbesitzer von einer vorübergehenden Reduktion der Pachtgebühren zu überzeugen; die Tourismuspartner erklärten sich bereit, weiterhin ihre Beiträge zu bezahlen, haben jedoch Zugriff auf einen Topf an Krediten; und durch Spenden werden der Betrieb der Schutzgebiete und die Arbeit der Ranger weiterhin gewährleistet. Gleichzeitig setzte sich MMWCA auch dafür ein, auf die Bedrohung auf nationaler und internationaler Ebene aufmerksam zu machen.

LGT Venture Philanthropy spendete und unterstützte MMWCA in der Entwicklung des Notfallplans zusammen mit einem Konsortium an Partnern tatkräftig. Entscheidend für den Erfolg war jedoch der unermüdliche und beispielhafte Einsatz von MMWCA vor Ort. Bereits im Sommer konnten erste Gelder fliessen und das Überleben der Conservancies ist somit zumindest vorübergehend gesichert – vorausgesetzt MMWCA kann auch den letzten Rest der Spenden gemäss Budget noch mobilisieren.

Lokales Wissen statt internationale Arroganz

Die COVID-19 Pandemie bringt für den Philanthropie Sektor einige wichtige Lehren. Sogenannte «BINGOs» – big, international NGOs – haben in den vergangenen Dekaden nur selten die Bevölkerung vor Ort in die Programmentwicklung miteinbezogen, oder gar direkt lokale Initiativen unterstützt. Viel zu oft fliessen Gelder dadurch in Aktivitäten, die auf die tatsächlichen Probleme unzureichend eingehen und von jenen, denen es zu helfen gilt, eigentlich weit entfernt sind. Dies hat zur Folge, dass philanthropische Mittel teils nur wenig nachhaltige Wirkung erzielen.

Die Erfahrung in der Maasai Mara ist kein Einzelfall: Lokale Initiativen wie MMWCA haben internationalen Spendern in dieser Notlage bewiesen, dass die effektivsten Lösungen aus der Bevölkerung selbst entstehen. Vor Ort verankerte Organisationen, welche Parnterschaften – mit lokalen Gemeinschaften, internationalen Akteuren und Regierungen gleichermassen – in den Vordergrund stellen, haben in Antwort auf die Coronakrise Resilienz bewiesen und die grössten Erfolge gezeigt. Sie konnten sich auf diese Partnerschaften berufen und ihre Unterstützer rasch mobilisieren. Auch MMWCA konnte die Conservancies letztlich am Leben halten, da seine Führung aus der lokalen Bevölkerung stammt und das Vertrauen aller Beteiligten für sich gewonnen hat.

Es bleibt zu hoffen, dass der Philanthropie-Sektor diese Lehre aus der Krise auch tatsächlich zieht und künftig etwas bescheidener agiert: Lokale Bevölkerungen müssen gestärkt, nicht bevormundet werden – sie wissen am besten, was sie eigentlich brauchen.

Wenn Sie MMWCA dabei unterstützen wollen, das Fundraising-Ziel für das Rettungspaket zu erreichen, so wenden Sie sich bitte an LGT Venture Philanthropy.

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