Marktausblick: Anhaltender Tech-Boom

Marktausblick: Anhaltender Tech-Boom 

Seit Juli 2018 habe ich für ein antizyklisches Vorgehen an den Börsen plädiert: Bei Schwäche kaufen, bei Stärke verkaufen. Ende Oktober änderte ich diese Haltung. Obwohl der S&P 500 gerade ein neues Rekordhoch erklommen hatte, empfahl ich lediglich, eine Stopp-Loss-Limite bei minus fünf Prozent zu setzen, ansonsten aber Kurs zu halten. Ich bleibe dabei, denn die Hausse wird wahrscheinlich anhalten und möglicherweise durch einen Tech-Boom definiert.

Betrachten wir die Märkte heute, so ist es wichtig zu erkennen, dass die Weltkonjunktur und damit die Ertragsaussichten der Unternehmen grundsätzlich weiter unterschätzt werden, während die zusätzlichen Risiken, die sich aus der strategischen Rivalität zwischen USA und China ergeben, tendenziell überbewertet werden. Wahrscheinlicher als solche Risiken ist eine unter dem Strich letztlich normale spätzyklische Abkühlung, die von einer ebenso normalen Stabilisierung und schliesslich Erholung abgelöst werden wird.

Aufkommende Technologiehausse

Inzwischen mehren sich zudem die Anzeichen, dass uns eine kräftige Technologiehausse ins Haus steht. Diese könnte mit der Zeit zu einer Blase führen – angeführt von Geschäftssegmenten, die beispielsweise von der Einführung der Netzwerke und Produkte der fünften Generation oder der Anwendung von künstlicher Intelligenz profitieren dürften. Diese entstehende Hausse hat das Potenzial, eine realwirtschaftliche Investitionstätigkeit auszulösen, die Produktivität anzukurbeln und damit die Konjunktur länger auf Trab zu halten, als heute allgemein erwartet wird.

Aus verhaltensökonomischer Sicht eignet sich dieses Thema zudem bestens, um ein positives, allgemein nachvollziehbares und glaubhaftes Narrativ an den Börsen zu etablieren, dass die Investorenphantasien beleben und immer mehr Anhänger und Nachahmer gewinnen könnte. Nicht zuletzt kommt die Angst vieler Anleger hinzu, die Rallye zu verpassen, sollten sie sich nicht beteiligen. Das sind wichtige, definierende Merkmale einer Hausse, die bisher nur Ansatzweise vorhanden waren.

Die namenlose Hausse

Beispiele für solche Bullen-Narrative in der Vergangenheit waren die Internet-Hausse der 1990er und der Schwellenmärkte-Boom der 2000er. Der zehnjährige Börsenboom, der im März 2009 begann und bisher eine (überdurchschnittlich hohe) annualisierte Jahresrendite 14.5% pro Jahr abwarf, blieb hingegen ungeliebt. Einen allgemein anerkannten Namen hat diese Hausse nicht. Allseits bekannt sind stattdessen die zahlreichen Sorgenthemen und Probleme, die ihre ständigen Begleiter waren: Vom „Double Dip“ in den USA und der „Eurokrise“ über die „harte Landung“ Chinas bis eben hin zum aktuellen „Handelskrieg“, um nur die international dominanten Themen zu nennen.

Doch trotz dieser zwischenzeitlichen Verdauungspausen stiegen die Aktienkurse am Ende weiter, weil die Unternehmen letztlich verlässlich Gewinne schreiben und Dividenden ausschütten. Nun könnte es an der Zeit sein, dass sich die Anlegergemeinschaft langsam auf ein Thema einschiesst, dass sich als Namensgeber für den Boom eignet. So oder so, an den Börsen dürfte es auf Dauer weiter bergauf gehen. Vor einer Baisse kommt es typischerweise zu einer extremen Abweichung der Kurse von den ökonomischen Realitäten – und davon kann im Grossen und Ganzen immer noch nicht die Rede sein.

Ich empfehle daher nun folgendes Vorgehen an den Börsen:

  • In Aktien investiert bleiben bzw. die Exponierung erhöhen, mit Präferenz für die USA als Region und Large Caps als Stil. In diesem Segment finden sich zudem die meisten der grössten und erfolgreichsten Technologieunternehmen.
  • Asien und die Emerging Markets sollten dabei aber auch nicht ausser Acht gelassen werden: So machen die fünf grössten Schwellenländer-Tech-Aktien (darunter Alibaba, TSMC, Tencent) rund 18% des MSCI Emerging Markets Index aus, im Vergleich zu „nur“ 10% für die Top fünf Techtitel im MSCI World (alles US-Titel, darunter Alphabet, Apple und Facebook).
  • Wer nicht immer investiert bleiben muss bzw. die möglichen Verluste begrenzen will, sollte weiterhin ein Stopp-Loss bei etwa minus fünf Prozent setzen, für den Fall, dass doch noch eine grössere, längere Korrektur ansteht.
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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 4. Dezember 2019 - Firmenweb | Business News im Minutentakt

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