Marktausblick: Zeit zum Einsteigen

Marktausblick: Zeit zum Einsteigen 

Die Zeiten an den Börsen sind unsicher. Ende Juni, als der S&P 500 von Rekord zu Rekord kletterte, empfahl ich, einen Stopp-Loss zu setzen und bei Stärke zu verkaufen. Inzwischen ist die Zeit für Käufe wieder da.

Der eskalierende sino-amerikanische Handelskrieg belastet die Nerven der Anleger immer wieder und führt zu Börsenturbulenzen. Dabei wird oft vergessen, dass die Weltkonjunktur nach wie vor recht gut ist, insbesondere in den USA, die Schwellenländer sogar ihr Wachstumstempo stabilisiert haben und die Unternehmensgewinne grösstenteils weiterhin wachsen.

Der sogenannte Handelskrieg führt zu einer temporären Belastung der Wirtschaft, da Unternehmen für die Anpassung an diese Entwicklung eine gewisse Zeit brauchen. Eine globale Rezession muss deswegen nicht zwingend eintreten.

Beim Handelskrieg handelt es sich um den Versuch der USA, das internationale Handels- und Produktionsstandortsystem mittelfristig von China mehr oder weniger scharf abzukoppeln. Immer wahrscheinlicher erscheint dabei, dass wir auf dem Weg in eine Welt mit einem dreigeteilten Wirtschafts- und Handelssystem zusteuern – wie schon einmal, während des Kalten Krieges: Es wird am Ende ein westlich-orientiertes Lager geben, eine chinesisch dominierte Ländergruppe und auch eine sogenannte „Dritte Welt“, die beide Seiten zu spielen versucht, um den eigenen Nutzen zu maximieren. Sozioökonomische nationale und regionale Ziele, die Einhaltung gemeinsamer Regeln, wie etwa technologische und industrielle Standards, Datenschutz, Umweltbestimmungen oder Arbeitsrecht werden wieder stärker berücksichtigt werden müssen. Faktoren wie Produktionskosten und der Zugang zu neuen grossen Konsumentenmärkten in den ehemaligen Entwicklungsländern werden eine geringere Rolle spielen, als während der letzten 20 bis 30 Jahre.

Eine solche Entwicklung ist kompliziert und verunsichert. Sie erfordert ein Umdenken bei der Planung von langfristigen Geschäftsstrategien und Investitionsplänen. Der Markt reagiert daher zurecht jeweils mit deutlichen Turbulenzen, wenn politische Ereignisse signalisieren, dass es in absehbarer Zeit kaum zu einem wirklich dauerhaften strategischen Verhandlungsfrieden zwischen den USA und China kommen wird.

Dennoch: Welthandel und Zuliefersysteme werden sich auf die neue Situation umstellen – sie werden nicht aufhören, zu existieren. Die strukturelle Wachstumsrate der Weltwirtschaft wird wahrscheinlich tatsächlich weiter sinken – doch das ist angesichts von Problemen wie Klimawandel gar nicht so schlecht. Zukunftsträchtige unternehmerische Wachstumssegmente, Dienstleistungen und Technologie wird es trotzdem weiterhin geben. Kurzfristig dürfte die Wirtschaftspolitik zudem reagieren – im Fall der US-Notenbank wurde mit der Zinssenkung vom 31. Juli bereits ein erster Schritt in die richtige Richtung gesetzt. China, Europa und andere grosse Wirtschaftsräume werden ebenfalls mit Konjunkturmassnahmen reagieren.

Damit ist es für mich wieder Zeit für Zukäufe.

In diesem herausfordernden Marktumfeld gilt weiterhin: Vorsicht Ja, Negativität Nein. Stattdessen ist aktives und diszipliniertes Handeln angesagt. Nachdem der US-Markt im Juli sein letztes Allzeithoch erreichte, hat der S&P 500 inzwischen rund 6.5 Prozent abgegeben. Damit ist es für mich wieder Zeit für Zukäufe.

Aktienmärkte, indexiert per Beginn des Handelskriegs*

Quelle: Alle Aktienindizes in USD; Bloomberg, LGT Capital Partners
*Als Beginn des Handelskriegs wird der 8. März 2018 betrachtet
(Ankündigung allgemeiner Zölle auf Stahl und Aluminiumimporte durch die USA)

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