Marktausblick: Rezession in Sicht?

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Die Aktienmärkte haben sich von ihrer Panikattacke im Dezember erholt und die Anleger scheinen die im letzten Quartal oft zitierte erhörte Wahrscheinlichkeit für eine Rezession bereits wie-der vergessen zu haben. Im Anleihenmarkt hingegen zeigen sich die Teilnehmer weiterhin skeptisch. Wer wird Recht behalten?

Die Börsen haben sich seit meinem letzten Marktausblick vom 25. Oktober nach zwischenzeitlichen Volatilitätsanfällen sehr gut entwickelt. Der amerikanische S&P 500 notierte am Ende Februar 2019 rund 3 Prozent höher, der europäische Stoxx 600 bringt es auf knapp 5 Prozent und der Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets sogar auf ein Plus von 11 Prozent. Der befürchtete Einbruch der Unternehmensgewinne hat nicht stattgefunden, die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihre Pläne zur Zinserhöhung vorerst auf Eis gelegt, und Washington und Peking scheinen auf dem besten Weg zu sein, sich im Handelsstreit zu einigen. Es verwundert also nicht, dass die Aktienkurse wieder haussieren. Dies jedoch ganz im Gegensatz zu den Zinsmärkten, die von ihren rezessiven Visionen nicht Abschied nehmen wollen – zumindest, wenn wir der US-Zinskurve eine makroökonomische Voraussagefähigkeit zutrauen.

So oft sich dieses Warnsignal der Fed schon bewährt hat, führte der Index in den 1990er-Jahren auch zu falschen Prognosen. Insbesondere der Fehlalarm 1996 ist erwähnenswert: Damals folgte auf den Anstieg des Rezessionsindex nicht der erwartete Abschwung, sondern der grösste Wirtschafts- und Börsenboom des Jahrhunderts.

Fed-Rezessionsindex auf orange

Die Fed berechnet anhand der Zinsmärkte laufend wie wahrscheinlich es ist, dass die amerikanische Wirt-schaft in den nächsten zwölf Monaten in eine Rezession fällt. Ihr Rezessionsindex ist per Ende Januar auf fast 24 Prozent angestiegen – historisch betrachtet ein beängstigendes Niveau. Das letzte Mal knackte dieser Index die 24-Prozent-Marke nämlich im Jahr 2007. Damals platzte in Amerika die Immobilienblase, welche anschliessend 2008 zu einer Weltfinanzkrise führte. Auch 2000, als die Internetblase barst, und 1990, als der Einmarsch der Iraker in Kuwait eine Ölkrise und Konjunkturflaute auslöste, sollte sich die Warnung des NY-Fed Indikators bewahrheiten.

So oft sich dieses Warnsignal der Fed schon bewährt hat, führte der Index in den 1990er-Jahren auch zu falschen Prognosen. Insbesondere der Fehlalarm 1996 ist erwähnenswert: Damals folgte auf den Anstieg des Rezessionsindex nicht der erwartete Abschwung, sondern der grösste Wirtschafts- und Börsenboom des Jahrhunderts.

Hausse weiterhin intakt

Der Anstieg des Rezessionsindikators mahnt zur Vorsicht. Er soll aber nicht als alleiniges Schiedsgerichtsurteil über den künftigen Verlauf des Aktienmarkts gelten. Zumal eine Bestätigung der Rezessionsängste durch andere Fundamentaldaten und Konjunkturindikatoren bisher ausgeblieben ist.

Meiner Einschätzung zufolge sind die Chancen auf eine fortgesetzte Hausse derzeit durchaus noch intakt. Die Fed und andere grosse Notenbanken haben in den vergangenen Monaten ihre geldpolitischen Straffungspläne verschoben oder sogar aufgegeben. Einige Notenbanken wie China und Japan sind bereits einen Schritt voraus und wieder auf Lockerungskurs. Diese Massnahmen dürften die Inflationserwartungen stabilisieren und der globalen Wachstumsverlangsamung graduell Einhalt gebieten. Wenn sich also die USA und China in naher Zukunft noch auf ein umfassendes Handelsabkommen einigen, dann sollte längerfristig einer freundlichen Entwicklung der Finanzmärkte kaum mehr etwas im Wege stehen.

Kurzfristig jedoch steht nach der fulminanten Börsenerholung nun eine Konsolidierung an. Anleger sollten in diesen Tagen also lieber Risiko reduzieren, die fundamentalen Entwicklungen weiter gut im Auge behal-ten – und die nächsten Turbulenzen abwarten.

Grafik: Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession in Prozent

Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession in Prozent
Quelle: Bloomberg, New York Federal Reserve

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