Marktausblick: Vorsicht trotz Aufwärtstrend

Marktausblick: Vorsicht trotz Aufwärtstrend 

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Mein letzter Marktausblick Ende Februar hat sich als zu vorsichtig herausgestellt: Die Konsolidierung an den Börsen hat nicht wie erwartet stattgefunden, die Wirtschaftsdaten haben sich tendenziell eher aufgehellt und die Unternehmensresultate für das erste Quartal 2019 übertrafen einmal mehr die Erwartungen. Dennoch plädiere ich für eine ausgeglichene, umsichtige Anlagestrategie.

Seit Ende Februar legten die MSCI-Börsenindizes aller grossen Märkte weiter zu (siehe Abbildung) und die Volatilitätsindizes sind sowohl für Aktien als auch für Anleihen gesunken – ein Zeichen dafür, dass die Anleger auch die jüngsten Kursgewinne recht sorgenfrei hinnehmen. Zurecht, denn die Kursgewinne machen aus fundamentalanalytischer Sicht durchaus Sinn. In den USA blieb das Wirtschaftswachstum robust und die Arbeitslosigkeit ist in den letzten zwei Monaten weiter zurückgegangen. Seit der geldpolitischen Wende der Federal Reserve zu Beginn des Jahres haben die mittel- bis langfristig erwarteten Inflationsraten wieder das angepeilte Idealniveau von rund zwei Prozent pro Jahr erreicht. Ein Rückfall in eine Rezession ist dadurch weniger wahrscheinlich geworden – das ist schliesslich der Sinn eines moderaten aber glaubwürdig stabilen volkswirtschaftlichen Preisauftriebs.

Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession in Prozent
Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession in Prozent
Quelle: Bloomberg, New York Federal Reserve
Quelle: Bloomberg, New York Federal Reserve

Überraschend positive Unternehmensergebnisse in den USA

Von den Analysten unterschätzt wurde auch der Ertragsausblick der Unternehmen. Die Analystenumfragen hatten für das erste Quartal noch im April – kurz vor Beginn der Ertragssaison – in den USA einen Einbruch der Gewinnmargen auf breiter Front angedeutet. So hatte der Konsens für die Unternehmen im S&P 500 insgesamt mit einem Gewinnrückgang von rund vier Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet, bei einem geschätzten Umsatzwachstum von etwas mehr als 3.5 Prozent. Was wäre auch anderes zu erwarten gewesen, hatten doch viele Unternehmen vorab moderat verhaltene Wachstumsaussichten kommuniziert.

Die erwartete Eintrübung der Gewinnmargen fand jedoch kaum, bzw. in weitaus geringer als befürchtetem Ausmass statt. Die Gewinne der im S&P 500 geführten Unternehmen übertrafen anhand der bisher publizierten Daten im ersten Quartal 2019 die Schätzungen um rund sechs Prozent, während die Umsätze ziemlich genau den Erwartungen entsprachen. Lediglich zwei der elf Sektoren, die Energiewirtschaft und die Rohstoffproduktion, hatten tatsächlich mit einem deutlichen Margenrückgang zu kämpfen.

Erfreuliche globale Entwicklung

Auch ausserhalb der USA waren die fundamentalen Entwicklungen eher erfreulich. In China scheinen die Konjunkturmassnahmen, welche in der zweiten Jahreshälfte 2018 eingeleitet wurden, allmählich ihre stabilisierende Wirkung zu entfalten. Davon sollten in Zukunft die asiatischen und europäischen Exportländer profitieren können – insbesondere, wenn Peking und Washington den Handelsstreit mit einem Abkommen entschärfen, wie derzeit erwartet wird.

Angesichts dieser Entwicklungen würde es mich nicht wundern, wenn der S&P 500 im Sommer auf neue Hochstände klettern würde. Gerade Japan und Europa, die in Sachen Performance in diesem Jahr noch etwas hinterherhinken, könnten davon profitieren. Auch Anleihen und Währungen insbesondere von Schwellenmärkten dürften weiter gut laufen.

Vorsicht ist gefragt

Dennoch rate ich von einer allzu risikofreundlichen Positionierung ab. Egal wie gut die Wirtschaft läuft, wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns im elften Jahr eines Aufwärtszyklus befinden – und deshalb ist grundsätzlich mehr Umsicht gefragt. Die Tatsache, dass sich die Wirtschaft nicht wie bis befürchtet stark abkühlt, könnte die Notenbanken später im Jahr wieder zu einer strengeren Haltung verleiten. Das würde fremdfinanzierte Anlagestrategien belasten und für Unruhe sorgen.

Das Flaggschiffprodukt der LGT, das Fürstliche Portfolio, und die davon abgeleiteten Strategien haben wir derzeit in den traditionellen Aktienmärkten grosso modo neutral positioniert. Wir ziehen dafür alternative Risikoprämien als Ertragsquellen vor, da diese ein geringeres Volatilitätsprofil und eine bessere Absicherung im Falle von dauerhaften Marktturbulenzen oder steigenden Zinsen bieten können. Für private Anleger dürften sich fortan und auf lange Sicht ebenfalls Strategien auszahlen, die eine ausgeglichene Risikogewichtung bieten und mit denen sie auch von steigenden Zinsen profitieren können.

Nach zehn Jahren Hausse erscheint mir eine zu starke Exponierung gegenüber traditionellen Aktienanlagen auch bei weiter steigenden Kursen und einem freundlichen Konjunkturumfeld wenig attraktiv. So spät im Zyklus können gelegentliche Turbulenzen plötzliche Kreditklemmen verursachen und die Situation verschlimmern, insbesondere in Kombination mit möglichen wirtschaftspolitischen Fehlern oder Streitereien. Kurz: Engagiert bleiben bei Aktien – ja, aber mit Augenmass.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Artikel über Trading und Investments 05.05.2019 | Pipsologie
  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 6. Mai 2019 | marktEINBLICKE

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