Marktausblick: Zeit zu kaufen

Marktausblick: Zeit zu kaufen 

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Mitte Juli meinte ich, die Zeit für Verkäufe sei nahe. Anlass war die damals beginnende Berichtssaison. Tatsächlich ging die Rallye aber noch einige Wochen weiter, bis der S&P 500 am 21. September sein Rekordhoch erreichte. Inzwischen läuft – nach einer sehr scharfen Korrektur – eine weitere Berichtssaison an. Somit gilt jetzt: Es ist Zeit für Käufe.

Aktuell notieren US-Aktien nach einem Einbruch von rund 10% im Oktober wieder unter dem Niveau wie zum Zeitpunkt meines letzten Blogbeitrags. Ihre Bewertungen sind jedoch sehr stark eingebrochen. Die Profite der Unternehmen sind dank der robusten Konjunktur nämlich deutlich gestiegen und somit notiert das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des US-Bluechip-Barometers aktuell bei rund 15.7 im Vergleich zu etwa 16.5 Mitte Juli. Noch Anfang Jahr hatte das KGV sogar deutlich über 18 gelegen. Das zeigt, die Anleger sind deutlich konservativer geworden – zu konservativ für meinen Geschmack.

Die Kluft zwischen Börsenbewertung und realen Perspektiven

Sowohl der fundamentale als auch der ökonomische Ausblick für Aktien hat sich im Laufe der letzten Monate etwas eingetrübt – allerdings bei Weitem nicht in dem Ausmass, welches die Börsen suggerieren. Gewiss, das Thema „Handelskrieg“ und andere geopolitische Sorgen belasten immer wieder die Stimmung. Ebenfalls sollte die Aussicht auf fortan stetig steigende Zinsen, insbesondere in den USA, im Auge behalten werden. Denn es besteht das Risiko, dass ein „Handelskriegs“ und die Geldverknappung die internationale Hochkonjunktur zu fest abkühlen und die Märkte noch stärker einbrechen lassen.

Ich persönlich halte dieses Risiko jedoch erstens für überschaubar und zweitens für bereits weitgehend eingepreist. Die Hinweise für einen deutlichen Einbruch der Unternehmensgewinne sind noch viel zu vage. Zu oft hat sich der Markt im Laufe des letzten Jahrzehnts als zu skeptisch erwiesen: Margen und Gewinne stiegen immer weiter oder erholten sich rasch von Turbulenzen. Und eine gewisse Abflachung der Gewinndynamik könnte der Aktienmarkt durchaus vertragen.

Die Börsenbewertungen für die USA, dem weiterhin dynamischsten Markt, sind für eine Hochkonjunkturphase jedenfalls ungewöhnlich tief. Auch Japan notiert trotz vergleichbar guten Profitentwicklungen auf dem tiefsten Niveau seit Beginn der „Abenomics“, nämlich ebenfalls bei einem KGV von 15.7, gegenüber einem KGV on 22 bis 24 vor sechs Jahren. Das KGV des MSCI Emerging Markets notiert sogar bei 10.2 und damit tiefer als Anfang 2016 – obwohl seit einigen Wochen die EM-Gewinne wieder steigen, während sie 2016 nach einer fast zweijährigen Rohstoffbaisse noch auf Talfahrt waren.

Gezeitenwechsel: Dem Zyklus einen Schritt voraus

Wir sollten uns also einmal mehr die im vorletzten Beitrag beschriebene Anlagestrategie (breite Diversifikation, ein nur moderates Aktienübergewicht und sehr hohe Cash-Reserven) in Erinnerung rufen. Insbesondere den Punkt der antizyklischen „Flexibilität“ – bei Schwäche kaufen, bei Stärke verkaufen – sollten wir in Betracht ziehen. Die traditionelle fundamentale Analyse, einschliesslich der Betrachtung von Bewertungsfaktoren wie etwa dem KGV, kann Anlegern helfen sowohl negative wie auch positive Übertreibungen zu meiden und mögliche Ein- und Ausstiegszeitpunkte für den flexiblen Teil der Anlageallokation zu identifizieren.

In diesem Sinne dürfte für mittelfristig orientierte Anleger die Zeit für Käufe nun gekommen sein. Anleger sollten in der aktuellen Marktphase allerdings auch bereit sein, bei Stärke oder gegebenenfalls bei stark veränderten fundamentalen Bedingungen ebenso nüchtern zu verkaufen.

Entwicklung des erwarteten Gewinns je Aktie für die grossen Märkt
Entwicklung des erwarteten Gewinns je Aktie für die grossen Märkte

 

Weitere Informationen zu aktuellen Marktentwicklungen

 

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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