Die Ölmaut – Vorteile und Risiken von Master Limited Partnerships (MLPs) aus Investorensicht

Die Ölmaut – Vorteile und Risiken von Master Limited Partnerships (MLPs) aus Investorensicht 

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MLP, kurz für Master Limited Partnerships, sind eine Unternehmensrechtsform, welche in den USA eine steuerliche Sonderstellung geniesst, um so vor allem Infrastrukturprojekte zu fördern. MLPs wurden 1987 in den USA ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um eine begrenzt haftende Teilhaberschaft, welche an der Börse öffentlich gehandelt wird.

Um als MLP klassifiziert zu werden, müssen nachweislich 90 Prozent der Erträge im Energie-Sektor erwirtschaftet werden. Diese Rechtsform bietet vor allem steuerliche Vorteile: MLPs sind von Gewinnsteuern auf ihre Erträge befreit. Zudem verpflichten sie sich, gemäss dem Motto «Brutto = Netto», praktisch den gesamten Gewinn an ihre Anteilseigner auszuschütten. Den weitaus grössten Teil der MLPs findet man im Bereich von Rohrleitungen (Pipelines). Sie werfen einen stabilen Ertrag aus dem Transport von Öl und Gas ab. Dieses Geschäftsmodell kann man daher mit einer mautpflichtigen Strasse vergleichen.

Warum aber sind MLPs erst in den letzten Jahren so wirklich populär geworden?

Der beispiellose Energie-Boom der USA hat MLPs in letzter Zeit beflügelt. Basierend auf den Fortschritten in der Energieförderung (Fracking, Drilling, etc.) stieg die Energieproduktion in den USA seit 2011 um knapp 50 Prozent und ist dieses Jahr so hoch wie noch nie. Dies zeigt sich auch an den Statistiken der MLP-Börsengänge, welche seit 2010 stetig anstiegen und 2013 mit über 20 Börsengängen ihren historischen Höchststand erreichten. Auch die Marktkapitalisierung spricht für diese Entwicklung: Sie stieg von 29 Milliarden im Jahr 2004 auf 112 Milliarden im Jahr 2014 (IPO’s + Bewertungszuwachs).

Chancen und Risiken von MLPs

Solange Öl und Gas fliessen, wird mit MLPs Geld verdient (Maut). Da der Preis der Maut an die Inflation angepasst ist, sind MLPs im Wesentlichen resistent gegenüber der Inflation. Hinzukommt, dass es gerade in den USA noch Ausbaupotential gibt. Längst nicht alle Staaten erlauben die Energieförderung durch MLPs. Hinzu kommt, dass die Korrelationen zu Bonds und Aktienmärkten relativ gering sind, sich aber historisch betrachtet in verschiedenen Marktstressszenarien teilweise variieren können. Positiv wirken die stabilen Cash Flows kombiniert mit der hohen Ausschüttungsrate sowie die eigentliche Monopolstellung der MLPs, die sich insbesondere aus den kapitalintensiven Investitionen zu Beginn ergeben und den Marktzutritt erschweren.

Doch es gilt auch hier, die Risiken nicht aus den Augen zu lassen. Denn ohne Autos keine Maut oder: Sinkt die Nachfrage erheblich, kann sich das längerfristig auch auf die Fördermenge und die Nutzung der Pipelines auswirken. Im historischen Kontext war die Nachfrage allerdings relativ unelastisch, so dass eine Mindestnachfrage nach Rohstoffen offenbar gewährleistet ist. Auch die Zusammensetzung der Rendite kann sich ändern, obwohl sich diese in der Vergangenheit meist aus Wachstum und Einkommen und weniger aus der Bewertung der MLPs zusammengesetzt hat. In einer Marktstressphase wie 2008 kann sich dies aber schnell ändern, dann nämlich, wenn MLPs es schwer haben, an Geld für nötige Investitionen zu kommen (massiver Zinsanstieg) oder Investoren ihr Geld übermässig stark abziehen (Liquiditätsengpass). Falls es auch im staatlich regulierten Umfeld zu Änderungen kommt, können sich diese unter Umständen auch unvorteilhaft für MLPs auswirken (regulatorische Risiken).

MLPs als willkommene Alternative zu traditionellen Investitionen?

Die Erträge, welche man mit MLPs in den vergangenen Jahren erzielen konnte, suchen unter den heutigen Marktumständen ihresgleichen. So stieg der Alerian MLP Index alleine im Jahr 2013 um über 27 Prozent, seit 1999 betrug die jährliche Rendite über 17 Prozent. Bei dem aktuellen Tiefzinsumfeld und den Höchstständen der Aktienmärkte nehmen wir diese Zahlen nur zu gern. Da aber Erträge nicht ohne Risiken einhergehen, sollten die Chancen und Risiken und auch die Volatilität der MLPs berücksichtigt werden – MLPs können sich daher als Ergänzung in einem Portfolio in Betracht gezogen werden. Eine Investition sollte idealerweise aus Gründen der Diversifikation (u.a.) nicht direkt in einzelne MLPs erfolgen, sondern über Funds oder ETFs, welche sich am Markt etabliert haben. So können die Risiken breiter gestreut und besser kontrolliert werden.

Hinweis:
Dieser Beitrag dient ausschliesslich zu Ihrer Information und stellt kein Angebot, keine Offerte oder Aufforderung zur Offertstellung und kein öffentliches Inserat zum Kauf- oder Verkauf von Anlage oder anderen spezifischen Produkten dar. Bitte lesen Sie die rechtlichen Hinweise.

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