LGT Anlegerstudie: Mensch oder Maschine? 

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Vermögende Private-Banking-Kunden legen Wert auf „Convenience“: Sie wollen bequem von zuhause aus oder von unterwegs mit ihrer Bank und ihrem Berater kommunizieren. Die digitalen Zugänge zur Bank werden somit immer bedeutsamer. Braucht es überhaupt noch einen Kundenberater? Der LGT Private Banking Report 2018 liefert Antworten.

Oft hört und liest man von der Digitalisierung der Bankenwelt: Es kursiert die Vision einer Vermögensverwaltung, die von Robo-Advisors und Online-Anbietern beherrscht wird. Bank und Berater haben darin keinen Platz mehr. Doch wie sehen das die Privatanleger? Wollen Sie wirklich einen Roboter am Beratungstisch?

Der Trend geht tatsächlich in Richtung mehr digitaler Zugriffe. Die Ergebnisse des LGT Private Banking Reports zeigen, dass der Wunsch, bequem von zuhause aus über Online-Zugänge mit der Bank zu interagieren, signifikant steigt (vgl. Abbildung 1; 2016: 72 Prozent, 2018: 79 Prozent). Auch das Bedürfnis von unterwegs über das Mobiltelefon oder Tablet mit Bank und Berater zu kommunizieren wächst (2016: 32 Prozent, 2018: 36 Prozent). Währenddessen sinkt der Anteil derjenigen, die Aufträge im persönlichen Kontakt mit dem Kundenberater erteilen wollen – ebenfalls statistisch signifikant von 65 Prozent (2016) auf 59 Prozent (2018).

Und nicht nur von jungen (in der Befragung < 49 Jahre), männlichen Befragten werden Online-Zugänge für die Übermittlung von Bankaufträgen und Depotabfragen verstärkt nachgefragt. Auch ältere (in der Befragung > 60 Jahre) und weibliche Privatanleger sind zunehmend von den Vorzügen der Online-Kanäle überzeugt. Der „Generationen-“ und „Gender-Gap“, der in den letzten Erhebungen der Studie beobachtet werden konnte, schliesst sich.

Die mit den Online-Kanälen verbundene „Convenience“, das heisst der Komfort bei der Auftragsübermittlung, wird von Private-Banking-Kunden, unabhängig von Alter oder Geschlecht, anscheinend immer mehr geschätzt und sollte von Banken bei der Entwicklung von Online-Lösungen berücksichtigt werden.

Robo-Advisor

„Digital Deniers“ verschwinden

Der wachsenden Gruppe an Privatanlegern, die Online-Zugänge schätzen, stehen nur 9 Prozent der Befragten gegenüber, die überhaupt kein Online- bzw. Mobile-Banking nutzen – die sogenannten „Digital Deniers“ (vgl. Abbildung 2). Seit 2016 hat sich dieser Anteil nochmals um 5 Prozent reduziert. Setzt sich dieser Trend in gleicher Art und Weise fort, dürfte es bis zum Jahr 2022 keine Digital Deniers mehr geben.

Robo-Advisor

Und was geschieht mit den Beratern?

Vieles weist also darauf hin, dass die Interaktion zwischen Kunde und Bank in Zukunft vermehrt online stattfinden wird. Braucht es dann überhaupt noch einen Kundenberater? Ja, sagen die Befragten des LGT Private Banking Reports. Denn wenn es nicht mehr rein um die Auftragsabwicklung, sondern um die Anlageberatung geht, ziehen die Kunden es vor, einen Berater zu konsultieren, und nicht einen Robo-Advisor, der eine vollständig automatisierte Online-Lösung bietet, um die Zusammensetzung und die regelmässige Anpassung des Wertschriften-Portfolios vorzunehmen (vgl. Abbildung 3).

Für die grosse Mehrheit der vermögenden Anleger ist die Meinung eines Kundenberaters nach wie vor mehr wert als die Empfehlung eines Robo-Advisor (vgl. Abbildung 4). Sie wollen ihren Berater persönlich treffen, wenn es um wichtige Anlageentscheidungen geht. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer gibt an, dass sie ihr Vermögen nie durch einen Robo-Advisor verwalten lassen würden. Und nur eine Minderheit glaubt, dass ein Robo-Advsior besser in der Lage ist, Informationen zu verarbeiten, als ein Kundenberater. Allerdings sind die Kunden nicht unbedingt bereit für eine persönliche Beratung künftig tiefer in die Taschen zu greifen und einen Mehrpreis zu bezahlen.

Robo-Advisor

Die Digitalisierung ist also auch in der Bankenbranche ein enorm wichtiges Thema. Die Banken müssen sich weiterhin intensiv damit auseinandersetzen und ihren Kunden benutzerfreundliche und innovative Online-Dienstleistungen bieten. Gerade Privatbanken müssen sich aber wohl keine Sorgen machen, dass sie bald durch Robo-Advisors ersetzt werden. Denn die Ergebnisse des LGT Private Banking Report zeigen: In der Gegenüberstellung von Mensch und Maschine gewinnt bei der Vermögensverwaltung immer noch der Mensch. Der Vision einer von Robotern dominierten Bankenwelt können die Befragten des LGT Private Banking Reports noch nicht allzu viel abgewinnen.

Der LGT Private Banking Report 2018 ist im Juni erschienen. In den kommenden Wochen und Monaten werde ich an dieser Stelle weitere Ergebnisse der Studie beleuchten. Die komplette Ausgabe des LGT Private Banking Report 2018 sowie weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite.

 

Der LGT Private Banking Report wird seit 2010 alle zwei Jahre im Auftrag der LGT durchgeführt. Ziel der Studie ist es, wichtige Erkenntnisse über das Anlageverhalten und die Einstellungen von Private-Banking-Kunden zu erhalten. Befragt werden dabei rund 360 vermögende Privatpersonen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einem freien Anlagevermögen von mehr als EUR 500 000 bzw. mehr als CHF 900 000. Die Umfragen werden von renommierten Marktforschungsinstituten durchgeführt. Autor dieser repräsentativen wissenschaftlichen Studie ist Prof. Dr. Teodoro D. Cocca von der Universität Linz.
Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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