Höhere Mathematik: Die Methode Paul A. Samuelson

Höhere Mathematik: Die Methode Paul A. Samuelson 

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Der Wirtschaftsnobelpreis ist der Ritterschlag für einen Ökonom. Wenn sein Name 100 Jahre nach seiner Geburt noch auf der Google-Startseite für die wichtigsten Begriffe der Volkswirtschaftslehre geführt wird, adelt ihn die Praxis. Vor rund 100 Jahren wurde Paul A. Samuelson geboren.

Paul A. Samuelson ist ein Ökonom, der vom Glauben abfiel. Statt abstrakter Modelle führte er den konkreten mathematischen Beweis als Grundlage der Volkswirtschaftslehre ein. In den dreissiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war die Nationalökonomie eine Disziplin, in der vor allem über die grossen wirtschaftlichen Zusammenhänge gegrübelt wurde. Berühmte Denker wie John Meynard Keynes entwickelten Theoriegebäude für die Weltwirtschaft, die auch den jungen MIT-Professor Samuelson faszinierten. Doch die brillante Theorie reichte ihm bei weitem nicht.

Samuelson verlangte von der Ökonomie Beweiskraft für ihre Hypothesen. Keynes war für ihn ein «schlampiges Genie», dessen Annahmen den Praxistest nicht bestehen konnten. Mit seinem 1948 publizierten Hauptwerk «Economics» behob Samuelson dieses Defizit von Keynes und anderen Grössen seiner Zunft gleich selbst: Wirtschaftstheorie sollte praktische Fragen über Ursache und Wirkung mit mathematischer Strenge und Klarheit beantworten können und sich nicht in komplexen geistigen Höhenflügen verlieren.

Samuelsons Methodenlehre wurde schnell zum Standard der wirtschaftswissenschaftlichen Debatten. Sie ist es bis heute. Sein Werk «Economics» ist kein Opus Magnum, sondern eine Art Betriebssystem der Ökonomie, das Statistik und Mathematik als Paradigma aller ökonomischen Debatten nutzt. Das statistische Handwerk machte die Kunst anderer erst wirklichkeitstauglich – und sollte die Wirtschaftswissenschaft bald mehr verändern als die hohe Schule vieler Vordenker. Die «Methode Samuelson» verband die wirtschaftswissenschaftlichen Theorien durch den Einsatz von Statistik und Mathematik mit der «Realwirtschaft». Lehre und Praxis, Problem und Lösung, die sich bei Keynes und Kollegen teils weit voneinander entfernt hatten, wurden so wieder zusammengeführt. In der Begründung für die Verleihung des Nobelpreises im Jahr 1970 war zu lesen, Samuelson habe «weite Teile der ökonomischen Lehre umgeschrieben». Dies machte ihn zum Ideengeber und Inspirator vieler anderer berühmter Ökonomen wie Paul Krugman oder Carl-Christian von Weizsäcker. Letzterer schrieb in einer Widmung anlässlich des Todes von Paul A. Samuelson am 13. Dezember 2009: «Dass wir uns in der Ökonomie – anders als in vielen Sozialwissenschaften – nicht bis aufs Blut bekämpfen, sondern anerkennen, was legitime Argumente sind, und diese mathematisch überprüfen, das ist Samuelsons großes Verdienst». Es gibt viele Ökonomen, die in Debatten mehr zitiert werden als Samuelson – aber es gibt kaum einen, der mehr angewendet wird.

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