KMU-Finanzierung: Wenn Mikro zu klein wird

KMU-Finanzierung: Wenn Mikro zu klein wird 

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Mikrofinanzierung für Kleinstunternehmen ist in Entwicklungs- und Schwellenländern fest etabliert. Doch entwickeln sich die Ein-Mann/Frau-Betriebe zu kleinen und mittelgrossen Unternehmen (KMU) im formellen Sektor, fehlt oft die passende Finanzierungsform. Ergeben sich hier neue Chancen für Investoren, die nach finanzieller und sozialer Rendite streben?

Die Mikrofinanzierung hat seit ihren Anfängen in den frühen 2000er Jahren vielfach den Grundstein für erfolgreiche Kleinstunternehmen gelegt, indem sie dem informellen Sektor in Entwicklungs- und Schwellenländern Finanzmittel zur Verfügung stellt. Meist verhilft sie diesen Ein-Mann/Frau-Betrieben, die ggf. Familienmitglieder einbinden, zu Erfolg und Wachstum, und aus dem Kleinstunternehmen wird ein kleines oder mittelgrosses Unternehmen (KMU), das Teil der formellen Wirtschaft wird und noch mehr Menschen Beschäftigung und Einkommensmöglichkeiten bietet.

KMU als Wirtschaftsmotor

Solch eine positive Entwicklung ist in Entwicklungs- und Schwellenländern zentral, um viele der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (UN SDG) wie zum Beispiel „1: No Poverty“ oder „8: Decent Work and Economic Growth“ zu erreichen. In diesen Regionen ist die zum Teil schnell wachsende Bevölkerung oft unter- oder prekär beschäftigt. Die damit verbundene Einkommensarmut begünstigt Gewalt, Konflikte und Migrationsdruck. Um mehr Beschäftigung zu schaffen, bestehende Beschäftigungsverhältnisse zu formalisieren und dadurch letztendlich die Arbeitsbedingungen zu verbessern, sind wachstumsstarke KMU von zentraler Bedeutung.

Und auch weltweit sind KMU die Treiber der Wirtschaft, bedenkt man, dass gemäss einer Publikation von Symbiotics mehr als 95 Prozent aller registrierten Unternehmen weltweit KMU mit weniger als 250 Mitarbeitenden sind – zusammengenommen stellen sie in allen Volkswirtschaften den grössten privaten Arbeitgeber dar. Sie tragen damit zu nachhaltiger, wirtschaftlicher Entwicklung und dynamischen Märkten bei.

Zu gross für Mikrofinanzierung

Damit sie diese positive Wirkung allerdings entfalten können, müssen KMUs in Entwicklungs- und Schwellenländern ihre Existenz sichern und wachsen können. Dazu sind sie auf die Verfügbarkeit bedarfsgerechter Finanzdienstleistungen angewiesen. Die Finanzmärkte in Entwicklungs- und Schwellenländern weisen diesbezüglich allerdings oftmals noch strukturelle Schwächen auf: Die meisten Mikrofinanzinstitutionen (MFI) haben sich bislang auf sehr kleine Unternehmen (Mikrounternehmer) fokussiert; und Geschäftsbanken waren bisher an einer Kreditvergabe an junge und eher kleinere KMU oder entsprechende Finanzintermediäre nur eingeschränkt interessiert. Mit Erfolg der Mikrofinanzierung entwachsen, sind KMUs, die sich weiterentwickeln wollen, folglich mit einer Finanzierungslücke konfrontiert. Der unzureichende Zugang zu Krediten und Beratung schränkt das Wachstumspotenzial von KMUs stark ein und potenzielle Beschäftigungs- und Einkommenswirkungen können nicht realisiert werden. Daraus resultiert das Phänomen des „Missing middle“ in Niedriglohn-Ländern: diese Volkswirtschaften bestehen zum Grossteil aus Kleinstunternehmen und einigen wenigen Grossunternehmen, während in Hochlohnländern der dazwischenliegende KMU-Sektor deutlich ausgeprägter ist und den Hauptteil der Wirtschaftskraft darstellt.

Mikrofinanzierung
Quelle: Harvard Center for International Development, Entrepreneurial Finance Lab

Markt mit Potenzial – für Finanzintermediäre und Investoren

Immer mehr MFI und auch einige Geschäftsbanken folgen ihren Kunden zunehmend vom informellen in den formellen Sektor mit entsprechenden Finanzdienstleistungen, entwickeln damit ihr eigenes Geschäftsmodell weiter und erweitern ihre Kundenbasis. Das Marktpotenzial und der entsprechende Kapitalbedarf hierfür sind noch nicht ansatzweise erschöpft – das SME Finance Forum schätzt, dass 200 Millionen KMUs weltweit Wachstumskapital benötigen. Hier bieten sich für Investoren, die sowohl an finanzieller als auch sozialer Rendite interessiert sind, interessante alternative Anlagemöglichkeiten.

The small enterprise impact investing value chain

Mikrofinanzierung
Quelle: Symbiotics (2013): Small Enterprise Impact Investing

Kaum mit den globalen Finanzmärkten korrelierend, tragen Finanzprodukte im Bereich der KMU- Finanzierung in Entwicklungs- und Schwellenländern zur Finanzierung der UN SDG bei. Spezialisierte Anbieter, wie zum Beispiel Symbiotics, und auch Banken, wie zum Beispiel die LGT, machen solche Angebote ihren Kunden zugänglich.
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