Millennials: Generation Zeitenwende

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Die heutige Generation junger Leute scheint in Vielem anders zu sein, als ihre Vorgänger – und vor allem anders, als ihre Vorgänger sich das wünschen oder es befürchten. Die so genannten Millennials kündigen mit ihrer digitalen Lebensart eine Zeitenwende an.

Grossbritanniens Austritt aus der Europäischen Union stand fest, lange bevor das Abstimmungsergebnis ausgezählt war: Die Mehrheit der jungen Leute stemmte sich zwar gegen den Austritt, die Meinungsbilder in sozialen Medien sprachen für den Verbleib, doch die Mehrheit der Bevölkerung wurde von der Debatte ihrer Jugend nicht erreicht. Eine digitale Generationenkluft tat sich auf zwischen den so genannten Millennials, der Generation der heute 18 bis 30-jährigen, und der breiten Bevölkerung: Ausgerechnet die Technologie, die Menschen verbinden und Verständnis ermöglichen sollte, trennte die Generation der Smartphone-Nutzer, Online-Shopper und Mobile-Bank-Kunden von den Gelegenheitssurfern und Zeitunglesern.

Wer an am Leben der Millennials teilnehmen möchte, muss zumindest soweit Technik-kompetent sein, dass er ihre Kommunikationswege nutzen kann. Technologie ist für sie nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern Lebensweise. Der Jargon der Jugend ist digital und muss von der immer noch sehr analogen Welt der Älteren entschlüsselt und verstanden werden. Das gilt für Politiker genauso wie für Modehäuser oder Finanzinstitute.

Hinsichtlich ihrer Bedürfnisse unterscheiden sich Millennials gar nicht so sehr von früheren Generationen. Ihre finanziellen Ziele sind sogar erstaunlich pragmatisch und gewöhnlich: Absicherung, Planung für die Familie und Rücklagenbildung für das Alter sind unter jungen Leuten zumindest in Europa mindestens so verbreitet, wie bei der Generation der Baby-Boomer. Die Bank, die die unmittelbaren Bedürfnisse der digitalen Jugend erfüllen darf, wird jedoch eine andere sein. Milliennials sind für Bezahlformen ohne Bargeld oder der Nutzung ihres Smartphones als Geldbörse nicht nur offen, sie setzen sie immer mehr einfach voraus. Ihr „digitales Mindset“ und die Erfahrung, dass ihr Leben viele verschiedene Lebenswege möglich macht, aber wenig Stabilität bietet, macht sie zu komplexen Kunden, die viel und gerne vergleichen, Empfehlungen folgen und ihre Dienstleister wechseln, wenn diese ihrer aktuellen Planung nicht entsprechen. Auch in ihrer Komplexität und Sprunghaftigkeit sind Millennials Kinder ihrer Zeit.

Ein englischer Witz unterstellt, dass die junge Generation sich in der Brexit-Debatte nicht durchsetzen konnte, weil sie ihren Eltern Facebook und Snapchat nicht gut genug erklärt hatte – es ist durchaus möglich, dass sich dieser Witz umkehrt, wenn die Generation Zeitenwende älter wird: Wer die digitalen Medien nicht versteht, wird selber nicht mehr verstanden.

Bild: By Fred Schaerli (Own work) CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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