Die Oper und das liebe Geld

Die Oper und das liebe Geld 

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In vielen Opern und Operetten spielt das Geld eine zentrale Rolle. Kann das damit zusammenhängen, dass so mancher grosse Komponist selbst hin und wieder finanzielle Probleme hatte? Manche lebten tatsächlich zwischen Luxus und finanzieller Not.

Wenn der finnische Komponist Jean Sibelius über Musik sprechen wollte, zog er es nach eigenen Angaben vor, sich mit Bankdirektoren auszutauschen. Denn: „Künstler reden ja nur übers Geld“. Was mit einiger Wahrscheinlichkeit auch damit zusammenhängt, dass freischaffende Künstler im Gegensatz zu Bankern ein vielfach stark schwankendes Honorareinkommen haben. Insofern waren selbst grosse Künstler der Vergangenheit immer wieder gezwungen, über Geld zu reden. Wolfgang Amadeus Mozart zum Beispiel musste einen Bettelbrief an seinen Logenbruder Michael Puchberg schreiben, weil der geniale Komponist dringend Geld für die medizinische Behandlung seiner Frau Constanze brauchte. Mozarts Einkommen war – höflich formuliert – ziemlich volatil. Er trug es mit der Fassung eines Lebenskünstlers. War Geld vorhanden, gab er es grosszügig aus. Herrschte hingegen finanzielle Ebbe, darbte er und suchte nach gut bezahlten Aufträgen.

Den meisten seiner Kollegen ging es nicht anders. Kann es da verwundern, dass Geld und vor allem das Streben nach Reichtum in vielen Opern und Operetten eine wichtige Rolle spielen?

Der Fliegende Holländer: verflucht, aber reich

Im Fliegenden Holländer von Richard Wagner begegnet Daland einem schwerreichen Mann, dem er sogleich seine Tochter andient. Dass der potenzielle Schwiegersohn der Fliegende Holländer ist, auf dem ein Fluch lastet, spielt keine Rolle. Hauptsache, die Schatztruhe stimmt.

Die Gier nach Geld und Liebe steht natürlich auch im Mittelpunkt von Sergej Prokofjews Oper „Der Spieler“ nach dem gleichnamigen Roman von Dostojewski. Hier ist es vor allem die reiche Grosstante, die mit gut gefülltem Portemonnaie und Konto die Aufmerksamkeit eines hoch verschuldeten russischen Generals auf sich zieht, der hofft, mit dem Erbe seine Schulden begleichen zu können.

Auf Glück im Spiel und die davon erhoffte nachhaltige Verbesserung seiner prekären finanziellen Verhältnisse setzt auch der verkrachte Soldat German in Pjotr Tschaikowskis „Pique Dame“. Später soll es kein gutes Ende mit ihm nehmen.

Der Radetzkymarsch war kein Durchbruch

Auch in bekannten Operetten geht es um Geld, das man hat – oder auch nicht. Mancher schafft es allerdings, aus einer individuellen Liquiditätskrise das Beste zu machen und seiner Situation sogar noch positive Seiten abzugewinnen. Das prominenteste Beispiel: der „Bettelstudent“ von Carl Millöcker.

Ich hab’ kein Geld, bin vogelfrei… kein Obdach, kein Kredit, kein Geld, es ist zum Teufelholen…

Grosse Sänger, auf die diese Beschreibung gewiss nicht zutrifft, haben dieses Klagelied schon angestimmt.

Dass selbst Fleiss und Erfolg nicht unbedingt Wohlstand verheissen, zeigt das Beispiel von Johann Strauss (Vater). Sein bekanntestes Werk, den Radetzkymarsch, werden wir bald wieder zum Abschluss des Neujahrskonzerts am 1. Januar in Wien hören. Reich wurde Strauss jedoch mit diesem „Evergreen“ nicht.

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