Mittendrin statt nur dabei: Auswirkungen der EZB Beschlüsse auf die Schweiz

Mittendrin statt nur dabei: Auswirkungen der EZB Beschlüsse auf die Schweiz 

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Nach den Herbstsitzungen behält sich die EZB vor, weitere geldpolitische Massnahmen umzusetzen. Ein mögliches Szenario für 2015 wäre es, im grossen Stil Quantitative Easing (QE) zu betreiben und Staatsanleihen von Staaten der Eurozone zu kaufen – ein neues Kapitel in Mario Draghis EU-Rettungsaktion, «koste es was es wolle». Mit dem Kauf von Staatsanleihen will die EZB den Euro schwächen und rüstet sich gegen eine drohende Deflation im Euroraum und folgt mit ihrer QE-Politik somit den USA oder Japan. Alle bisherigen Bemühungen der EZB, die Investitionen durch Kreditvergabe an Banken (LTRO) oder tiefere Zinsen anzukurbeln und mehr Privatinvestitionen sowie eine grössere Nachfrage durch einen steigenden Konsum zu generieren brachten bis dato nicht die gewünschte Wirkung, die Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone zu stärken. Die zusätzliche Liquidität im Rahmen der LTRO im Jahre 2012 stabilisierte damals zwar den Bankensektor, jedoch wurde das Geld zu einem grossen Teil in Staatsanleihen investiert und wurde zu wenig für Investitionen in die Privatwirtschaft verwendet. Ziel der Strategie der EZB soll sein, dass Anleger vermehrt auf andere Währungen ausweichen, da Anlagen in Euro an Attraktivität verlieren. Die folgende Abwertung des Euro soll europäische Produkte im Rest der Welt billiger machen und so satte aussenwirtschaftliche Überschüsse produzieren sowie Inflation «importieren» werden.

Damit ist das Problem aber nicht ganz vom Tisch, denn die deflationären Kräfte werden so exportiert. Ein Plan, der für den Euroraum durchaus aufgehen kann, aber auch gewisse Risiken mit sich bringt: einen Währungskrieg mit Geldschwemme. Eine Abwertung des Euros führt – ceteris paribus – unweigerlich zur Aufwertung Drittwährungen – und eine zu starke Aufwertung seiner Währung steht insbesondere im Hinblick mit den negativen Auswirkungen einer drohenden Deflation momentan sicher nicht auf den Weihnachtswunschlisten der anderen Zentralbanken.

Die SNB wehrt sich mit Händen und Füssen

Seit der Schuldenkrise in der EU wurde die Schweiz von Geldflüssen fast überrannt. Um die Binnenwirtschaft zu schützen, wurde 2011 der Wechselkurses der SNB auf einen Mindestkurs von 1.20 Franken für einen Euro fixiert. Seit diesem Schritt hat die Schweiz Waffen eingesetzt, um den Wechselkurs zu verteidigen – insbesondere wurden die Leitzinsen massiv gesenkt und befinden sich am «Boden». Die Reserven an Drittwährungen stiegen stetig durch deren Ankauf und machen bereits einen beachtlichen Anteil der Bilanzsumme aus. Dass diese Entwicklung längst kein Problem einzelner Politik- und Wirtschaftsspezialisten ist, sondern auch die breite Schweizer Bevölkerung erreicht hat, zeigte die Lancierung der Goldstandard Initiative, welche vor einiger Zeit von der Bevölkerung an der Urne verworfen wurde. Der neue QE Plan der EZB hat bereits erste Spuren hinterlassen. Erkennbar ist dies an der Entwicklung des Wechselkurses, welcher über die letzten Wochen immer näher an die Untergrenze gerückt ist.

Eine Hand bereits an der Notenpresse?

Eine massive Aufwertung des Frankens kann sich die Schweiz nicht erlauben. Die Inflation befindet sich bereits auf tiefem Niveau und die Schwelle zu deflationären Entwicklung ist zum Greifen nahe. So hat die SNB in den letzten Wochen auch verlauten lassen, dass Sie an der Untergrenze des Wechselkurses zum Euro festhalten will – sogar eine Anhebung von 1.20 auf 1.25 wurde diskutiert. Dies könnte durch eine erneute Intervention der SNB am Finanzmarkt geschehen, wie das die SNB bereits 2011/2012 tat. Ob und wie stark die SNB eingreifen muss, hängt von ihrer Glaubwürdigkeit ab. Solange diese unangetastet ist und Anleger für den EUR/CHF Wechselkurs nur einen Weg sehen – höher – , profitiert die SNB bei Annäherung an die 1.20-er Grenze auch von der Schützenhilfe von Investoren: Ist das Tal erst erreicht, dann geht’s wieder bergauf, wenn der Euro-Berg nicht zerschellt.

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