Modern Monetary Theory: Wunderwaffe oder Fallstrick

Modern Monetary Theory: Wunderwaffe oder Fallstrick 

Viele Ökonomen sorgen sich um die steigenden Verschuldungsquoten der Industriestaaten. Die „Modern Monetary Theory (MMT)“ widerspricht und bietet einen unkonventionellen Ansatz. Dürfen wir uns auf solche Theorien in der Praxis einlassen?

Die Volkswirtschaftslehre, die Finanzwissenschaft und auch die Politikwissenschaft befassen sich seit Jahrhunderten mit der Staatsverschuldung. Der römische Politiker Marcus Tullius Cicero forderte bereits 55 v.Chr., dass der Staatshaushalt ausgeglichen und die öffentlichen Schulden abgebaut werden müssen, wenn der Staat nicht bankrottgehen will. Der aktuelle Präsident der US-Notenbank, Jerome Powell, teilt diese Meinung. Vor dem Notenbankausschuss sagte er kürzlich, dass es nicht haltbar sei, die US-Schuldenquote weiter wachsen zu lassen –

wir müssen die Verschuldung im Verhältnis zum BIP stabilisieren.

Eine Theorie gewinnt an Bedeutung

In den vergangenen Jahren hat eine ökonomische Schule an Bedeutung gewonnen, welche anerkannte ökonomische Ansichten hinterfragt und eine interessante Haltung zur Staatsverschuldung vertritt – die „Modern Monetary Theory (MMT)“. Zu ihren führenden Vertretern zählen der US-Ökonom Warren Mosler sowie der australische Wirtschaftswissenschaftler Bill Mitchell. Anhänger dieser Theorie glauben, dass die Wirtschaft falsch betrachtet wird. Anstatt Steuern zu erheben, um Ausgaben zu tätigen, sollten Staaten zuerst Geld ausgeben und später entsprechende Steuern einnehmen.

Ein zentrales Argument dieser Theorie betrifft die Währung. Sie sei eine staatliche Schöpfung und die Regierung könne ihre Rechnungen jederzeit bezahlen, indem sie neues Geld drucken lässt, so die MMT. Beginne die Inflation infolge des Gelddruckens zu steigen, würden Steuern erhöht und der Geldumlauf damit wieder reduziert werden. Die MMT hat an Bedeutung gewonnen, da sie den politischen Entscheidungsträgern unter anderem mehr Flexibilität bezüglich Haushaltsdefiziten einräumt. Wieso soll sich ein Politiker noch für unpopuläre Sparmassnahmen einsetzen, wenn ein Land mit eigener Währung seine Rechnungen immer bezahlen kann? Die Mainstream-Ökonomie, welche ein ausgeglichenes Staatsbudget anstrebt, wird als unsinnig taxiert.

Keine Inflation trotz Verschuldung

Für ihre Befürworter ist die MMT mehr als nur eine Theorie. Den ersten Beweis liefert ihnen die trotz massiver Staatsdefizite ausbleibende US-Inflation. Obwohl die Verschuldung hoch ist, lässt sich weiterhin alles bezahlen und die Inflation bleibt tief. Japan ist ein anderes Beispiel. Das Land hält Staatsanleihen in Höhe von mehr als 100% des Bruttoinlandsprodukts. Die Regierung hat es geschafft, sich zu 100% des BIP’s zu finanzieren, ohne inflationäre Folgen. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die MMT also gar nicht stark von der derzeitigen globalen Geldpolitik. Und auch die Inflation muss nicht gefürchtet werden. Wie der politische Ökonom und Verfechter der MMT Richard Murphy betont, kann diese mit Steueranhebungen jederzeit bekämpft werden.

Defizite sind bedeutend

Die ausbleibende Inflation in den Industriestaaten sollte aber kein Argument für die MMT sein. Würde beispielsweise die US-Zentralbank nur aus Finanzierungszwecken Geld drucken und die Staatsverschuldung missachten, würde das ohne Zweifel die Inflation befeuern und den Dollar abwerten. Seit der Finanzkrise 2008 haben es die globalen Zentralbanken aber geschafft, die weltweite Geldschwemme als wirtschaftliche Notwendigkeit zu deklarieren. Zudem darf nicht vergessen werden, dass Inflation nicht immer ein Resultat einer überhitzten Wirtschaft ist. Preise können sich auch aufgrund steigender Produktionskosten der Unternehmen erhöhen. Ein schnell ansteigender Ölpreis kann beispielsweise eine Stagflation auslösen – wirtschaftliche Stagnation bei steigender Inflation. In einer solchen Situation fordert die MMT Steuererhöhungen, um die Inflation einzudämmen, was negative Auswirkungen nach sich ziehen würde. Die Wirtschaft würde bei steigender Arbeitslosigkeit zusätzlich geschwächt werden. Schlussendlich bietet die MMT auch keine Lösung für kleinere Länder, welche von ausländischen Krediten abhängig sind, oder für Staaten innerhalb einer Währungsunion.

Verführerisch aber praxisfern

In meinen Augen verhält es sich mit den Staatsschulden wie mit der Klimadebatte. Es ist wichtig diese Themen ernst zu nehmen; die Realität sieht aber leider oft anders aus. So werden in den USA weitere Steuersenkungen durchgeführt oder über zusätzliche Investitionsprojekte diskutiert. Entgegen der Meinung der MMT, müssen die Staatsdefizite aber unter Kontrolle gehalten werden. Eine Lockerung der politischen Zwänge für Defizite wäre rücksichtlos und würde die Probleme nur auf zukünftige Generationen übertragen. Die Theorie ist in ihren Versprechungen und Beobachtungen sehr verführerisch – sich aber auf solche Gedankenexperimente in der Praxis einzulassen wäre unverantwortlich und könnte den weltweiten Volkswirtschaften grossen Schaden zufügen.

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