Mondlandung: Von Präsident Kennedy zu den Siegern des Cricket World Cups

Mondlandung: Von Präsident Kennedy zu den Siegern des Cricket World Cups 

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Die erste Mondlandung brachte nicht nur den Mann auf den Mond, sondern auch zahlreiche Innovationen mit sich. Wieso Investoren deshalb nun nach China blicken sollten.

Mit den Worten „Wir haben den Mond als Ziel gewählt“ verkündete Präsident Kennedy 1962 den ehrgeizigen Plan der USA, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond zu schicken. Und so wurde Neil Armstrong vor genau 50 Jahren zum ersten Menschen, der auf dem Mond spazieren ging: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein gewaltiger Sprung für die Menschheit.“ – dies sollte sich insbesondere in Sachen Innovation als wahr erweisen. Das Material, das dazumal für seinen Raumanzug entwickelt wurde, wird heute für Dachkonstruktionen wie den Mound Stand im Londoner Lord’s Cricket Ground verwendet, wo England letzthin den Cricket World Cup gewann. Doch das ist nur ein Beispiel der vielen Spin-offs des Apollo-Programms, das einen Menschen auf den Mond brachte. Welchen Nutzen ziehen wir also aus den 25 Milliarden USD (heute wären das etwa 150 Milliarden USD), die für das Projekt ausgegeben wurden?

Wir haben den Mond als Ziel gewählt.

John F. Kennedy

Dachdecken mit Astronautenanzügen

Einen Menschen auf den Mond zu schicken war in jeglicher Hinsicht ein aussergewöhnlicher Erfolg und hat massgeblich zu unserem Wissen über den Mond beigetragen, jedoch auch wenig an unserem Leben auf Erden verändert. Die Spin-offs des Apollo Programms sind dagegen überall. Das Apollo-Programm wurde schon früh von einer Katastrophe heimgesucht, als ein Feuer an Bord der Apollo 1 die Astronauten ersticken liess. Das führte zu einem Umdenken bei der Herstellung der Raumanzüge. Die neuen Materialien dienten besserem Feuer- und Hitzeschutz, was zur Entwicklung der weissen Anzüge führte, die bei der Mondlandung verwendet wurden. Das teflonbeschichtete Material ist wetterfest und leicht und wurde in der Zwischenzeit für die Abdeckung des Mound Stands und auch für das Dach des Londoner Millenium Doms, heute O2 genannt, verwendet.

Ursprünglich wurden Flugzeuge durch mechanische Kopplungen kontrolliert, bei der Mondlandung glückte dies jedoch mithilfe eines Computers. Dies war der Vorgänger des modernen, vollelektrischen Passagierflugzeugs wie der Airbus A320. Die Apollo 11 Leitcomputer wogen 32 Kilogramm, und der Hauptspeicher war nur 2K und hatte 32K Speicherplatz. Für heutige Verhältnisse ist das winzig. Doch als er während der Mondlandung überbelastet wurde (wegen des angelassenen Radarsystems), blinkten auf dem Monitor die Worte „System Error 1202“ auf. Statt abzustürzen schaltete der Computer automatisch alle bis auf die unbedingt notwendigen Dienste ab und setzte die Landung fort. Ein Tribut an die Programmierer.

Fast 2000 Produkte und Dienstleistungen

Viele Produkte, die heute verwendet werden – von kabellosen Staubsaugern bis zu Solarzellen für Herzschrittmacher – kommen ursprünglich von oder wurden verbessert durch Ideen, die im Rahmen des Raumfahrtprogramms entstanden sind. Das „Spinoff“ Magazin der NASA hat seit 1976 beinahe 2000 Produkte und Dienstleistungen gezählt, die aus ihrer Technologie stammen. So funktionieren die Ölleitungen in Alaska weiterhin, weil die Schaumisolierung mit Metall verbunden ist – eine von der NASA entwickelte Technik. Vielleicht hätten, wenn unabhängig von der NASA dieselben Gelder in dieselben Forschungsprojekte investiert worden wären, diese Produkte ebenso erfunden werden können. Trotzdem hat der Wettlauf ins All gegen die Russen die USA angetrieben, Projekte und Entwicklungen schneller voranzutreiben als sonst möglich gewesen wäre. Manche bezweifeln den Wert von theoretischer Forschung, die keine unmittelbar praktische Anwendung findet. Dabei gibt es genug Beispiele von Nutzen und Erkenntnissen, die überraschend und ungeplant aus Forschungsprojekten entstanden. So waren es Wissenschaftler, die subatomare Partikel am CERN untersuchten, die das World Wide Web erfanden.

Anpassungsfähigkeit ist gefragt

Bei Firmen unserer Zeit führt der Konkurrenzdruck zu Innovation. Er ist unerlässlich, um anderen Unternehmen voraus zu sein. Jedoch hat die NASA gezeigt, dass Regierungen ihren Teil dazu beitragen, wenn es um zukunftsorientierte Forschung geht. Firmen, die Veränderungen erkennen und sich entsprechend anpassen, können uns voranbringen. Genauso verlieren Unternehmen gegen ihre Konkurrenten, wenn sie sich Veränderungen verschliessen, wie das zum Beispiel einige namhafte Firmen im Wettlauf mit Onlineshopping tun. Investitionen in die Forschung sind nur selten verschwendete Gelder, aber wie die Mondmission gezeigt hat, kann das Hauptziel des ursprünglichen Projekts vom endlichen, realen Nutzen weit entfernt sein. Von einer Investmentperspektive aus wollen wir in Firmen anlegen, die vorausschauend agieren und aus einer sich verändernden Welt Nutzen ziehen. Investments leiden im Moment jedoch unter der politischen Unsicherheit, was zu einer sich verlangsamenden globalen Wirtschaft beiträgt.

Chinas Ambitionen

1972 besuchten amerikanische Astronauten das letzte Mal den Mond. Danach wurde das Programm eingestellt. Es ist möglich, dass der nächste Besucher ein chinesischer Astronaut sein wird. China hat Anfang dieses Jahres eine unbemannte Sonde auf die Rückseite des Mondes geschickt und plant, eine Raumstation auf dem Mond zu bauen. China hat den politischen Willen, dies zu erreichen, was anderen Ländern vielleicht fehlt. Wenn das Raumfahrtprogramm China denselben Aufschwung gibt wie den USA in den Sechzigern, dann müssen wir uns auf der Suche nach den lebensverändernden Innovationen der nächsten Jahre dem Osten zuwenden. Nehmen wir an, dass China als nächstes Steinproben vom Mond zurückbringt. Könnte Trump dem Land dann wirklich Zölle verhängen, wenn diese Proben zur Analyse in die USA geschickt werden? Schliesslich füllte die Apollo 11 Crew ein Zolldeklarationsformular für die Proben aus, die sie vom Mond in die USA zurückbrachten. Der Aufstieg Chinas zum wirtschaftlichen und technologischen Machtzentrum wird nur sehr unwahrscheinlich von Trumps Zollen aufgehalten werden. In Zukunft werden Investoren und Firmen die Entwicklungen in China sogar noch genauer beobachten müssen.

Die Ambitionen der USA im Weltall sind noch lange nicht vorbei und der Privatsektor könnte bald Angebote zum Raumfahrttourismus entwickeln. Der Wettlauf ins All dauert mit möglichen Missionen wie „Zum Mars und noch weiter“ an, und Erfindungen aus diesen Projekten werden weiterhin unser Leben beeinflussen. Den Cricket Spielern war es sich vielleicht nicht bewusst, aber die Schuhe, die sie trugen, wurden mithilfe von Techniken und Materialien hergestellt, die ihr Dasein dem Raumfahrtprogramm verdanken.

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