Münzen prägten seinen Ruhm: der historische Krösus

Münzen prägten seinen Ruhm: der historische Krösus 

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Es gibt Dinge, die Geld nicht kaufen kann: Glück, das Schicksal oder Ruhm zum Beispiel. Doch den Lydierkönig Krösus machte sein Geldschatz berühmt – nicht, weil er der Sage nach unermesslich viel davon besass, sondern weil er ihn prägte.

Im Alter von 35 Jahren übernahm Krösus, ältester Sohn des verstorbenen Herrschers Alyattes II., die Regierungsgeschäfte Lydiens, der kleinasischen Grossmacht im Westen der heutigen Türkei (ca. 555 v. Chr.). Sein Vater hinterliess ihm ein blühendes Reich, das dank seiner Bodenschätze, fruchtbaren Äcker und vor allem durch seine gefürchtete Kavallerie zum Hegemon des Vorderen Orients aufgestiegen war. Kriegszüge und Überfälle hatten sich für die Vorfahren des Krösus als effektivste Währung erwiesen. Ein Grossteil des lydischen Wirtschaftswunders entsprang nicht den reichhaltigen Goldminen, sondern den Eroberungszügen und Tributzahlungen der unterworfenen Völker. Der junge König Krösus setzte dagegen auf die Macht des Geldes.

Geld als Medium: Der frühe Gold-Standard

Kings of Lydia. Time of Kroisos. Circa 561-546 BC.

Kings of Lydia. Time of Kroisos. Circa 561-546 BC.

Krösus herrschte über einen Flickenteppich unterschiedlichster Währungs- und Zahlungsräume: Jede Stadt prägte eigenes Geld. Der Geldwechsel war mehr Glücksache als Finanzangelegenheit und in die ländliche Bevölkerung betrieb weiterhin den Naturalienhandel der Vorfahren. Diese Währungsvielfalt mag ein Grund dafür sein, warum der Reichtum der Herrscher Kleinasiens von den Chronisten der Zeit gerne als „unermesslich“ oder „fabelhaft“ beschrieben wurde – man konnte ihn schlicht nicht berechnen. Krösus erkannte, dass in einer handelbaren Währung mehr Wachstum und Wohlstand lag, als in den Siegen seiner gefeierten und gefürchteten Reitertruppen. Er liess Münzen prägen, die aus einer standardisierten Menge Gold bestanden und somit mit jeder anderen Währung verrechnet werden konnten. Die Kopfseite der Münzen zierte das Wappen des Königs – als eine Art geprägte Garantie über den Materialwert. Sie verschafften Lydien nicht nur eine Periode relativen Friedens in einer vom Krieg geprägten Ära, sondern auch ein neues Wirtschaftssystem, dass Lydien zur ökonomischen Supermacht seiner Zeit werden liess. Dieser Reichtum weckte das Interesse des persischen König Kyros, der immer noch in der alten Währung „Sieg und Niederlage“ zahlte.

Das Schicksal war nicht käuflich

Krösus war ein begnadeter Staatslenker, ein Visionär und Innovator. Doch sein Talent und seine Erfolge wurden buchstäblich auf dem Altar der Gier geopfert. Krösus versuchte, mit der grössten Opfergabe, die die Menschheit bisher gesehen hatte, sein Schicksal zu deuten – ja sogar, es zu kaufen. Er liess Schiffsladung um Schiffsladung reinen Goldes zum Orakel nach Delphi schaffen und hoffte, als Gegenleistung zu erfahren, ob sich ein Feldzug gegen die Perser lohnen würde. Die Orakel-Priesterin Pythia antwortete rätselvoll: Er würde, wenn er den Grenzfluss Halys überschritte, ein großes Reich zerstören. Und so kam es. Krösus griff das persische Grossreich an, aber nach Jahren wechselnden Kriegsglücks fiel das Reich der Lydier in die Hände der Perser und Krösus entging nur mit Glück selbst dem Opfertod. Ausgerechnet sein grösster Deal, der Schicksalshandel mit dem Orakel, hatte den Wirtschaftsreformer ruiniert. Die Erinnerung an ihn kennt nur noch seine gigantische, verschwenderische Opfergabe, kaum mehr aber das Wirtschaftswunder des Krösus.

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