Münzuhren: Wenn der Krügerrand am Handgelenk tickt

Münzuhren: Wenn der Krügerrand am Handgelenk tickt 

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Manche sammeln Münzen, andere Uhren. Wer sich nicht entscheiden kann, kauft sich vielleicht Münzuhren und schaut fasziniert zu, wie die filigranen Zeiger über den Golddollar oder Krügerrand schleichen.

Manche Herausforderungen lassen sich eben mit etwas Pragmatismus ganz einfach und originell lösen. Weil einige seiner Kunden nach goldenen Uhren fragten, er aber keine Nobelticker in Edelmetall im Angebot hatte, kam der österreichische Uhrenkonstrukteur und Inhaber einer kleinen Uhrenmarke in Kärnten, Richard Habring, vor einigen Jahren auf eine wahrhaft glänzende Idee. Er packte einige seiner Zeitmesser in eine Box und fügte noch eine goldene Philharmoniker-Anlagemünze hinzu. Beides – Uhr und Münze – kam also aus Österreich. Falls es aus Gründen der Liquidität einmal notwendig werden sollte, konnte der stolze Besitzer die Goldmünze verkaufen und die Uhr behalten.

Münzuhren – schon im 18. Jahrhundert bekannt

Wie gesagt, das war eine pragmatische Lösung. Die seit dem 18. Jahrhundert bekannten klassischen Münzuhren hingegen sind in der Tat eine „Mariage“ aus Uhr und Münze. Die Vorderseite der Münze, also der Avers, dient dabei als Zifferblatt. In der Regel werden die Münzen in zwei unterschiedlich dicke Platten geteilt. Die dickere der beiden Platten fräst man aus und bringt darin ein ultraflaches Uhrwerk unter. Anschließend werden die Platten mit einem kleinen Scharnier wieder verbunden. Wem’s gefällt, kann auf diese Weise also eine Goldmünze am Handgelenk tragen und für alle sichtbar seine Liebe zum gelben Edelmetall zur Schau stellen.

Die Uhrenmachereich – ob mit oder ohne integrierte Münze – ist Handwerkskunst auf höchstem Niveau. Die besten Uhren der Welt werden jedes Jahr beim GPHG, dem Grand Prix d’Horlogerie de Genève, ausgezeichnet. Die LGT ist seit Januar 2017 Partnerin dieses hochkarätigen Wettbewerbs.

Dollar-Uhren für US-Präsidenten

In Genf wurden etwa Mitte des 19. Jahrhunderts so extrem flache Uhrwerke gefertigt, dass man sie in eine englische Sixpence-Münze einbauen konnte. In Deutschland machte sich der 1814 in Hachenburg geborene Uhrmacher Friedrich Emil Roetig einen Namen als Schöpfer der Taleruhren. In Preußischen Talern tickten miniaturisierte Uhrwerke. Die wohl bekannteste Münzuhr kommt allerdings aus der Schweiz und wurde 1968 erstmals in Basel vorgestellt. Die 20-Dollar-Goldmünzen-Uhr von Corum findet man bis heute an manchen Handgelenken und in Sammlungen. Viele US-Präsidenten sollen sie getragen haben, obwohl es in den USA eigentlich verboten ist, amerikanische Münzen zu verändern. Da die Bearbeitung aber in der Schweiz erfolgte, durften die tickenden Golddollars in die Vereinigten Staaten eingeführt werden. Neben Corum brachten in der Vergangenheit auch die beiden Schweizer Marken Piaget und Ulysse Nardin Münzuhren in kleinen Mengen auf den Markt.

Die tickenden Zwei-Euro-Münzen

Bis heute sind Münzuhren eine sehr kleine Nische für Sammler, obwohl in den vergangenen Jahren neue Modelle auf den Markt kamen. Der Degussa Goldhandel brachte zum Beispiel vor wenigen Jahren original Krügerrand- und Lunar-Münzuhren heraus. Wer aber keine vierstelligen Summen für eine Goldmünze am Handgelenk ausgeben möchte, für den geht es auch eine Nummer kleiner: So gibt es inzwischen Münzuhren mit integrierter Zwei-Euro-Münze.

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Weiterführende Informationen zur Corum-Münzuhr

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