Thema Nachhaltigkeit – nehmen es Banken ernst genug?

Thema Nachhaltigkeit – nehmen es Banken ernst genug? 

Viele Banken reagieren auf den Klimawandel und soziale Probleme mit nachhaltigen Anlageprodukten. Eine Studie zeigt, warum viele Private-Banking-Kunden diese Produkte links liegen lassen.

Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Auch Banken haben ihr Produktangebot in dem Bereich verstärkt ausgebaut in den letzten Jahren. Trotzdem investieren nur wenige Private-Banking-Kunden in nachhaltige Anlagen, wie der LGT Private Banking Report zeigt. Und dies, obwohl sich eine Investition in solche Produkte sehr wohl lohnen kann. 

Vorurteil der tiefen Rendite

Durchschnittlich waren Anfang 2020 nur 5 Prozent des gesamten Anlagevermögens bei Schweizer, österreichischen und deutschen Private-Banking-Kunden nachhaltig investiert. Rund ein Drittel der Anleger gibt zudem an, gar keine nachhaltigen Anlagen zu besitzen. Und das Erstaunlichste: Seit 2016 haben sich diese Zahlen kaum verändert. Weshalb scheuen vermögende Kunden nachhaltige Anlagestrategien?

Gemäss der Studie sind die Renditeerwartungen einer der Gründe: Rund 30 Prozent der Private-Banking-Kunden schätzen die Rendite von nachhaltigen Anlagen im Gegensatz zu traditionellen Anlagen tiefer ein. Und lediglich rund 5 Prozent der Befragten denken, dass die Rendite von nachhaltigen Anlagen vergleichsweise höher ist. Die tiefen Renditeerwartungen sind ein hartnäckiges Vorurteil, das durch entsprechende Informationen durch Kundenberater abgebaut werden könnte. In diversen Studien wurde auf dieses Vorurteil eingegangen: Das Forum for Sustainable and Responsible Investment führt nur einige Studien vergleichend auf – gemäss diesen müsste die Rendite von nachhaltigen Anlagen mindestens gleich hoch wie die der klassischen Anlagen sein.  

Es hapert nicht am Interesse, sondern am Angebot

Trotz der Renditevorbehalte ist bei den Private-Banking-Kunden das Nachhaltigkeitsbewusstsein hoch und das Interesse an nachhaltigen Anlagen grundsätzlich vorhanden: 83 Prozent der Befragten geben an, dass die Umweltzerstörung und die Klimaveränderung ernsthafte Probleme seien und 75 Prozent, dass die Kluft zwischen Arm und Reich grosse soziale Probleme verursache (vgl. Abbildung 1). Immerhin rund die Hälfte der vermögenden Anleger ist der Meinung, dass ihre Bank unbedingt ein Angebot im Bereich Nachhaltigkeit haben sollte. Dass Banken und Unternehmen vermehrt auf Nachhaltigkeit achten sollten, dem wird mit 66 Prozent zugestimmt. Der Preis scheint kein wichtiges Argument: Lediglich 17 Prozent der Private-Banking-Kunden denken, dass nachhaltige Anlagen im Gegensatz zu anderen Anlageprodukten zu teuer sind.

Aussagen zu nachhaltigen Anlagen (Relevanz und Verpflichtung)

Das eigentliche Problem liegt darin, dass nur gut die Hälfte der Anleger glaubt, dass nachhaltige Vermögensanlagen wirklich dabei helfen würden, ethische Standards in der Wirtschaft durchzusetzen, soziale Bedingungen zu verbessern oder einen entscheidenden Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Diese Ansichten dürfte auf das fehlende Wissen über die Auswirkungen nachhaltiger Anlagen zurückzuführen sein und hierfür scheinen die Banken mitverantwortlich zu sein: Lediglich einem Drittel der Anleger wurde vom Bankberater nachhaltige Anlagen empfohlen und nur ein Fünftel kennt sich damit gut aus. Es scheint also, dass nicht fehlendes Interesse daran schuld ist, dass die Anleger nicht nachhaltiger investiert sind, sondern mangelhafte Informationen über entsprechende Produkte von Seiten der Banken.

Folgerichtig ist auch die Glaubwürdigkeit der Banken in diesem Bereich tief: 63 Prozent der Befragten sind nämlich der Ansicht, dass Banken das Etikett Nachhaltigkeit nur benutzen, um sich ein besseres Image zu verschaffen. Vermögende Anleger fassen das Thema Nachhaltigkeit bei Banken als leere Worte auf, denen keine Taten folgen (vgl. Abbildung 2).

Aussagen zu nachhaltigen Anlagen (Skepsis)

Anhaltende Skepsis – vor allem bei Männern

Dass auf die Banken keine einfache Aufgabe wartet, zeigen weitere Erkenntnisse der Studie: 41 Prozent der Befragten Bankkunden denken nämlich, dass Nachhaltigkeit ein Thema ist, um das sich vor allem die Politik kümmern muss und nicht der einzelne Anleger. Und 35 Prozent der Befragten halten Nachhaltigkeit für ein Modethema, das zu viel Aufmerksamkeit erhält (2018: 27%).

Ein Lichtblick sind die weiblichen Anleger: Sie sind gegenüber nachhaltigen Anlagen insgesamt positiver eingestellt als Männer –  und betrachten diese signifikant häufiger als wichtiges Thema, um das sich auch Banken und Unternehmen kümmern sollten (mittlere Zustimmung: 8.1 vs. 7.5 bei Männern). Frauen sind auch vermehrt von der Wirksamkeit der eigenen Vermögensanlagen überzeugt (6.8 vs. 5.9 bei Männern) und betrachten sie weniger oft als Modethema, das sie nicht betrifft (5.3 vs. 5.7 bei Männern). Es überrascht demnach auch nicht, dass Frauen vermehrt in nachhaltige Anlagen investiert sind – 10 Prozent der Private-Banking-Kundinnen sind mit 50 Prozent oder mehr ihres Anlagevermögens nachhaltig investiert. Das ist immer noch nicht viel – aber doch mehr als bei Männern, bei denen es nur 6 Prozent sind.

Im Rahmen des LGT Private Banking Reports führte die Abteilung für Asset Management der Johannes Kepler Universität Linz unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Teodoro D. Cocca im Januar und Februar 2020 die seit 2010 sechste Befragung zum Anlageverhalten von Private-Banking-Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. Insgesamt wurden 358 Personen befragt. Zentrales Kriterium für die Teilnahme an der Befragung war das frei verfügbare Anlagevermögen: in Deutschland und Österreich mehr als EUR 500 000 und in der Schweiz mehr als CHF 900 000. Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Finanzmärkte wurde im April 2020 eine Anschlussbefragung mit den bereits im Januar durch das LINK Institut befragten Private-Banking-Kunden in der Schweiz durchgeführt.

LGT Private Banking Report

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