Nachhaltiges Wirtschaften: Die Rettung des Bienengartens

Nachhaltiges Wirtschaften: Die Rettung des Bienengartens 

Die Forderung, nachhaltig zu handeln, prägt alle Bereiche der Wirtschaft. Sie ist keineswegs neu: Schon im Mittelalter wurde – übrigens nicht nur in Europa – die nachhaltige Nutzung des Waldes gefordert, um Holz und Holzkohle als „Treibstoff“ der damaligen Wirtschaft langfristig zu sichern.

Heute gibt es im Nürnberger Reichswald zwanzig verschiedene Waldtypen. Diese erstaunliche Vielfalt hatte König Heinrich VII. nicht im Sinn, als er 1309 per Dekret dazu aufforderte, den zerstörten Wald wiederherzustellen. Der wirtschaftliche Erfolg Nürnbergs, im Mittelalter eine der gewerbsreichsten Städte Europas, hatte deutliche Spuren hinterlassen. Die prosperierende Wirtschaft war auf Holz und Holzkohle angewiesen, die Bauern auf Laub- und Nadelstreu für das Vieh. Auch die dreissig Steinbrüche zum Abbau von Sandsteinen setzten dem Reichswald zu. Der „Bienengarten des Heiligen Römischen Reichs“, ohne den der Nürnberger Lebkuchen nicht denkbar gewesen wäre, war übernutzt und von grossen Ödflächen gezeichnet. Für Heinrich VII. war das wohl weniger ein ästhetisches Problem, sondern vor allem ein wirtschaftliches. Zwei Generationen lang bemühte man sich vergeblich darum, den Nachschub an Bau- und Betriebsmaterial für Minen und Bergwerke langfristig zu sichern.

Der erste Kunstforst der Welt

Erst mehr als fünfzig Jahre nach der Forderung von Heinrich VII. erzielte der Nürnberger Ratsherr und Montanunternehmer Peter Stromer erste Erfolge. Seine erfolgreichen Aussaaten von Kiefern-, Tannen- und Fichtensamen gehören wohl zu den ersten systematischen Versuchen einer planmässigen Forstkultur. Peter Stromer, der kein Forstfachmann war, begründete im Nürnberger Reichswald den ersten Kunstforst der Welt und wurde zum „Vater der Forstkultur“. Sein Verfahren wurde zum Exportschlager. „Tannensäer“ verbreiteten vom Süden Deutschlands aus das von ihm erfundene so genannte Nürnberger Verfahren in Zentraleuropa.

Forstwirtschaft formuliert Prinzip der Nachhaltigkeit

Nachhaltiges Wirtschaften ist auf Heinrich VII. und Peter Stromer zurückzuführen. Das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde jedoch erst später – auch im Zusammenhang mit der Forstwirtschaft – von Hans Carl von Carlowitz formuliert. Als Oberberghauptmann am kursächsischen Hof in Freiberg (Sachsen) war dieser für die Forstwirtschaft zuständig, die ein wichtiger Zulieferer für den Bergbau war. Der Anbau des Holzes, schrieb von Carlowitz in seinem Grundlagenwerk Sylvicultura Oeconomica, sei so „anzustellen, dass es eine kontinuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe.“

Forstwirtschaft als Wiege der Nachhaltigkeit
Kein Wirtschaftszweig entwickelt sich in derart langen Zyklen wie die Forstwirtschaft. Daher liegt in ihr das Prinzip der nachhaltigen Wirtschaftsweise begründet. Bei anderen Unternehmen kann – aus rein betriebsökonomischer Sicht – nachhaltiges Wirtschaften die kurzfristige Rendite schmälern. Das mag mit ein Grund dafür sein, dass das Konzept der Nachhaltigkeit erst spät auf die Gesamtwirtschaft übertragen wurde. In Deutschland legte 1952 die Interparlamentarische Arbeitsgemeinschaft (IPA) für naturgemässe Wirtschaftsweise den Grundstein dazu. Die Arbeitsgemeinschaft wurde von 73 Abgeordneten des Bundestags und der Länderparlamente gegründet, weil dem Mensch des technischen Zeitalters (…) die grossen Zusammenhänge zwischen Natur und Lebensraum sowie die volkswirtschaftliche Bedeutung der Erhaltung der natürlichen Hilfsquellen wie Boden, Wasser, Luft, Vegetation und Tierwelt noch nicht so bewusst sind, wie es eigentlich sein sollte, schrieb der Bundestagsabgeordnete Otto Schmid.

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