Nachhaltigkeit: Warum der «Soft Factor» zur «harten Tatsache» werden sollte 

1 (20%) 11 votes

Ein Blick zurück… Nachhaltigkeit stammt von «nachhalten». «Nachhalten» bedeutet «längere Zeit andauern oder bleiben».

Die ursprüngliche Definition von Nachhaltigkeit liegt im forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsdenken. Die Grundidee findet sich in der kursächsischen Forstordnung von 1560:
«… dass den Untertanen und Bergwerken, soviel möglichen und die Gehölze ertragen können, eine währende Hilfe, auch eine unseren Ämtern vor und vor bleibende und beharrliche Nutzung bleiben möge». Grund für die Verordnung war der hohe Bedarf an Holz für die Bergwerksverbauungen.

Auch in Japan hat sich das Konzept der Nachhaltigkeit um 1550 entwickelt. Damals war rund ein Viertel der Gesamtfläche Japans vor allem auf Honshu abgeholzt. Bis 1710 waren praktisch alle Waldgebiete auf den drei Inseln abgeholzt. Es kam zu Waldbränden, Bodenerosion und Überschwemmungen. Ende des 17. Jahrhunderts führte das zu Hungersnöten. Die Shogune der Tokugawa-Zeit beriefen sich auf konfuzianische Prinzipien und setzten eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder durch. In einer ersten Anordnung von 1666 rief der Shogun dazu auf, junge Bäume zu pflanzen und bis 1700 war ein ausgeklügeltes Forstverwaltungssystem eingeführt.

Der Begriff «Nachhaltigkeit» wurde aber von Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann in Kursachsen, geprägt. Er schrieb 1713 über die «nachhaltende Nutzung der Wälder» ohne genau zu definieren, was das bedeutet.

Dass Nachhaltigkeit mehr als nur Umweltschutz ist, zeigt auch Shared Diamond in seinem Buch «Collapse: How societies choose to fail or succeed» auf. Er legt dar, dass beim Zusammenbrechen von Gesellschaften die ökologischen Bedingungen nicht die einzige Ursache sind, sondern dass auch ökonomische und soziale Faktoren eine wichtige Rolle spielen; so die politischen und sozialen Strukturen und das Interagieren mit den Nachbarstaaten.

… Das Heute und die Zukunft

Auch im Abschlussdokument der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung von Gro Harlem Brundtland «unsere gemeinsame Zukunft» aus dem Jahre 1987 geht es um mehr: «Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heisst, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können».

Und die LGT?

Das Wort «nachhalten» hat es in sich und ist keineswegs «nur eine Frage der Ethik», sondern des gesunden Menschenverstands. Für uns bedeutet Nachhaltigkeit entwicklungsfähig zu sein; es geht um Zukunftsfähigkeit und Risikomanagement. Nachhaltigkeit hat neben dem Schutz der Umwelt also sehr viel mit Innovation zu tun. Und da die Klimastiftung Schweiz diese beiden Elemente kombiniert, sind wir ihr im Sommer 2012 beigetreten. Wir unterstützen damit innovative KMUs, die einen Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen in Liechtenstein und der Schweiz leisten.

Denn die Geschichte zeigt: Gesellschaften, die sich auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene nicht auf veränderte Gegebenheiten anpassen konnten, gingen unter. Diamond verweist dabei auf das Beispiel der Wikinger: Aufgrund des Festhaltens an alten Verhaltensweisen, die Jahrhunderte gut funktionierten, erschwerte es ihnen eine Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen. Die Inuit hingegen, die zur selben Zeit im gleichen Lebensraum existierten, überlebten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.