Der CO₂-Fussabdruck des Geldes: Wie Klimarisiken bilanziert werden können

Der CO₂-Fussabdruck des Geldes: Wie Klimarisiken bilanziert werden können 

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Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ausgerechnet, dass bis 2030 rund 10 Billionen US-Dollar und bis 2050 gut 45 Billionen US-Dollar in kohlenstoffarme Technologien investiert werden müssen, um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Das sogenannte Zwei-Grad-Ziel bezeichnet eine Art klimatechnische «Rote Linie» der gerade noch tolerierbaren globalen Erwärmung. Der Finanzindustrie kommt im Kampf gegen die Erderwärmung eine Schlüsselrolle zu.

Zahlreiche freiwillige und verpflichtende Massnahmen und Richtwerte wie der Montreal Carbon Pledge, The Portfolio Decarbonization Coalition, oder das verbindliche Schlussabkommen der Pariser Klimakonferenz (Artikel 2, Paragraph 1c) regeln die Dekarbonisierung von Vermögensanlagen. Gerade langfristige Investoren wie Pensionsfonds sollten ein Interesse an deren Einhaltung haben, stellt der Klimawandel doch ein gravierendes Systemrisiko für sie dar. Doch solange Klimarisiken weder einheitlich bilanziert, noch ausgewiesen werden, bleibt die CO₂-Performance von Finanzprodukten nebulös.

Auswege aus dem Klimalabyrinth: Transparenz und Messbarkeit

Finanzinstitute sollten vor allem in zwei Punkten Transparenz schaffen:

  • Berichterstattung über die Umschichtung der Finanzströme gemäss der im Art. 2.1(c) des Pariser Abkommens festgelegten Klimaziele: Die französische Regierung hat beispielsweise bereits im Oktober 2015 ein Gesetz verabschiedet, welches Investoren mit einer Bilanzsumme von mindestens 500 Millionen Euro verpflichtet, ab 2016 ihre Portfolios auf Übereinstimmung mit den Klimazielen bewerten zu lassen und die Ergebnisse jährlich zu publizieren. Ausserdem müssen sie ausweisen, welchen Beitrag sie für den ökologischen Wandel und die Energiewende leisten und welchen klimabezogenen Risiken sie ausgesetzt sind.
  • Berichterstattung über finanzielle Übergangsrisiken, welche mit der Transformation zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft assoziiert werden: Eine Anzahl von Wissenschaftlern, die Green Finance Study Group der G20, die Taskforce on Climate-Related Financial Disclosures des Financial Stability Boards und verschiedene Initiativen auf nationaler Ebene erarbeiten derzeit Methoden zur Bewertung dieser Übergangsrisiken, damit Investoren diese in Zukunft ausweisen können.

Chancen und Grenzen der Klimaschutz-Transparenz

Mittlerweile gibt es mehrere Anbieter, die den CO₂-Fussabdruck eines Portfolios messen können. Die Methodik zur Messung des CO₂-Fussabdrucks für Aktienfonds ist dabei am weitesten fortgeschritten, denn die meisten börsenkotierten Unternehmen publizieren ihre CO₂-Emissionen aufgrund von Berichterstattungspflichten (so in der EU) bereits heute.

Die oben genannten Arbeitsgruppen und Netzwerke, aber auch Anbieter sind daran, Methoden und Instrumente zu entwickeln, um bei weiteren Anlageklassen wie Corporate Bonds oder Private–Equity-Investments die CO₂-Emissionen messen zu können. Es gibt aber auch Anlageklassen, bei denen es kaum möglich sein wird, die CO₂-Emissionen zu berechnen.

Hoffen wir, dass der klimapolitische Weckruf in der Finanzindustrie angekommen ist. Sogar Mark Carney, der Governor der Bank of England, warnt Investoren vor massiven Verlusten aufgrund des Klimawandels. Bleibt das Pariser Abkommen aber trotz der Zusagen der Mitgliedsstaaten der UNO wirkungslos, und behalten wir das «business-as-usual»-Szenario bei, wird sich die Erde um mindestens 4.7 Grad Celsius oder mehr erwärmen, und der Meeresspiegel wird um mindestens 70 Zentimeter ansteigen. In der Schweiz wird der Temperaturanstieg sogar 5.1 Grad Celsius betragen und die Schneefallgrenze um 900 Meter steigen.

Die LGT benötigte diesen Weckruf nicht. Seit Jahren ergreift sie entsprechende Massnahmen – unternehmensintern, aber auch im Kerngeschäft. Im ESG Report 2016 zeigt die LGT auf, wie sie ihre Investmentprozesse an die ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) angepasst hat und weist die CO₂-Emissionen sowie den Wasser- und Energieverbrauch ihrer Investmentportfolios aus.

Leselinks:

  • Auf Wikipedia findet sich ein fundierter Überblick zum Pariser Abkommen und den Konsequenzen.
  • Der IPCC-Bericht 2014 beweist den Einfluss des Menschen auf das Klimasystem. Gemäss Prof. Dr. Thomas Stocker, Klimaexperte an der Universität Bern, müssen, um den Klimawandel noch zu stoppen, unwiderrufliche und beträchtliche Reduktionsmassnahmen ergriffen werden – und zwar so schnell wie möglich.

Bildlegende: COP21 2015 Paris Le Bourget – Centre de Conférence – Conférence des Nations Unies sur les changements climatiques. By Jmdigne (Own work) CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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