Schnauze voll: Ein guter Riecher fürs Geld

Schnauze voll: Ein guter Riecher fürs Geld 

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Wonach Banknoten auch immer riechen mögen – einer gut trainierten Hundenase entgeht nichts. Und wenn es irgendwann kein Bargeld mehr geben sollte, dann schnüffeln sie einfach nach Trüffeln. Pecunia non olet.

Der römische Kaiser Vespasian galt als einer der frühen Realpolitiker. Und er lieferte hierfür einen bis heute vielbeachteten Beweis. Als wieder einmal Geld in der Staatskasse fehlte, führte er Gebühren für die Benutzung von öffentlichen Toiletten ein und hinterließ der Nachwelt das klassische Zitat: «Pecunia non olet», also «Geld stinkt nicht».

Heute wissen wir: Geld mag in der Tat nicht stinken, aber es duftet. US-Dollar-Scheine sollen zahlreiche «Gerüche leichtflüchtiger organischer Komponenten verströmen», behaupten Chemieingenieure des kalifornischen Unternehmens KWJ Engineering. Manche Zeitgenossen verbreiten die Mär, die 2011 eingeführten kanadischen 100-Dollar-Noten dufteten nach Ahornsirup. Oder ist es am Ende gar keine Mär? Die einen sprechen von der Macht der Suggestion, während die «Bank of Canada» schweigt. Vertreter aus weniger seriösen Branchen schnüffeln mitunter schon mal an Geldscheinen, um deren Echtheit zu checken. «Blüten» riechen angeblich nach Knoblauch.

Wie auch immer – Bargeld riecht, sonst wären die in vielen Ländern eingesetzten Spürhunde nicht so erfolgreich. Am Grossflughafen Frankfurt Rhein-Main fallen den vierbeinigen Cash-Schnüfflern im Schnitt sieben Mal pro Tag Passagiere mit ungewöhnlich hohen Bargeld-Mengen im Gepäck auf.

Dabei handelt es sich gleichsam um «Multi-tasking-dogs», denn sie schlagen unabhängig davon an, ob sie nun echtes Geld oder Falschgeld entdecken. Experten versichern, es wäre kein Problem, die Hunde nur auf echte Banknoten zu konditionieren und damit den Geldwäschern das Leben zu erschweren. Wenn aber die Vierbeiner mit ihren feinen Spürnasen auch «Blüten» entdecken, sind sie für den Zoll gleich von doppeltem Wert. Oft schlagen die Tiere auch Alarm, wenn sie die Schnauzen voll mit Drogen-Gerüchen haben. Damit nicht genug: Die Spürhunde dienen letztlich auch dem Schutz der Beamten. Deshalb werden meist deutsche oder belgische Schäferhunde eingesetzt. Obwohl jeder Dackel ein potenzieller Cash-Schnüffler wäre.

Für die Hunde ist die Cash-Fahndung ein Spiel, verbunden mit der Vorfreude auf die anschließende Belohnung. Sie kommen mit ihren feinen Nasen selbst minimalste Gasspuren auf die Spur, die Geldscheine durch ihr Material und die verwendete Druckfarbe verbreiten. So erfolgreich sind die Vierbeiner, dass die US-Firma KWJ nun Scanner in Form von «künstlichen Hundenasen» herstellen will. Freilich kann es ein paar Jahre dauern, bis die Schnüffel-Scanner an den Grenzen eingesetzt werden. Denn noch ist die kalifornische Ingenieurskunst jeder Hundenase deutlich unterlegen.

Gefahr droht aber vielleicht von ganz anderer Seite. Am Ende könnte ein Bargeld-Verbot den Cash-Spürhunden ihre Jobs kosten. Hundetrainer indes beruhigen. Spürhunde lassen sich auch umkonditionieren. Dann schnüffeln sie eben nicht mehr nach Bargeld, sondern vielleicht nach edlen Trüffeln.

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