Plastik im Meer – und damit auf unserem Teller

Plastik im Meer – und damit auf unserem Teller 

1.4 (27.94%) 63 votes

Plastikmüll in den Ozeanen ist ein beträchtliches Problem. Obwohl Meeresbiologen bereits seit langem Alarm schlagen, wird das Thema nach wie vor viel zu wenig beachtet. Weil sich die diversen Plastikteppiche in internationalen Gewässern befinden, fühlt sich kein Land dafür zuständig, das Problem anzugehen. Dabei sind sie eine Gefahr für Mensch und Tier.

Gemäss einer 2015 publizierten Studie verursachten 192 Küstenländer alleine im Jahr 2010 rund 275 Millionen Tonnen Plastikabfall. Davon gelangten rund drei Prozent, das entspricht 8.8 Millionen Tonnen, in die Ozeane. Ohne Gegenmassnahmen dürfte sich diese Menge bis 2025 verzehnfachen.

Plastikmüll in den Ozeanen ist kein neues Phänomen. Er wurde bereits in den 1980-er Jahren registriert, aber nicht als problematisch erkannt. Mittlerweile hat der als „Great Pacific Garbage Patch“ bekannte Müllteppich im Nordpazifik die Grösse von Zentraleuropa erreicht. In den verschiedenen Meeresregionen befinden sich bereits weitere vier solcher Plastikmüllteppiche. Sie bewegen sich mit den Meeresströmungen, doch nur 15 Prozent des Mülls landen am Ende wieder am Strand. Mehr als 70 Prozent sinken auf den Meeresgrund, wo die Plastikteile mit Korallenfragmenten und Sand zu sogenannten Plastiglomeraten verschmelzen.

Makro- und Mikroplastikmüll

Makroplastik, das heisst Plastiksäcke und -flaschen sowie grössere Plastikteile, macht gewichtsmässig den grösseren Teil des Plastikabfalls in den Meeren aus. Davon sind insbesondere grössere Tiere betroffen. Wale etwa verwechseln Plastikflaschen mit Robben, Meeresschildkröten halten schwimmenden Plastiktüten für Quallen. So füllen die Tiere ihren Magen so lange mit Plastik, bis kein Platz mehr für richtige Nahrung bleibt – sie verhungern trotz vollem Magen. Zudem verletzen sich grössere Meerestiere mit Makroplastik: Sie werden stranguliert oder ertrinken, weil sich die Flossen in Plastikteilen verheddern. Jährlich sterben deswegen rund eine Million Seevögel und hunderttausende andere Meerestiere wie Meeresschildkröten, Robben, Wale und Delphine.

Eine noch grössere Herausforderung ist Mikroplastik, mit dem gemäss dem Spanish National Research Council bereits 88 Prozent der weltweiten Meeresoberfläche verschmutzt sind. Dabei wird zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik unterschieden. Primäres Mikroplastik ist industriell hergestelltes Granulat, das insbesondere in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten eingesetzt wird. Die beigemischten Mikroplastikkügelchen sollen die Reinigungswirkung von Peelings, Zahnpasta, Dusch- und Linsenreinigungsmitteln verbessern, obwohl es natürliche Alternativen wie Spezialkieselsäure oder gemahlene Fruchtkerne gibt. Die Plastikkügelchen sind oft so klein, dass sie in der Kläranlage nicht aussortiert werden können. So sind auch unsere Seen und Flüsse mit Mikroplastikteilchen verschmutzt. Dazu kommt, dass Plastik biologisch nicht abbaubar ist, sondern durch UV-Strahlung und Salzwasser zersetzt wird. Dadurch entstehen giftige Stoffe , die Krebs verursachen oder das Erbgut schädigen können. Weiter beinhaltet Plastik toxische Stoffe wie Blei, Kadmium und Quecksilber, die in Fischen gefunden wurden. Andere giftige Stoffe sind Bisphenol A (BPA), ein Ausgangsstoff der Kunststoffproduktion und Phthalaten, die als Weichmacher eingesetzt werden. Sie sind auch für den Menschen gefährlich.

Gemäss Schätzungen befinden sich in den Ozeanen rund 5.25 Billionen Mikroplastikpartikel mit einem Gesamtgewicht von 269 000 Tonnen. Auch hier besteht die Gefahr, dass sich die Meerestiere damit vergiften. Plankton nimmt Mikroplastik statt oder mit der normalen Nahrung auf, Fische wiederum verwechseln die Plastikteilchen mit Plankton. Dadurch gelangen die giftigen Stoffe bis in den menschlichen Organismus.

Fazit

Um uns und unsere Umwelt zu schützen, müssen wir radikal umdenken und unser Handeln entsprechend anpassen. Denn das Meer ist mittlerweile durchgehend verdreckt und an vielen Stellen nicht viel mehr als eine Müllkippe. Der Einsatz von Kunststoff sollte daher möglichst vermieden werden. Und wenn es keine Alternative dazu gibt, sollte er rezykliert werden.

Jeder Schweizer verbraucht jährlich mehr als 280 Plastiksäcke. Ein Plastiksack wird in der Regel nur 25 Minuten genutzt und landet danach im Abfall. Und genau hier kann jeder einzelne ansetzen, indem man etwa beim Einkauf Früchte und Gemüse nicht in Plastiksäcke abpackt, sondern in sogenannte „veggiebags“, wiederverwendbare Einkaufsbeutel für Gemüse und Früchte.

Positive Signale kommen von kleinen Nicht-Regierungsorganisationen, die mit verschiedenen Methoden versuchen, die Ozeane vom Plastikmüll zu befreien. Eine, die mir besonders ins Auge gestochen ist, ist Ocean Clean Up, eine Organisation, die vom heute 22-jährigen Holländer, Boyan Slat, ins Leben gerufen wurde. Mit einem künstlichen Küstenstreifen will er den Plastikmüll im Meer sammeln. Zur Zeit laufen verschiedene Tests, ab 2019 soll das Verfahren erstmals angewendet werden.

Auch die LGT leistet ihren Beitrag – im Rahmen des Möglichen: Rund 50 Prozent unserer Mitarbeiter in Hongkong haben dieses Jahr am sogenannten „Green Power Hike“ teilgenommen und zusätzlich 43 000 Schweizer Franken für Umwelt-Bildungsunterricht an Schulen, Renaturierungsprogramme und Aufräumarbeiten von Stränden finanziert.

Weitere Informationen zum Thema:

Bild: By Vberger (Own work), via Wikimedia Commons

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Peter Romanowski at 11:26

    Liebe Frau Finsterwald,
    leider hat dieser Blog keine Kommentare gefunden. In der Tat stellt sich die Frage: Was können wir tun, um die Meere aber auch unsere Landschaften vom nicht kompostierbaren Plastik zu befreien?

    Hier ein Ansatz für einen Maßnahmenkatalog:
    – Verringerung unserer Verpackungen und doch werden immer mehr onlinehops ins Leben gerufen, die nicht mit Verpackung sparen.
    – Der „Grüne Punkt“ in Deutschland hat zwar dazu beigetragen, dass wir mehr Müll trennen, doch führte er damit nicht zu einem emotionalen Zwang Müll zu vermeiden. Ich stelle eher die These auf, dass sich auch Mülltrennung der emotionale Zwang verringert hat, Müll zu vermeiden.
    – Keine Müllexporte in Schwellen- und Entwicklungsländer
    – Mehr politischen Druck Bioplastik schneller einzuführen und dabei auf die Verpackungsverordnungen und Mülltrennungsverordnungen den neuen Herausforderungen angemessen anpassen.
    – Aufsetzen eines stattlichen Fonds zur Unterstützung der Müllverarbeitung in Entwicklungsländern und Abbau von Mikroplastik in unseren Meeren.
    – Vermeidung des Exports von Müll in Entwicklungsländern.

    Dieser Ansatz eines Katalogs kann sicherlich noch an vielen Stellen erweitert werden. Wir müssen jedoch schnellstens daran arbeiten. Ich persönlich unterstütze derzeit ein Unternehmen spezialisiert auf Bioplastik in der Vermarktung und auf der Suche nach einem strategischen Investor. Dieses Unternehmen sieht sich beispielsweise dem Problem der Mülltrennung ausgesetzt. Die Lobby ist leider vielweniger schlagkräftig als die Divest/Invest-Lobby.

    Beste Grüße

    Peter Romanowski

    • Ursula Finsterwald
      Ursula Finsterwald at 17:21

      Lieber Herr Romanowski
      Besten Dank für Ihren Kommentar. Ich hätte mir auch erhofft, dass es mehr Kommentare auf diesen Blogbeitrag geben würde; ist das Thema in der letzten Zeit doch stark in den Medien vertreten.

      Ich gehe mit Ihnen einig, dass Plastikmüll unbedingt verringert werden muss. Ich bin sogar der Auffassung, dass dies der einzig richtige Weg ist. Wer hätte gedacht, dass Ruanda bereits 2009 ein Plastikverbot eingeführt hat. Die EU hat erst im 2015 beschlossen, dass bis 2025 der Verbrauch von Plastiktüten pro Person und Jahr auf 40 Beutel von 167 Beutel im 2010 gesenkt werden soll. Da könnte sich die EU ein Beispiel an Ruanda nehmen. Denn ein generelles Verbot bringt schneller positive Resultate in Bezug auf die Umweltverschmutzung. Ein Umdenken der Gesellschaft würde damit erzwungenermassen stattfinden und der Stoffbeutel zu einem neuen Trend-Begleiter.

      Bezüglich Bio-Plastik gehe ich mit Ihnen nicht einig. Ich sehe Bio-Plastik als problematisch. Dies aus zwei Gründen: Erstens Bio-Plastik kann zwar aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sein, wie Mais oder Kartoffeln; das alleine aber bedeutet nicht, dass er auch vollständig biologisch abbaubar ist. Denn oft werden zur Herstellung von Bio-Plastik neben den nachwachsenden Rohstoffen auch Zusatzstoffe, wie Flammschutzmittel oder UV-Stabilisatoren eingesetzt. Auch ist nicht gesichert, dass Mais und Kartoffeln für die Herstellung von Bio-Plastik biologisch angebaut wurden, eher trifft zu, dass Düngemittel eingesetzt und diese Kulturen bewässert werden müssen. Demzufolge löst Bio-Plastik das Umweltschutzproblem nicht.

      Als zweiten Punkt möchte ich anführen, dass biologisch abbaubarer Plastik sich nur auf die Abbaubarkeit und nicht auf Herkunft der Rohstoffe bezieht. Somit ist nicht gesichert, dass dafür nicht doch wieder fossile Rohstoffe eingesetzt werden. Bio-Plastiktüten werden ebenfalls nicht mehrfach verwendet, sondern in den meisten Fällen nach kurzem einmaligem Gebrauch in den Müll geworfen. Und wenn Bio-Plastik mit Zusatzstoffen versetzt ist, kann er nicht kompostiert werden. Als Konsument blicke ich in diesem Dschungel nicht durch.

      Neben Ruanda, das ein generelles Verbot ausgesprochen hat, gibt es verschiedene freiwillige Initiativen. Eine Initiative, die ich besonders erwähnenswert finde ist diejenige der Schwestern Melati und Isabel Wijsen aus Bali. Die Schwestern haben als 10- und 12-jährige Mädchen eine Kampagne zum plastik-freien Bali gestartet. Mit Hartnäckigkeit haben sie erreicht, dass der Gouvernor bekannt gegeben hat, dass Bali bis 2018 Plastiktüten-frei sein soll.

      Somit appelliere ich an die Leser meiner Blogs: Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und nehmen Sie zum Einkaufen den guten alten Stoffbeutel, einen Korb oder den Rucksack. Denn nur Mehrfachverwenden reduziert effektiv Abfall und damit Umweltverschmutzung.

      Freundliche Grüsse
      Ursula Finsterwald

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.