Portfoliowandel fürs Klima: Was die Finanzindustrie für den Klimaschutz tun muss

Portfoliowandel fürs Klima: Was die Finanzindustrie für den Klimaschutz tun muss 

Am 22. April 2016 traf sich Ban Ki Moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen, mit Vertretern aus 175 Staaten, um das neue Klimarahmenabkommen, das sogenannte «Paris Agreement», zu unterzeichnen. Ziel dieses Abkommens ist es, die Erwärmung der Erdatmosphäre im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf unter zwei Grad Celsius, wenn möglich sogar auf anderthalb Grad zu begrenzen. Das Paris Agreement markiert einen Wendepunkt in der internationalen Klimapolitik, der für die Finanzbranche richtungsweisend sein dürfte.

Erstmals wird im Paris Agreement auch die Privatwirtschaft, insbesondere die Finanzindustrie, miteinbezogen. Dieser Schwachpunkt des Kyoto Protokolls wird ausgemerzt, indem mit dem neuen Rahmenübereinkommen die sogenannten Private-Public-Partnerships stärker gefördert werden sollen. Das Paris Agreement nimmt auch direkten Bezug auf die Finanzindustrie: «By making finance flows consistent with a pathway towards low greenhouse gas emissions and climate-resilient development» (Art. 2 Paragraph 1c) soll ein verpflichtender Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

Verschiedene Staaten machen ernst: Weltweite Initiativen für den Klimaschutz

Erste Initiativen für eine erfolgreiche Umsetzung des Paris Agreement in der Finanzindustrie zeigen sich bereits. Zum Beispiel hat China, welches zur Zeit die Präsidentschaft der G20 innehat, eine Arbeitsgruppe zum Thema «Green Finance» ins Leben gerufen und das Thema auf die Agenda gebracht. Um die Finanzströme stärker in Richtung saubere Energie zu lenken, werden jedoch klare Massnahmen nötig sein. Wir dürfen gespannt sein, ob Staaten neue gesetzliche Regelungen einführen werden oder ob sie es bei Empfehlungen und damit freiwilligen Massnahmen bewenden lassen.

Verschiedene europäische Staaten haben sich dazu schon Überlegungen gemacht. In Frankreich hat die Nationalversammlung bereits im Oktober 2015 ein Gesetz verabschiedet, welches die Investoren verpflichtet, über ihre Massnahmen zum Klimaschutz zu berichten und ihre CO2-Emissionen im Portfolio auszuweisen. Auch Schweden verpflichtet seine öffentlichen Pensionsfonds per Gesetz, eine «low-carbon» Strategie zu fahren.

In der Schweiz wurde untersucht, wie hoch die CO2-Emissionen in den Portfolios der Asset Manager aber auch der Asset Owner sind. Die Studie Kohlenstoffrisiken auf dem Schweizer Finanzplatz des Bundesamts für Umwelt (30.10.2015) stellt fest, dass die Schweizer Anleger beträchtlich in CO2-intensive Unternehmen investieren und damit ein Vier- bis Sechs-Grad-Celsius-Szenario unterstützen. Diese Investments sind somit nicht mit einem Zwei-Grad-Celsius-Ziel kompatibel.

Die Europäische Kommission hat im ersten Quartal 2016 eine öffentliche Konsultation durchgeführt, um zu erfahren, wie institutionelle Investoren die sogenannten ESG (Environment, Social, Governance) Kriterien in den Investitionsprozess integrieren und welche Hürden dabei bestehen. Es darf davon ausgegangen werden, dass es auch auf EU-Ebene Überlegungen gibt, eine gesetzliche Regelung einzuführen.

Klimaschutz als Investitionsmaxime

Es zeigt sich, dass mit Artikel 2 Paragraph 1c des Paris Agreement auch die Finanzindustrie ihren Teil zur Zielerreichung leisten muss – sei es auf freiwilliger oder gesetzlicher Basis, dies kann von Land zu Land variieren, je nach Ausgestaltung der «Nationally determined contributions», die die Staaten gemäss Paris Agreement bis 2020 bei der UNO einreichen müssen. Investoren sollten sich bereits heute mit dem Thema auseinandersetzen und nicht erst, wenn Druck von staatlicher Seite droht. Die LGT hat, wie im kürzlich veröffentlichten ESG Report 2016 aufgezeigt, ihre Investmentprozesse entsprechend angepasst und die CO2-Emissionen sowie den Wasser- und Energieverbrauch ihrer Investmentportfolios ausgewertet.

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