Europäische Private-Equity-Manager nehmen Nachhaltigkeit inzwischen ernst – doch was kommt jetzt?

Europäische Private-Equity-Manager nehmen Nachhaltigkeit inzwischen ernst – doch was kommt jetzt? 

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Seit fünf Jahren befragt LGT Capital Partners seine Private-Equity-Manager weltweit in Bezug auf die Integration von Nachhaltigkeitskriterien (ESG). Der aktuelle ESG-Report zeigt, dass das Thema in Europa inzwischen fest verankert ist – und damit ist es an der Zeit, die Ansprüche zu steigern.

Bisher wurde das Thema Nachhaltigkeit nicht oft mit Private-Equity-Managern in Verbindung gebracht. Diese Sichtweise ist inzwischen überholt, wie der Nachhaltigkeits-/ESG-Report von LGT Capital Partners bestätigt (siehe Blogbeitrag 19.12.2017). Gerade sie haben erhebliches Potenzial, um Nachhaltigkeitsthemen voranzutreiben und die meisten von ihnen haben inzwischen klare Nachhaltigkeitsgrundsätze: Sie integrieren Nachhaltigkeitskriterien systematisch im Investmentbereich, nehmen Aktionärs- und Eigentümerrechte aktiv wahr und berichten ihren Investoren immer häufiger auch strukturiert darüber. So haben 75 Prozent aller befragten Manager in Europa ein Rating von eins oder zwei erhalten, was bedeutet, dass sie sehr gute oder herausragende ESG-Prozesse implementiert haben.

Entwicklung der ESG-Ratings von Private Equity-Managern in Europa
Private Equity ESG

Die Daten, die über sechs Jahre hinweg erhoben wurden, zeigen, dass Private Equity in Hinblick auf die Integration von ESG-Kriterien aufgeholt hat und nicht mehr hinter anderen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen herhinkt. Was die Frage nahelegt, welcher Entwicklungsschritt nun folgen muss und wie dieser aussehen könnte.

Nachhaltigkeitsintegration in Private Equity – wie weiter?

Die positive Bilanz von Private-Equity-Managern beim Thema Nachhaltigkeit könnte noch besser ausfallen, wenn für ihre Anlagen mehr Daten verfügbar wären, wie es etwa bei Aktien oder Anleihen der Fall ist. Doch Privatunternehmen müssen weniger und seltener Daten publizieren als börsennotierte Unternehmen. Zudem werden Daten aufgrund der illiquiden Struktur der Investitionen zeitverzögert gemeldet. Wenn Private-Equity-Manager auch noch als Limited Partner agieren, also über weitere Private-Equity-Firmen investieren, ist ihr Zugang zu Unternehmensdaten umso schwieriger. Oft kommt hinzu, dass Private-Equity-Investoren in junge Unternehmen investieren, die sich in der Aufbauphase befinden. Prozesse zur Datenberichterstattung sind hier unter Umständen noch nicht ausgereift. Was hat all dies mit der Weiterentwicklung der ESG-Integration zu tun? Wir sehen klar, dass der nächste Schritt der ESG-Integration im Wesentlichen im Bereich der Berichterstattung hin zu klaren Key Performance Indikators – also Erfolgskennzahlen – und der Wirkungsmessung in Bezug auf ESG liegen wird. Denn der Erfolg beim Thema Nachhaltigkeit lässt sich nur klar bilanzieren, wenn die entsprechenden Daten in ausreichender Quantität und Qualität vorhanden sind – und gerade für Private-Equity-Manager ist dies ein ungleich grosser Schritt.

Der nächste Schritt: Zugang zu unabhängigen Quellen

Unabhängige Quellen sind eine Möglichkeit, diese Lücke in der Nachhaltigkeitsbilanz zu schliessen: Die Datenbank RepRisk beispielsweise durchforstet systematisch 80 000 Internetquellen (Nachrichtenportale, Berichte von NGOs, Studien) in 16 Sprachen nach ESG-Themen. Sie stellt Informationen unabhängig von den Anbietern zu 28 ESG-Erfolgskennzahlen und 45 sogenannten „Hot topics“ zusammen, also zu Risiken, die im Zusammenhang mit ESG identifiziert werden können. Wird ein Unternehmen mit einem dieser Faktoren in Zusammenhang gebracht, werden die Investoren zum Beispiel die Private-Equity-Manager darüber informiert. Daraufhin können die Manager das Thema mit dem entsprechenden Unternehmen aufnehmen, weitere Informationen anfordern und gegebenenfalls Massnahmen zur Verbesserung der Situation definieren. Die Integration von RepRisk in das ESG-Monitoring durch Private-Equity-Manager hat noch einen weiteren Vorteil. Es bietet gute Anknüpfungspunkte für einen konkreten Dialog mit den Unternehmen.

Gerade dieser Dialog und das Engagement der Investoren kann die Integration von ESG-Kriterien voranbringen, wie wir aufgrund der engen Zusammenarbeit im ESG-Bereich mit Private-Equity-Managern erfahren haben. Beispiele von relevante KPIs und Engagement haben wir in unserem „Guide to ESG implementation in Private Equity“ zusammengefasst, der im vergangenen Jahr erschienen ist.

Private-Equity-Investoren sind durch ihre langfristige und direkte Verbindung mit Unternehmen prädestiniert, um positive Veränderungen voranzubringen. Sie werden ein zunehmendes Interesse entwickeln, diese Wirkung vor allem im ESG-Bereich messbar und transparent zu machen. In Hinblick auf die Integration von ESG-Kriterien hat Private Equity anerkannte Prozesse entwickelt und umgesetzt. Diese bilden eine solide Grundlage, um die ESG-Integration voranzutreiben, beispielweise mittels einer umfassenderen ESG-Berichterstattung. Der Zugang zu und die systematische Nutzung von Daten spielen dabei die Hauptrolle. Es werden weiterhin grosse Schritte nötig sein, um im privaten Geschäftsumfeld von Private Equity die Datenverfügbarkeit voranzubringen.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 27. Juli 2018 | marktEINBLICKE

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