Chinesische A-Shares: Neues Spielfeld für quantitative Investmentansätze?

Chinesische A-Shares: Neues Spielfeld für quantitative Investmentansätze? 

Hohe Liquidität, diverse Investitionsmöglichkeiten und eine interessante Marktstruktur: Das sind wichtige Zutaten für erfolgreiche quantitative Investmentansätze. Ist es Zeit in A-Shares zu investieren?

Quantitative Investmentansätze verwenden mathematische und statistische Modelle zur Analyse grosser Datenmengen. Sie identifizieren Handelsmuster und sind sehr skalierbare Instrumente zur Vorhersage von Preisbewegungen an den unterschiedlichsten Märkten. Während diese Ansätze in den entwickelten Ländern seit Jahren angewendet werden, sind sie in Entwicklungsländern weit weniger verbreitet. Als Erfolgsgrundlage benötigen sie nämlich liquide Märkte, eine breite Palette an Investitionsmöglichkeiten und verlässliche Daten. Dies ist oft nicht gewährleistet. Trotzdem gibt es auch in Entwicklungsländern immer mehr Opportunitäten, wie beispielsweise im Handel mit chinesischen A-Shares.

Riesiger und zunehmend zugänglicher A-Shares Markt

Dabei war der Handel mit diesen Aktien für Ausländer lange stark eingeschränkt. Vor 2003 hatten ausländische Investoren lediglich Zugang zu chinesischen Unternehmen, welche an der Hongkonger Börse gehandelt wurden, den sogenannten H-Shares. Erst durch die Einführung der QFII (Qualified Foreign Institution Investor), RQFII (RMB Qualified Foreign Institutional Investor) und Stock Connect Programme erhielten internationale Investoren Zugang zu chinesischen A-Shares. Heute ist dieser Markt, der die Shanghai und Shenzen Stock Exchange umfasst, nach den USA der zweitgrösste Aktienmarkt weltweit. Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt über USD 8 Billionen.

Frühes Entwicklungsstadium bietet Chancen …

Die beträchtliche Marktkapitalisierung und die damit verbundene Liquidität machen diesen Markt sehr attraktiv. Die eingangs erwähnte erste Erfolgsgrundlage für positive Renditen von quantitativen Investmentansätzen ist somit gewährleistet. Wie steht es aber mit den Investitionsmöglichkeiten und der Datengrundlage? Auch hier lässt sich ein positives Bild zeichnen: An der Shenzen Stock Exchange sind über 2200, an der Shanghai Stock Exchange über 1700 Firmen gelistet. Damit steht einem quantitativen Investor ein grosses Universum von insgesamt fast 4000 Firmen zur Verfügung. Der Markt verfügt zudem über eine sehr gute Datenbasis. Verlässliche Preis-, Volumen- und Fundamentaldaten sind leicht verfügbar. Die Erfolgsgrundlagen sind also gewährleistet.

Daneben gibt es weitere Faktoren, die diesen Markt sehr interessant machen. Da wäre beispielsweise die Marktstruktur. Im Gegensatz zu den europäischen oder US-Aktienmärkten, die von institutionellen Investoren dominiert sind, werden A-Shares vor allem von Privatanlegern gehandelt. Der Anteil an Retail-Investoren liegt da bei über 80%. Sie haben im Vergleich zu institutionellen Investoren einen kürzeren Anlagehorizont, was zu volatileren Märkten und damit zu Opportunitäten für quantitative Investmentansätze führt. Zudem scheint China trotz Handelsstreit mit den USA an der Finanzmarktliberalisierung festzuhalten. Es ist davon auszugehen, dass die Reformen fortgesetzt und weitere ausländische Investoren anlegen werden. Und auch im Bereich ESG tut sich einiges: Ab diesem Jahr sind alle börsennotierten chinesischen Unternehmen erstmals verpflichtet ESG Berichte zu erstellen.

… birgt aber auch Risiken

Dennoch gibt es im chinesischen Markt immer noch zahlreiche Risiken: Regulatorische Eingriffe, Liquiditätsereignisse sowie temporäre oder permanente Aktiensuspensionen sind leider immer noch häufig. Zudem steigen die Bedenken bezüglich illegaler Margenkredite wieder an, welche bereits im Jahre 2015 für den massiven Kurssturz an der Shanghai und Shenzen Stock Exchange verantwortlich waren. Eine Risikoabsicherung mithilfe von Verkaufspositionen ist im Vergleich zu anderen Märkten sehr kostspielig. Die Kreditkosten sind hoch und die Verfügbarkeit von Aktien zum Ausleihen ist begrenzt. Auch die vermehrten Investitionen von grossen institutionellen Investoren aus dem Ausland bergen Nachteile. Die Märkte werden effizienter und die Überrenditen der einzelnen Marktteilnehmer nehmen ab. Man spricht vom sogenannten Alpha-Zerfall. Wie bei einer Goldmine wird es mit zunehmendem Goldabbau immer unwirtschaftlicher die Mine zu betreiben.

Viel Potenzial für quantitative Investmentansätze

So gilt es die Chancen und Risiken gründlich abzuwägen. Aufgrund der hohen Liquidität, dem breitem Firmenuniversum und der interessanten Marktstruktur gibt es für quantitative Investmentstrategien aber auf jeden Fall viel Potenzial im A-Shares Markt. Von der chinesischen Regierung sind unterstützende politische Massnahmen und weitere Fortschritte bei der Öffnung der Finanzmärkte zu erwarten. Der liberale Trend der letzten Jahre dürfte sich fortsetzen wobei der anhaltende Handelsstreit mit den USA sowie die hohen Margenkredite kurzfristige Risiken bergen. Für quantitative Investmentstrategien ist der chinesische Markt aber interessant und das Wachstum wird sich mit anhaltender Liberalisierung fortsetzen. Sie bieten einzigartige Anlagemöglichkeiten mit hohem Diversifikationspotential.

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