Redensarten rund ums Geld – und was dahinter steckt

Redensarten rund ums Geld – und was dahinter steckt 

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Auch wenn man das auf den ersten Blick nicht vermuten würde: Viele unserer heutigen Redensarten haben mit Geld zu tun.

Wer Geld dauerhaft auf den Kopf haut, kann nach Meinung vieler seiner Mitmenschen in selbigem nicht richtig ticken. Denn diese Redensart steht für den betont lockeren, ja leichtsinnigen Umgang mit den Finanzen. Allenfalls kurzfristig, in besonders glücklichen und euphorischen Momenten, wird ein solches Verhalten von der Gesellschaft goutiert. Wer hingegen dauerhaft Geld auf den Kopf haut, dem drohen in der Regel früher oder später ernsthafte Probleme mit der eigenen Solvenz.

Im Mittelalter freilich hatte diese Redewendung rein gar nichts mit Verschwendungssucht zu tun. Damals war es vielmehr üblich, im Wirtshaus seine Zeche zu bezahlen, indem man die Münzen mit der Zahl nach oben auf den Tisch legte. So erkannte der Wirt auf einen Blick den Wert des Geldstücks. Das führte eben dazu, dass man die Kopfseite der Münze auf die Tischplatte haute.

Auch solche, die «auf grossem Fuss leben», stehen im Verdacht, besonders verschwenderisch zu sein. Dabei geht diese Redensart auf ein orthopädisches Problem zurück. Ein gewisser Graf Anjou, der im 12. Jahrhundert lebte, litt so sehr an seinen missgebildeten Füssen, dass er besonders grossformatige Schnabelschuhe tragen musste. Da der Graf seinerzeit zu den wohlhabenderen Zeitgenossen gehörte, wurden ihm die grossen Schuhe von neidischen Mitmenschen als Protzerei ausgelegt.

Zeitgenossen, die uns etwas «abknöpfen», sind uns ebenfalls nicht sonderlich sympathisch. Meist fühlen wir uns dann übervorteilt. Ursprünglich jedoch stellte das «Abknöpfen» eine Art von Belohnung dar. In jener Zeit nämlich, als noch goldene Knöpfe das feine Tuch edler Damen und Herren schmückten, gestatteten diese besonders treuen Dienern ab und zu, sich eines dieser Goldstücke anzueignen, sprich: sich eines «abzuknöpfen».

Ein Mensch aus «echtem Schrot und Korn» ist einer, mit dem man Pferde stehlen kann. Ein zuverlässiger und treuer Zeitgenosse eben. Schrot und Korn indessen haben nichts mit Landwirtschaft zu tun, sondern mit Geld. Der Begriff Schrot steht für das Gesamtgewicht einer Münze. Hierzu werden die Anteile an Edelmetallen und an unedlen Metallen zusammengerechnet. Als Korn wird hingegen das Feingewicht einer Münze bezeichnet, bei dem nur das Edelmetall zählt.

Keine Frage, jeder von uns braucht ab und zu das bekannte Quäntchen Glück. Auch das hat – fast kann man es erahnen – mit Geld zu tun. Das Wort Quint, aus dem sich das Quäntchen ableitet, stand einst für das Hundertstel des karolingschen Pfundes. Das Quäntchen ist also nur eine sehr bescheidene Portion Glück.

Fazit: Nicht jede Redensart trifft den Nagel auf den Kopf.

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