Redensarten: Die tierische Freude am Geld

Redensarten: Die tierische Freude am Geld 

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Redensarten. Wer hierzulande Flöhe hat, ist reich. Wer in China einen Karpfen hat, wird reich – zumindest, wenn man der Symbolik glaubt. In der Welt der Finanzen spielt die Fauna in vielfacher Hinsicht eine wichtige Rolle. Aber warum?

Ein reicher Mops hat Flöhe. Sollten sie ihm einmal ausgehen, kommt er sehr schnell auf den Hund. Wenn wir über Geld und Vermögen sprechen, bedienen wir uns auffallend oft Metaphern aus der Tierwelt. Wird eine Arbeit schlecht bezahlt, schimpfen wir über «die paar Kröten». Kindern wird schon früh die Tugend des Sparens mittels eines Sparschweins nahegebracht. An den Börsen kämpfen bekanntlich Bullen und Bären um die Hoheit. Und wenn einem Zeitgenossen einmal die Kröten ausgehen und dieser Zustand längere Zeit anhalten sollte, dann kreisen bald die Pleitegeier über dem Betreffenden.

Aber nicht nur in der Umgangssprache gibt es offenkundige Zusammenhänge zwischen Finanzen und Fauna. In China zum Beispiel gelten Fische, vor allem aber Karpfen, als Symbole für Reichtum und Wohlstand. Werden deshalb in unseren Breiten zum Jahreswechsel Karpfen verzehrt, weil man sich davon finanzielles Wohlergehen im neuen Jahr erhofft?

Auch die wichtigsten Anlagemünzen werden von Tieren geschmückt. Die bekanntesten sind die amerikanischen Buffalo-Münzen, der Krügerrand mit dem Springbock und der im wahrsten Sinne des Wortes goldige chinesische Panda. Weniger bekannt, dafür aber nicht nur bei Katzenfreunden begehrt sind die goldenen Cats-Münzen von der Isle of Man. Australien wählte sogar für jedes Edelmetall ein bestimmtes Tier. Potenziell die grössten Sprünge macht das Känguru, das die Goldmünze ziert. Dass der Kookaburra, dessen Ruf wie Kinderlachen klingen soll, auf der Silbermünze zu finden ist, darf keinesfalls als Verhöhnung der Silber-Anleger verstanden werden. Der Emu schmückt die Palladium-Münze – ausgerechnet ein Vogel, der flugunfähig ist und nicht abheben kann. Und der poussierliche Koala macht die Platinmünze ansehnlich.

Wie kommt es aber nun, dass die Fauna für uns eine so wichtige Rolle spielt, wenn wir über Geld und Vermögen sprechen? Am einfachsten ist noch die Sache mit dem Sparschwein zu erklären. Es steht für besondere Fruchtbarkeit. Und wer wünschte sich nicht, dass sich sein Erspartes schnell vermehrte? Im Fall der Münzen stehen die Tiere vielfach für das betreffende Land, in dem die edlen Stücke geprägt werden. Über alles andere gibt es nur Vermutungen. Folgen wir in Geldfragen dem Instinkt, der bei Tieren in der Regel ausgeprägter ist als bei Menschen? Oder bereitet es uns am Ende tierisches Vergnügen, vermögend zu sein? Vielleicht sind manche Redensarten aber auch einfach nur Unsinn. Dafür spricht so mancher Widerspruch. Denn weshalb soll jemand, der keine Flöhe hat, ausgerechnet auf den Hund kommen?

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Bild: By Eddie Maloney from North Las Vegas, USA (LAGUNA KOI PONDS) CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

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