Risikoprämien: werden die (neuen) Nachbarn von Alpha zu unbequem?

Risikoprämien: werden die (neuen) Nachbarn von Alpha zu unbequem? 

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Hedge-Fonds-Manager bieten Strategien an, die ihrer Überzeugung nach zusätzliche Rendite aus den Finanzmärkten extrahieren. Dieses so genannte „Alpha“ bezeichnet den Teil einer Portfoliorendite, der sich nicht auf bekannte Risikoprämie zurückführen lässt und unbekannt bleibt. Hedge-Fonds-Manager behaupten, dass dieses Alpha einen signifikanten, positiven Beitrag der Portfoliorendite erzielt und die Kosten ihrer Strategien rechtfertigt. Diese bestehen oft aus einer Kombination von zwei Gebühren: einer Management-Gebühr (> 1 Prozent) und einer Performance-Gebühr (>10 Prozent) mit High-Water-Mark-Mechanismus.
Eine vereinfachende Gleichung hilft das Konzept von Alpha zu veranschaulichen:

R(P) = {beta1} * {TRP} + alpha

R(P): Rendite eines bestimmten Portfolios P
TRP: Traditionelle Risikoprämie, die man von Aktien- und Bond-Märkten ausschöpfen kann
Beta1: Parameter der Stärke, wonach das Portfolio zu den TRP exponiert ist

Das heisst, die Rendite setzt sich aus zwei Werten zusammen: Der „normalen“ Risikoprämie und dem Verhältnis zum Portfolio sowie einem „Alpha“, dem Bonus, der durch aktives Management erwirtschaftet wird.

Erklärt sich die Rendite mit weiteren Risikoprämien?

Die obige Gleichung ist jedoch sehr allgemein und taugt nicht für tiefgehende Analysen. Bereits in den Achtzigerjahren hat man erkannt, dass eine Reihe von Risikoprämien, welche Portfoliorenditen ebenfalls erklären können, eine wichtige Rolle spielen. Das sind Risikoprämien wie Size, Value, Momentum, Trend usw. Man kann sie alle als sogenannte alternative Risikoprämien zusammenfassen. Die obige Gleichung muss deshalb um diese Risikoprämien erweitert werden:

R(P) = {beta1} * {TRP} + {beta2}*{ARP} + alpha

Wobei:
ARP: Alternative Risikoprämie, zum Beispiel Value, Size, Momentum, Trend usw.
Beta2: Parameter der Stärke, wonach das Portfolio zu den ARP exponiert ist

Werden die berechenbaren, bekannten Risikofaktoren wichtiger, wird die Rolle des unbekannten Alpha automatisch geringer: Alpha soll nur einen stets kleiner werdenden Rest der Rendite eines Portfolios erklären, weil die alternativen Prämien mehr Faktoren systematisch erfassen. ARP sind für Alpha in der Renditegleichung sozusagen unbequeme Nachbarn geworden.

Alternative Risikoprämien machen Druck

Dieser Druck auf Alpha ist aber nicht nur rein mathematisch – er wirkt sich auch auf die Investment-Industrie aus. Die enttäuschenden Ergebnisse der aktiven Strategien und der Bedarf seitens der Investoren, neue und unkorrelierte Renditequellen zu erschliessen, führten dazu, dass sich in den letzten Jahren immer mehr Anbieter von ARP-Strategien entwickeln konnten: Investment-Banken, Asset Manager, spezialisierte Teams aber auch Hedge Fonds selber bieten neben ihren Alpha-Strategien ARP-Produkte an.

Die zweite Gleichung ist für die Investoren also in den Vordergrund gerückt. Sie bietet nämlich ein Framework, um Hedge-Fonds-Strategien besser zu beurteilen – das heisst, um der Frage nachzugehen: Schaffen Hedge-Fonds-Manager den Zugang zu Alpha und damit das, was sie vorgeben? Oder lässt sich ihre Performance anders oder bereits mit systematischen Risikoprämien (TRP+ARP) grössenteils erklären?

  • Diese Dynamik der letzten Jahren wirft weitere Fragen auf:
  • Inwiefern ist die rasante Entwicklung der ARP-Industrie eine Herausforderung für Hedge-Fonds-Manager?
  • Bietet die ARP-Industrie das Wundermittel aller Rendite-Probleme?
  • Wie lassen sich Hedge Fonds und ARP-Strategien unter einem Dach kombinieren?

In einem nächsten Beitrag werde ich auf diese Frage näher eingehen.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 23. Juni 2017 | Die Börsenblogger
  2. Pingback: Artikel über Wirtschaft und Investment 25.6.17 | Pipsologie

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