Ansichten von und über den Ökonomen Robert M. Solow

Ansichten von und über den Ökonomen Robert M. Solow 

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Er wollte wissen, «wie die Gesellschaft tickt», und wurde durch einen Zufall Ökonom. Für sein ökonomisches Modell des Wachstums einer Volkswirtschaft hat Robert Merton Solow den Nobelpreis erhalten. Diese Woche wird er 89 Jahre alt.

Als Robert Merton Solow 1940 sein Studium an der renommierten Harvard University begann, ahnte niemand, dass aus dem Studenten der Soziologie und Anthropologie einer der großen Denker der Wirtschaftswissenschaft werden sollte. Der junge Solow wollte ergründen, «wie die Gesellschaft tickt», wie er schrieb. Seine Grundlagenforschungen an der Causa Mensch finanzierte er sich durch Jobs als Tellerwäscher, Bibliothekar oder Kellner. Ab 1943 wandte sich Solow der Ökonomie zu. Zufällig, wie er später bekannte, und weil sie ihm die Möglichkeit bot, die Grosse Depression zu erforschen, das wirtschaftliche Trauma seiner Generation.

Das Ende des Wachstums und seine Neubegründung

Solow analysierte die Grundbedingungen des amerikanischen Wachstums in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aus seinen Beobachtungen entwickelte er das Solow-Modell – und brach damit mit einem Mantra der etablierten Wirtschaftsforschung. Er fand heraus, dass nicht Arbeit und Kapital die treibenden Kräfte für anziehendes Wirtschaftswachstum waren. Denn nur ein sehr geringer Teil des Wachstums konnte tatsächlich auf diese klassischen Produktivitätsfaktoren zurück geführt werden. Die Triebfeder des amerikanischen Wachstums bildete der technologische Fortschritt: die Entwicklung von Radios und Fernsehern als Massenware, das Auto für den kleinen Geldbeutel und neue Produktionsverfahren in der Industrie.

Bildung lohnt sich – die Einsicht schafft aber Feinde

Ohne technischen Fortschritt ist nach Robert Solow dauerhaftes Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens in entwickelten Volkswirtschaften nicht möglich. Für den Staat lohnt es sich deshalb, in Bildung, Forschung und Entwicklung zu investieren. Solows Ansichten passten hervorragend in den fortschrittsgläubigen Zeitgeist der Sechzigerjahre. Sie begründeten und beflügelten die Wachstumsforschung, schufen ihrem Schöpfer jedoch Feinde zu beiden Seiten: Keynesianer bekämpften sein Modell, weil staatliche Konjunkturprogramme laut Solow kaum etwas bringen. Die Anhänger des Club of Rome und seiner Lehre vom Ende des Wachstums konnten Solow sowieso nicht leiden, weil er behauptete, natürliche Ressourcen seien durch technologische Innovation und Investitionen ersetzbar. Die einen unterstellten ihm also das falsche Wachstum, die anderen, dass Wachstum per se falsch sei. Das Nobelpreiskomitee in Stockholm sah das im Jahr 1987 anders, erkannte Solows «bahnbrechende Forschungen auf dem Gebiet der Wachstumstheorie» und verlieh ihm den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Bildung lohnt sich also – für saturierte Volkswirtschaften, für die Bürger und letztlich auch für ihre visionären Vordenker. Robert Merton Solow feiert diese Woche seinen 89. Geburtstag – wir gratulieren herzlich!

Leselinks:
Robert Solow live auf youtube: A Conversation with Robert M. Solow (22.09.2012)
Haben wir aus der Krise von 1929 gelernt? Interview mit Robert Solow im Handelsblatt (29.12.2008)
Richtungsweisender Beitrag zur amerikanischen Haushaltspolitik von Robert Solow in der Zeitschrift New Republic (08.04.2013)

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