Rohstoffe – back to «normal»? 

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Ich trinke immer noch gerne Kaffee, auch wenn der Preis des Rohstoffs seit meinem letzten Beitrag zu diesem Thema um ca. 80 Prozent gestiegen ist. Aber schauen wir uns den Rohstoffmarkt doch erstmal aus der Vogelperspektive an.

Anlagen in Rohstoffe eignen sich – zumindest historisch betrachtet – als Beimischung zu einem Portfolio. Warum? Der Preis von Weizen, Mais, Grundedelmetallen oder anderen Rohstoffen wird zwar teilweise wie der von Aktien auch von wirtschaftlichen Faktoren beeinflusst. Rohstoffe haben aber zudem die Eigenschaft, auch von «schlechten Nachrichten» zu profitieren. Ein aktuelles Beispiel hierfür sind die Preisentwicklungen rund um die Ukraine-Krise: Während vor allem Aktien aus Osteuropa unter den Spannungen litten, stiegen die Preise insbesondere von Öl und Gold aufgrund der geopolitischen Risikoprämie an. Halte ich als Investor Aktien und Rohstoffe in meinem Portfolio, so hätte der Abwärtstrend der Aktien zumindest zum Teil durch die gestiegenen Rohstoffpreise abgefedert werden können. Mit anderen Worten: Rohstoffe tragen zur Diversifikation eines Portfolios bei.

Dies könnte den Schluss nahe legen, dass sich Aktien und Rohstoffe unterschiedlich entwickeln. Über die vergangenen zehn Jahre betrachtet, bewahrheitet sich dies aber nicht immer:

DJ UBS Commodity vs MSCI World; 10 Jahre

DJ UBS Commodity vs MSCI World; 10 Jahre

Quelle: Bloomberg

In den vergangenen drei Jahren haben sich die Rohstoffpreise unterdurchschnittlich entwickelt. Diese Entwicklung im Vergleich zu anderen Anlageklassen wird noch deutlicher, wenn man die Renditen zum Beispiel denen von Aktien gegenüberstellt (in der Grafik der MSCI World). Aktien haben sich vor allem seit 2012 gut erholt. Für den zeitgleichen Preiszerfall bei den Rohstoffen gibt es je nach Sektor sehr unterschiedliche Gründe: Basismetalle litten unter der verlangsamten Entwicklung der chinesischen Wirtschaft, während bei den Agrarprodukten gute Ernten für Abwärtsdruck sorgten. Gold erlebte 2013 – ausgelöst durch die Drosselung der Anleihekäufe («tapering») – massive Ausverkaufswellen. Der einzige Sektor, der sich vergleichsweise gut halten konnte, waren Energieträger. Diese konnten aufgrund der Unsicherheit, welche der arabische Frühling im Nahen Osten hervorrief, einen bescheidenen Gewinn vermelden.

Dieses Jahr sieht dies ganz anders aus: Der Rohstoffsektor ist die beste Anlageklasse im ersten Quartal mit +7.15 Prozent. Vor allem die Preise für den von mir geschätzten Kaffee sowie für Zucker stiegen rasant an, was auf das verknappte Angebot zurückzuführen ist, nachdem es in Brasilien zu lange zu warm und zu trocken war. Erdgas verteuerte sich aufgrund der hohen Nachfrage während der Kälteperiode in den USA. Bei den Edelmetallen machten sich die Überverkäufe sowie die bereits erwähnten geopolitischen Risiken in Osteuropa bemerkbar.

Höhere Rohstoffpreise – nur eine temporäre Erscheinung?

Die schwache Konjunktur in den Schwellenländern, aber auch in Europa und den USA hat die Nachfrage nach Rohstoffen gebremst. In der Folge sanken die Preise bei gleichbleibendem Angebot. Die aktuellen Tiefstände sowie die eher positiven ökonomischen Signale vornehmlich aus den USA kurbeln die Nachfrage nun an. In Verbindung mit den oben erwähnten Einflüssen, den vereinzelten geopolitischen Risiken oder Umwelteinflüssen, ist davon auszugehen, dass sich die Renditen in Rohstoffanlagen positiv entwickeln können.

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