Liquide dank Fähr- und Schleusengeld

Liquide dank Fähr- und Schleusengeld 

Schon vor Jahrhunderten erkannte man: Mit Dienstleistungen entlang der Wasserstrassen liess sich recht gut verdienen.

Wasser hat keine Balken, heisst es, was wohl vor allem als warnender Hinweis auf die Gefährlichkeit dieses Elements zu verstehen ist. Nein, Wasser hat in der Tat keine Balken, aber so etwas wie Zahlbarrieren. Fähr- und Schleusengeld sind schon seit Jahrhunderten willkommene Einnahmequellen.

„Don’t pay the ferryman, don’t even fix a price”, heisst es in einem der bekanntesten Songs von Chris de Burgh. Nun, mit dieser Einstellung wird heutzutage wohl niemand mehr ans andere Ufer gelangen. Eine Passage mit der Fähre ist eben keine Taxifahrt, die in der Regel erst am Ziel bezahlt wird. Mehr und mehr setzt sich sogar das bargeldlose Zahlen im Fährverkehr durch. Wer etwa per Boot zwischen der norddeutschen Stadt Travemünde und der Halbinsel Priwall verkehrt, kann seit einiger Zeit sein Ticket per Handy lösen.

Was der Obolus mit dem Fährmann Charon zu tun hat

Dass Fährmänner bisweilen eine unheimliche Aura umgibt, die Chris de Burgh vermutlich zu seinem Song inspirierte, geht zurück in die griechische Mythologie. Sie erzählt von der unangenehmen und furchteinflössenden Gestalt des Fährmannes Charon, der die Verstorbenen über den Fluss Styx in das Totenreich des Hades brachte. Als „Entgelt“ für Charons Dienste soll jedem Toten ein Obolus, also eine kleine Silbermünze, unter die Zunge gelegt worden sein.

Höchst lebendig war hingegen das Gewinnstreben mancher Mächtigen, die mit Fährgeld für Liquidität in den Staatskassen sorgten. Als Anton I. von Oldenburg und Delmenhorst (1505-1573) feststellte, wie hoch die bis dahin privaten Einnahmen aus dem Fährgeld in seinem Reich waren, wurden die Fähren kurzerhand verstaatlicht und anschließend wieder verpachtet.

Schleusengeld spült in die Staatskassen

Die Aussicht auf recht lukrative Staatseinnahmen war es schliesslich auch, die ein lange währendes Problem zwischen Rhein und Ruhr löste. Bis weit ins 17. Jahrhundert hinein gab es kaum Strassen und Wege entlang der Ruhr. Was nicht auf einen Ochsenkarren passte, musste mit dem Schiff transportiert werden. Das war allerdings nur bedingt möglich, da es zwischen dem preussischen Abschnitt der Ruhr und der Mündung in den Rhein viele natürliche Hindernisse gab. Erst unter Friedrich dem Grossen gelang es schliesslich, die Ruhr durch den Bau von Schleusen auch im Oberlauf schiffbar zu machen. Die letzte dieser Schleusen wurde 1780 in Betrieb genommen. Es entstand das, was man heutzutage eine Win-win-Situation nennt. Die Rhein-Ruhr-Region erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung, und dank Schleusengeld flossen beträchtliche zusätzliche Mittel in den Staatshaushalt. So wurde man buchstäblich mit Wasser liquide.

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