Schokoladengeld: Geld zum Anbeissen

Schokoladengeld: Geld zum Anbeissen 

Die Azteken zahlten ihre Einkäufe einst mit Kakaobohnen. Auch heute gibt es noch Schokoladengeld – allerdings nur als verführerische Nascherei.

Man sagt, neun von zehn Menschen liebten Schokolade. Und der Zehnte lüge. Das mag keiner auf seinen Eid nehmen, aber tatsächlich erweisen sich nur ganz wenige Zeitgenossen als resistent gegenüber dieser verführerischen Süssigkeit. Für die Schokofreunde in aller Welt ist es daher sicher gut nachvollziehbar, dass die Azteken die Kakaobohnen einst als „braunes Gold“ bezeichneten. Und nicht nur das, im Aztekenreich zwischen dem 14. und frühen 16. Jahrhundert diente Kakao sogar als Zahlungsmittel. Für eine Kakaobohne bekam man damals eine grosse Tomate, für einen Truthahn musste man immerhin 200 Kakaobohnen berappen.

Kakaobohnen als Zahlungsmittel

Aber auch unter Kakaobohnen gab es so etwas wie „Blüten“. Talentierte Fälscher liessen die Bohnen zum Beispiel in Wasser aufquellen oder gaben minderwertigen Exemplaren eine aschgraue oder fahlrote Farbe. Sie gaukelten den Menschen damit vor, es handele sich um qualitativ besonders hochwertige Bohnen.

Schokoladengeld gibt es auch heute in Form von Münzen und Scheinen, allerdings nicht „emittiert“ von Notenbanken, sondern von einer Reihe von Confiserien: Süsse Schokoladen-Franken, -Dollar oder -Euro in täuschend echter Geldfolie. Nostalgiker bekommen sogar noch Schokoscheine mit der Vorderseite der ehemalige D-Mark- und Österreichischen Schilling-Banknoten. Sogar DDR-Geld erlebt eine Renaissance als Schokoladen-Währung. Bei einer Confiserie in Zürich bekommt man zudem die begehrten Goldvreneli, allerdings nur mit einer Füllung aus „braunem Gold“. Eine Marzipan-Manufaktur im deutschen Münsterland wirbt darüber hinaus mit Gulden, Franc, Lire und Rubel aus Schokolade. Geld zum Anbeissen.

„Geldkoffer“ mit Schoko-Banknoten

Für unterwegs plötzlich einsetzende Heisshunger-Attacken ist der Inhalt der kleinen, transparenten „Gold“-Koffer gedacht, die eine Confiserie in Osnabrück auf den Markt bringt. An den Grenzübergängen dürfte es trotzdem nicht zu Missverständnissen kommen, denn der Koffer enthält nur Minitäfelchen Schokolade. „Klein“geld, sozusagen.

Weshalb ist das Schokogeld so begehrt? Die Antwort ist einfach: Bargeld zu verschenken, gilt als einfallslos. Einmal ganz abgesehen von der Frage, wieviel Geld einem die kleine Aufmerksamkeit für einen guten Freund oder eine gute Freundin wert ist. Mit Schokogeld kann man da nichts falsch machen. Ob 50- oder 500-Euro – in der Regel handelt es sich um dieselbe feine Vollmilchschokolade. Und eine Tafel Schokolade in einer nachgemachten 500-Euro-Folie als kleines Dankeschön kann selbst der strengste Staatsanwalt kaum als Korruption auslegen.

Geld allein macht nicht glücklich, heisst es, es braucht auch noch eine Tafel Schokogeld zum wahren Glück.

Leselink
Kakao – eine schmackhafte Währung
Website des Museums der Belgischen Nationalbank zu Kakao im Allgemeinen und Kakao als Zahlungsmittel im Besonderen.

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