Forever young: Schwedische Reichsbank mit bewegter Geschichte

Forever young: Schwedische Reichsbank mit bewegter Geschichte 

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Die älteste Zentralbank der Welt feiert heute Geburtstag – und zeigt sich trotz ihrer 350 Jahre alles andere als altersmüde.

Zehn Jahre nach dem Beginn der Finanzkrise wird resümiert und analysiert, werden neue Gefahren heraufbeschworen oder Beständigkeit prophezeit. In diesen noch immer turbulenten Zeiten feiert ein Kind der Krise einen hervorstechenden Geburtstag – die Sveriges Riksbank, die Schwedische Reichsbank, ist mit 350 Jahren die älteste noch existierende Zentralbank der Welt.

Dabei kam das ursprünglich als Palmstruch-Bank (schwedisch: Palmstruchska banken) gegründete Finanzinstitut nicht freiwillig in den Besitz des Schwedischen Staates. Dieser hatte 1657 Johan Palmstruch die Gründung einer Notenbank genehmigt. Die Palmstruch-Bank war die erste Bank ihrer Art in Europa. 1661 gab Johan Palmstruch als erster europäischer Bankier Papiergeld aus. Es ersetzte die damals gebräuchlichen unhandlichen Kupfermünzen. Diese waren rechteckige, bis zu 20 Kilogramm schwere Platten in der Grösse eines Laptops.

Bankenrettung bereits 1669

Als während der schwedischen Kupferkrise die Inhaber der Banknoten angesichts fallender Notenkurse den Gegenwert in Gold zurückverlangten, ging die Palmstruch-Bank in Konkurs: Die Edelmetallreserven reichten zur Deckung des Notenumlaufs nicht aus. Der schwedische Staat reagierte damals schon mit dem in der Finanzkrise 2008 angewandten Muster: Er erklärte das Geldhaus zur systemkritischen Bank und übernahm es, um das Vertrauen in das Bankwesen wiederherzustellen.

Erst 1701 begann man wieder mit der Herausgabe von Banknoten. Im 19. Jahrhundert war dies auch Privatbanken erlaubt – bis 1897 die Reichsbank das Monopol auf die Emission von Banknoten erhielt. Seitdem hat sie auch die alleinige Kontrolle über die Geldpolitik in Schweden inne.

Heute steht die schwedische Zentralbank neuen Problemen gegenüber. Wie in wohl kaum einem anderen europäischen Land spielt Bargeld in Schweden eine untergeordnete Rolle. Im Dom von Uppsala sammelt der Kollektautomat die Spenden ein, selbst die Obdachlosenzeitung wird bargeldlos bezahlt. Nur noch ein Viertel aller Schweden, so eine aktuelle Untersuchung, greift wenigstens einmal pro Woche zu Bargeld. Die Banken machen mit: Bereits die Hälfte der schwedischen Bankfilialen sind bargeldlos – Tendenz steigend.

Schwedischen Zentralbank plant „E-Krona“ statt Bargeld

Das hat auch die Schwedische Reichsbank auf den Plan gerufen. Denn was passiert im Katastrophenfall, wenn etwa ein Stromausfall das bargeldlose Bezahlen unmöglich macht? Die erste europäische Bank, die Geldscheine ausgegeben hat, sieht sich auch heute wieder als Vorreiter. Wie sie in diesem Frühjahr bekannt gegeben hat, arbeitet sie an einer Krypto-Währung. Gibt die Politik der „E-Krona“ grünes Licht, kann das Pilotprojekt schon im nächsten Jahr starten. Frischer kann man sich im hohen Alter kaum präsentieren.

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