Banknoten, die keiner je gesehen hat: Der Plan B der Notenbanker

Banknoten, die keiner je gesehen hat: Der Plan B der Notenbanker 

Was tun, wenn Fälscher oder eine feindliche Macht das Land mit Blüten überschwemmen? Die Notenbanken der Schweiz und vieler Länder Europas hatten zu allen Zeiten einen Notfallplan in den Tresoren: Reservenoten.

Der junge Schweizer Bundesstaat liess sich Zeit: Zwar hatte die Schweiz bereits seit 1850/51 mit dem Franken endlich eine einheitliche Währung, aber Banknoten wurden noch immer durch Dutzende sogenannter «Zeddelbanken» herausgegeben. Doch 1905 war Schluss: Das neue «Bundesgesetz über die Schweizerische Nationalbank» machte dem dezentralen Notenbanksystem ein Ende. Es legte fest, dass ausschliesslich noch die Nationalbank Banknoten ausgeben darf. Die bisherigen kantonalen oder regionalen Emissionsbanken stellten ihre Notenbankgeschäfte bis 1910 ein.

In guten wie in schlechten Zeiten: Die neuen Notenbanker sorgten vor. Denn im Gegensatz zum Münzgeld, das sich nicht gar so leicht fälschen liess, waren die neuen Banknoten nichts weiter als bedrucktes Papier, und dieser Umstand zog zu allen Zeiten Fälscher an wie der Mist die Fliegen. Der Plan B der Nationalbank: Sollten die Fälscher auf einmal die Oberhand gewinnen und das Land mit Blüten von hoher Qualität fluten, wollte die Nationalbank jederzeit in der Lage sein, quasi über Nacht sämtliche im Umlauf befindlichen Banknoten für ungültig zu erklären, einzuziehen und durch nagelneue Noten zu ersetzen. In den Tresoren lagen daher Reservebanknoten bereit.

Seit ihrem Bestehen hat die Schweizerische Nationalbank acht Banknotenserien herausgegeben; die ersten Noten der neuen neunten Serie sollen ab 2016 schrittweise eingeführt werden. Aber längst nicht alle davon bekam die Öffentlichkeit zu sehen: Zwei vollständige Serien nämlich, die vom Luzerner Künstler Hans Erni (1909-2015) mitgestaltete vierte aus dem Jahr 1938 und die siebente von 1984, waren reine Reserveserien. Auch einzelne Noten der zweiten und dritten Serie waren als Reservenoten konzipiert. Einzelne dieser Reservenoten blieben Einzelstücke: Die Zehnfrankennote der Reserveserie von 1984, die den Basler Mathematiker Leonhard Euler und zwei seiner bahnbrechenden Formeln zeigt, existiert in nur gerade drei Exemplaren.

Der Plan, das gesamte Papiergeld von einem Tag auf den anderen ersetzen zu können, existierte nicht nur in der Schweiz, sondern auch in zahlreichen anderen Ländern Europas. Doch Reservenoten waren stets eine Notlösung, und eine ausgesprochen teure dazu: Selbst wenn eine heutige Banknote in der Herstellung lediglich wenige Rappen oder Cents kostet, ist die Konzeption eines vollständigen Notensatzes ein enorm kostspieliges Unterfangen. In der Schweiz soll die Reserveserie von 1984 daher die letzte gewesen sein: Die Sicherheitsmerkmale der heutigen und der künftigen Banknoten sind nach Ansicht der Nationalbank so hoch entwickelt, dass ein Plan B nicht mehr nötig ist.

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Bildlegende:
Die von den beiden Künstlern Victor Surbeck und Hans Erni gestaltete 1000-Franken-Reservenote von 1938. (Wikimedia)

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