Schwellenländeranleihen – Opfer von Terminator-Ben? 

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Über Jahre waren Schwellenländer die Stars am Anlagehimmel: Sie lieferten nicht nur eine gesunde, stabile und nachhaltige Wachstums-Story. Ihr Wachstum war darüber hinaus ausgesprochen dynamisch. Mit Schwellenländeranleihen und -aktien liessen sich Erträge erzielen, an die die entwickelten Märkte nur schwer herankamen.

Als die westlichen Industrieländer und Wirtschaftszonen eine nach dem anderen in ihre selbst gegrabenen wirtschaftlichen Gruben fielen und sich in dunkle Jahre einer nicht enden wollenden Krise verabschiedeten, da sollten es die Schwellenländer richten. In den Jahren bis 2008 wurde an den Börsen noch das hohe Lied von der zunehmenden globalen Verzahnung gesungen. Danach richteten sich die Hoffnungen nach Ausbruch der Krise plötzlich auf eine Entkopplung der Schwellenländer von den entwickelten Märkten. So sollten die dynamisch wachsenden Volkswirtschaften den Industrieländern helfen können, sich aus ihrer Rezession zu befreien.

Analysen der globalen Geldströme belegen, dass die überreichlich mit Liquidität versorgten Anleger ihr Heil und ihre Rendite in Schwellenländeranlagen suchten. Zudem, und letztlich als Resultat der Kapitalströme in die Schwellenländer, zeigten sich deren Währungen gegenüber einem schwächelnden US-Dollar und einem um Anlegervertrauen kämpfenden Euro als mindestens wertbeständig, so dass sich über die Währungskomponente zum Teil deutliche Zusatzerträge erzielen liessen.

Dies änderte sich schlagartig und grundlegend am 22. Mai dieses Jahres. Ben Bernanke, Präsident der amerikanischen Notenbank Fed, hatte einen seiner regelmässigen Auftritte, in dem er dem amerikanischen Kongress zu Fragen der Geldpolitik Rede und Antwort stand – und die Kurse von Anleihen aus den Schwellenländern brachen ein. Die Aktienkurse gingen anschliessend weltweit auf Talfahrt, genauso wie der Goldpreis oder die Kurse von Staatsanleihen. Denn Bernanke gab zum ersten Mal konkrete Hinweise darauf, dass eine Reduzierung des Anleihekaufprogramms noch in diesem Jahr wahrscheinlich ist.

Seitdem haben sich die Aktienindizes der meisten entwickelten Märkte wieder erholt und zwischenzeitlich zum Teil sogar die Niveaus vom Mai überstiegen. Der Bund-Future, der den Preis einer deutschen Staatsanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren wiedergibt, hatte sich bis Mitte Juli immerhin wieder auf sein Mai-Niveau zurückgekämpft, bevor er in der Folge wieder um rund 2.5 Prozent nachgab. Auch andere Anleiheindizes, zum Beispiel aus der Kategorie der hochverzinslichen Anleihen oder auch der Future auf zehnjährige amerikanische Staatsanleihen haben seit dem 22. Mai deutlich nachgegeben. Die Indizes für Schwellenländeranleihen, wie der JPMorgen EMBI Global Total Return Index, besetzen unangefochten die letzten Plätze im Performance-Vergleich.

Sind also Schwellenländer, vor allem deren Anleihen, als Anlagestory passé?

Es kommt, wie so oft, darauf an. Vor allem darauf, ob man in Schwellenländeranleihen in Lokalwährungen oder in Hartwährung investiert. Denn die Währungen der einzelnen Schwellenländer entwickeln sich zum Teil höchst unterschiedlich, was auf die jeweiligen Besonderheiten eines jeden Landes zurückzuführen ist. So befindet sich beispielsweise die indische Rupie seit Anfang Mai in einer Phase rapider Abwertung gegen den US-Dollar, und auch die indonesische Rupie verzeichnet seit Juni eine Tendenz der Abwertung gegen den Dollar, die seit Anfang August in einen freien Fall übergegangen ist.

Die Ursachen hierfür liegen wie im Fall Indiens vor allem in der politischen Unfähigkeit oder dem Unwillen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so zu ändern, dass sie das Wirtschaftswachstum nachhaltig unterstützen und den Kapitalmarkt attraktiv machen. In anderen Fällen, wie zum Beispiel dem brasilianischen Real, haben die steigenden Renditen, die seit Bernankes Äusserungen praktisch weltweit festzustellen sind, dazu geführt, dass sie als Zielwährung im Rahmen der sogenannten Carry Trades nicht mehr attraktiv sind. Seitdem die Carry Trades an Attraktivität verloren haben, hat sich auch die Abwertung des Reals, die in der Tendenz schon seit Mitte 2011 im Gange ist, noch einmal beschleunigt. Hinzu kommen freilich auch hier strukturelle Versäumnisse der Regierung, die sich in den Rohstoff-Boomjahren leicht kaschieren liessen, die aber nun umso deutlicher zutage treten.

Von fundamentaler Seite spricht trotzdem weiterhin einiges für die Anlage in Schwellenländeranleihen. So ist die Rendite im Vergleich zu den meisten Industrieländern weiterhin attraktiv und auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nimmt im Durchschnitt weiterhin dynamischer zu als in der entwickelten Welt. Ein wesentlicher Faktor, der für Schwellenländer spricht, ist die vergleichsweise niedrige Staatsverschuldung. Während zum Beispiel Griechenland mit rund 170 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet ist, liegt die durchschnittliche Verschuldung der Schwellenländer bei gerade einmal 45 Prozent.

Wichtig bei der Auswahl der Anlagen ist also ein leistungsfähiges Research, das genau zu unterscheiden weiss zwischen vielversprechenden Schwellenländern und problembehafteten. Darüber hinaus ist ein stetes Überwachen der getätigten Investitionen von grosser Bedeutung. Dies spricht für den Einsatz eines spezialisierten aktiv gemanagten Fonds. Hier gibt es solche, die in Anleihen in den jeweiligen lokalen Währungen investieren wie auch solche, die ausschliesslich in Anleihen investieren, die in Hartwährungen ausgegeben sind. Gegenwärtig, solange über das Verhalten der Fed in der nahen Zukunft nicht mehr Klarheit herrscht, sind Hartwährungsanleihen aus meiner Sicht die bessere Alternative.

Leselinks:

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Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
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