Sharing Economy: Vom Öko-Spleen zum Business

Sharing Economy: Vom Öko-Spleen zum Business 

Im Wettlauf zur Ära des digitalen Alltags werden die ökonomischen Landkarten neu gezeichnet und Wachstumschancen tun sich auf. Ist die «Sharing Economy» eine davon?

Als im Dezember 1913 das erste Ford-T-Modell vom Band läuft, ahnt kaum jemand, dass der Zündfunkte zum industriellen Wirtschaftswunder des 20. Jahrhunderts gesprungen ist. Mit der Idee von rationalisierter Massenproduktion hat Henry Ford das Wachstumsrad ganzer Ökonomien in Schwung versetzt. Heute, ein gutes Jahrhundert später, ist der Übergang von der handwerklichen Fertigung zur automatisierten Serienproduktion in vielen Sektoren vollzogen. Die reifen Industrien treiben Aquisitionen, Konsolidierung, Expansion und wissensbasierte Innovation ist der letzte verbliebene Trumpf im Kampf um Marktanteile. Im Feld der Informationstechnologie aber zeichnet sich Erstaunliches ab: In einer unkonventionellen Nische vernetzen sich einzelne Marktteilnehmer und bereiten den Boden für das Geschäftsmodell der «Sharing-Economy» – dem Markt des Tauschens, Leihens und Verdienens

Servicekonzepte im Umbruch

Tauschen und Teilen ist nicht neu. Wir kennen Wohngemeinschaften, Büchereien und andere gemeinschaftlich genutzte Güter. Waren die Angebot lange auf den lokalen Radius begrenzt, so hat die Digitalisierung des Alltags die Barriere durchbrochen. Auf globalen Plattformen wird heute nahezu alles mitgeteilt (Facebook, etc.) und ausgetauscht (Ebay, etc.). Angesichts der aufkommenden «Sharing Economy» steht nun jeder Unternehmer vor der Frage, ob es sich dabei nur um ein kurzfristiger Hype handelt oder sich das Modell vom Teilen statt Besitzen etabliert und mit neuen Servicekonzepten die Kunden besser erreicht werden können.

Wo finden wir funktionierende Sharing-Modelle? Ein Beispiel ist die Vermittlungsplattform Homeaway, auf der Häuser während Abwesenheit zur Untermiete von Privat zu Privat ausgeschrieben werden. Auch der Chaffeurdienst Uber oder Spinlister, ein Verleihservice für Surfbretter, Ski und Fahrräder, sind populäre Spielarten der Ökonomie des Teilens. Alle gut umgesetzten Sharing-Ideen kennzeichnet ein Phänomen: Sie werden von Nutzern geradezu überrannt. Der Boom deutet darauf hin, dass in der Vermittlung von Privat-zu-Privat-Überlassungsgeschäften noch viel Potenzial liegt. Der Tausch von privaten Gütern und Dienstleistungen fernab gewerblicher Regulierung rentiert sich vor allem deshalb, weil der Gewinn nur mit dem Online-Vermarktungspartner geteilt werden muss. Schlank ist das Geschäftsmodell auch, weil Sorgfalts-, Hygiene oder Sicherheitsmängel unmittelbar durch das Rating der Sharing-Community sanktioniert werden und die Kosten für der Qualitätskontrolle gering bleiben.

Führende Unternehmen steigen ein

Zur Frage der Marktfähigkeit von Sharing-Konzepten spricht eine Untersuchung der Unternehmensberatung Roland Berger eine klare Sprache: Das Geschäft der Gemeinschaftsnutzung ist in Metropolen nicht aufzuhalten. Als deutliches Wachstumssignal gilt, dass führende Unternehmen in die Nische vorstossen. Zum Beispiel hat sich BMW bei der Parkplatzbörse ParkatmyHouse eingekauft und gemeinsam mit dem Autoverleiher Sixt die Car-Sharing-Plattform DriveNow lanciert. Die Autobauer aus Bayern sehen in der wachsenden Sharing-Bereitschaft offenbar gute Chancen sich zum integrierten Mobilitätsversorger weiterzuentwickeln und Kunden zukünftig mit End-to-End-Lösungen zu versorgen. Auch der IT-Gigant Google – der bekanntlich Marktpotenziale aus dem Tagesgeschäft heraus abbildet – ist überzeugt, dass Fahrzeuge in Städten künftig von zentralen Dienstleistern betrieben werden. Die Fahrgäste werden nur mehr für die Nutzung zahlen. Es verwundert nicht, dass Google gerade die Vision vom selbstfahrenden Auto verwirklicht.

Gewinner ist, wer am Ende die Ressourcen verteilt

Welche Schlüsse lässt die spriessende Sharing-Mentalität zu? Erstens weist sie auf einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Perspektivenwechsel hin, der unweigerlich aus der Digitalisierung des Alltags heraus gedeutet werden muss: Wurden in Vor-Internet-Zeiten private Inhalte stets zurückhaltend kommuniziert, wird heute jede individuelle Kleinigkeit veröffentlicht. Dass nun auch private Gebrauchsgüter fernab der klassischen Nachbarschaftshilfe feilgeboten werden, darf nicht verwundern. Zweitens stehen die ökonomischen Gewinner der Sharing-Bewegung schon jetzt fest. Es sind multinationalen Organisationen, die sich als «Large-Scale-Vermittler» über lokale Regulierungen hinaus positionieren und die breite Masse mit tief personalisierten Dienstleistungen, die sich aus sachlich, geographisch und zeitlich verknüpften Quellen speisen, zufrieden stellen.

Leselink:

Wirtschaftliche Freiheit: Ist die Share Economy eine Wiederentdeckung der Genossenschaften?

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