Shopping-Tour mit Künstlicher Intelligenz

Shopping-Tour mit Künstlicher Intelligenz 

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Wir wünschen uns alle, unser Geld möglichst intelligent auszugeben und anzulegen. In Zukunft könnten uns die komplexen Entscheidungen dazu abgenommen werden – weil uns Künstliche Intelligenz auf Schritt und Tritt begleitet.

Geldausgeben ist einfach und Shopping für viele Zeitgenossen ein Vergnügen. Kompliziert wird es, wenn wir einen Blick hinter den simplen Austausch von Waren und Geld werfen: Dann wird aus einem einfachen Kauf ein komplexer Entscheidungsprozess hinsichtlich des Preises, ein Abwägen von alternativen Kaufzielen und -bedürfnissen und für bewusste Verbraucher auch noch die Reflexion von Ethik- und Umweltaspekten bei Herstellung und Entsorgung. Wären wir nicht per se Meister der Ignoranz wegen ständiger Zeitknappheit, wäre uns die Intelligenzleistung beim „perfekten Einkauf“ vermutlich zu anstrengend. Künstliche Intelligenz könnte da helfen.

Künstliche Intelligenz kann alles – ausser menschlich

Künstliche Intelligenz hat sich längst in unseren Alltag geschlichen. Unsere digitale Datenspur im Internet wird permanent analysiert und ausgewertet. In den Finanzmärkten oder im Risikomanagement von Versicherungen arbeiten heute schon lernende, technische Intelligenzen, die unsere menschlichen Fähigkeiten zumindest bei den automatisierbaren Standardberechnungen bei Weitem in den Schatten stellen. In naher Zukunft werden diese Anwendungen bei den meisten unserer Alltagshandlungen zusammenwirken: Wenn wir ein Geschäft betreten, weiss der Verkäufer bereits, was wir kaufen wollen, weil Künstliche Intelligenz Vorhersagen über unser Verhalten treffen kann. Sprechen wir unsere Wünsche aus, kann intelligente Software unsere Stimmung erkennen und Angebote entsprechend anpassen. Auch unser aktueller Kontostand fliesst in das Produktangebot ein, das uns unterbreitet wird. Beim Bezahlen identifizieren wir uns über unsere Iris oder unsere Stimme. Lediglich die Verkäuferin wird auf absehbare Zeit eine reale Person bleiben, weil sie über Schlüsselkompetenzen verfügt, für die Maschinen heute (noch) nicht qualifiziert sind, beispielsweise Empathie oder Vertrauen.

Das ethische Unbehagen mit der Perfektion

Künstliche Intelligenz kann in Zukunft (in Verbindung mit anderen technologischen Innovationen) ein Kauf-Erlebnis von utopischer Perfektion erschaffen: Das ideale Geschäft bietet Waren an, die nur für uns gemacht scheinen, der Einkauf erfüllt selbst unsere geheimen Wünsche und wir bezahlen einfach mit unserer Persönlichkeit und den mit ihr verbundenen Daten. Nichts bleibt dem Zufall überlassen und Fehler sind nahezu ausgeschlossen. Doch gerade diese Perfektion lässt viele digitale Vordenker wie Elon Musk, Bill Gates oder Stephen Hawking vor der maschinellen Allmacht in unserem Alltag warnen. Haben wir Spass beim perfekten Shopping, in dem wir selbst die einzige potenzielle Fehlerquelle sind? Haben wir noch Platz in einer perfekten Welt? Künstliche Intelligenz zwingt uns vor allem dazu, unser Selbstverständnis neu zu definieren.

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