Die «Chan-Zuckerberg-Initiative» — oder wie Silicon-Valley-Milliardäre Gutes tun

Die «Chan-Zuckerberg-Initiative» — oder wie Silicon-Valley-Milliardäre Gutes tun 

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Die Geburt des eigenes Kindes ist wohl für die meisten Eltern ein einschneidendes, lebensveränderndes Ereignis. Bei Mark Zuckerberg, Mitbegründer und CEO von Facebook, und seiner Frau Priscilla Chan, löste die Geburt ihrer Tochter Ende letzten Jahres eine weitreichende Entscheidung aus: Zuckerberg gab bekannt, dass 99 Prozent ihres Vermögens – rund 45 Milliarden US-Dollar – wohltätigen Zwecken zugutekommen sollen. Dazu gründeten die frischgebackenen Eltern aber keine gemeinnützige, steuerbefreite Stiftung, sondern die sogenannte «Chan Zuckerberg Initiative» (CZI). Als Gesellschaft mit beschränkter Haftung hat sich die CZI zum Ziel gesetzt, mit Impact Investments Gutes zu bewirken.

Investieren für den guten Zweck

Die Initiative rief nicht nur positive Reaktionen hervor: Kritiker vermuten dahinter eine als «sozial» vermarktete PR-Kampagne. Einige sprechen von einer internen Geldschieberei, andere sehen in der GmbH-Struktur der CZI einen Affront gegen die traditionelle Organisationsform von Philanthropen: die gemeinnützige Stiftung. Investieren statt spenden für den guten Zweck? Das klingt verdächtigt. Jedenfalls dann, wenn man der (durchaus nachvollziehbaren) Logik jener Kritiker folgt, die Non-Profit-Organisationen und spendenfinanzierte Philanthropie als Korrektiv für den sozialen und ökologischen «Schaden» sehen, der durch das profitorientierte Wirtschaftstreiben überhaupt erst entstanden ist. Wie sollten also gerade Investitionen in For-Profit-Unternehmen einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten?

Gutes tun und gut wirtschaften

Hier muss ein Umdenken einsetzen: Können Sie sich vorstellen, dass Investitionen sowohl eine finanzielle Rendite als auch einen sozialen Mehrwert erzielen? Dass Gutes zu tun auch auf unternehmerischem Wege möglich ist? Und dass die Wirksamkeit einer sozialen Lösung der wichtigste Faktor ist, der darüber entscheidet, ob diese Lösung unterstützt wird oder nicht? Die Zuckerbergs beantworten diese Fragen mit einem klaren «Ja». Mit der CZI verfolgt das junge Ehepaar einen Ansatz, der es ermöglicht, «Gutes tun» mit gutem Wirtschaften zu kombinieren.

Bridge International Academies (BIA) ist für mich ein Beispiel für ein Unternehmen, das sowohl eine soziale als auch eine finanzielle Rendite anstrebt und somit als Anlageobjekt für Impact Investoren in Frage kommt. BIA ermöglicht Kindern in den Slums von Kenia und Uganda eine hochwertige Schulbildung – für fünf US-Dollar pro Monat und Kind. Mittlerweile gibt es über 400 BIA-Schulen, die mehr als 150 000 Kinder unterrichten. Das Impact-Investing-Team der LGT unterstützt BIA seit 2009 mit Eigenkapital-Finanzierung, Transfer von Management-Know-how und dem Zugang zu lokalen Netzwerken. In den vergangenen Jahren hat sich BIA zu einem erfolgreichen Sozialunternehmen entwickelt, das immer weiter wächst und sich bis 2025 zum Ziel gesetzt hat, eine Schulbildung für 10 Millionen Kindern aus einkommensschwachen Familien zu ermöglichen.

Vermögende Menschen setzen vermehrt auf Impact Investing

Mit der Ergänzung ihrer Philanthropie-Engagements durch Impact Investments sind die Zuckerbergs nicht allein. Zusammen mit anderen Silicon-Valley-Milliardären wie eBay-Gründer Pierre Omidyar und Microsoft Mitgründer Bill Gates haben sie in 2015 über 100 Millionen US-Dollar in BIA investiert – 90 Prozent davon als Impact Investments in Form von Eigenkapital. Finanzielle Renditen gehören dazu, doch sind sie nicht ein von sozialen Faktoren losgelöster Selbstzweck, sondern vielmehr die Validierung des Geschäftsmodels und erfolgreichen Wirtschaftens für den guten Zweck.

Keine Zeit verlieren bei der Lösung von sozialen und ökologischen Problemen

Immer mehr vermögende Menschen – darunter eine überdurchschnittlich grosse Anzahl an Unternehmern – setzen auf Impact Investing, um einen dauerhaften sozialen und ökologischen Mehrwert zu schaffen. Leider vermuten viele Kritiker dahinter die Absicht, Profite auf dem Rücken der Armen zu erwirtschaften. Meine Frage an jene Kritiker: Was denken Sie treibt Multimilliardäre wie die Zuckerbergs dazu, bereits in jungen Jahren einen Grossteil ihres Vermögens dem guten Zweck zu widmen? Könnte es nicht sein, dass es die sozialen und ökologischen Probleme von bisher unerreichtem Ausmass sowie die Erkenntnis sind, dass wir keine Zeit zu verlieren haben mit der Suche nach und der Unterstützung von wirkungsvollen Lösungen?

Mit ihrer Initiative signalisieren Menschen wie die Zuckerbergs, dass ein Umdenken in der Branche bereits begonnen hat: Unternehmertum im sozialen Sektor ist nicht mehr ein Widerspruch, sondern eine Notwendigkeit, wenn wir die sozialen und ökologischen Probleme unserer Zeit an der Wurzel anpacken und dauerhaft lösen wollen.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 25. Februar 2016 | Die Börsenblogger

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