Sind US-Aktien teuer?

Sind US-Aktien teuer? 

Das sogenannte «CAPE» vom Yale-Professor Robert Shiller gehört zu den beliebtesten Warnsignalen der «Börsenbären». Dieses Kürzel steht für das Verhältnis des inflationsbereinigten Aktienkurses zum zehnjährigen Durchschnittgewinn je Aktie und wurde mit Shiller’s berühmten Werk «Irrationale Überschwänglichkeit» im Jahr 2000 bekannt – zumal es rechtzeitig vor der Implosion des Internet-Booms der späten 1990er erschien.

Überdurchschnittlich hohes Shiller-KGV

Tatsächlich hatte die US-Marktbewertung damals ein historisches Hoch erreicht, welches selbst das Niveau kurz vor dem Börsencrash von 1929 deutlich übertraf. Kurz danach setzte eine grosse Hausse ein – auch wenn zum Glück keine «Grosse Depression» à la 1930er folgte. Der untenstehende Chart illustriert dies sehr eindrücklich. Wir sehen auch, dass das aktuelle Niveau von 25.7 sehr hoch ist – das dritthöchste Niveau seit der «Dotcom-Blase» und den «Roaring Twenties». Genau aus diesem Grund kursiert dieser Chart als «Warnung» im Internet und diversen Börsenblogs.

CAPE_Price_E10_Ratio

Leider sagt dieser Chart nicht wirklich etwas über die zukünftige Entwicklung des Aktienmarktes aus. Wir wissen, dass Aktien derzeit unter diesem Aspekt überdurchschnittlich hoch bewertet sind. Wir wissen aber nicht, wann die Spitze erreicht sein wird.

Kursgewinne der letzten Jahre sind begründbar

Zudem «verschleiert» diese Darstellung den Blick auf die Tatsache, dass sich Unternehmensgewinne und Dividenden aus historischer Sicht ebenfalls überdurchschnittlich stark erholen. So ist der Kurs des S&P 500 seit März 2009 rückblickend um knapp 19 Prozent p.a. gestiegen, der Gewinn je Aktie wuchs allerdings um knapp 70 Prozent p.a. – d.h. gemäss der Shiller-Daten vom Tief nach der Finanzkrise bei 6.86 auf 100.85 US-Dollar je Aktie per Ende Juni 2014.

Der langfristige Durchschnitt seit 1881 beträgt 4.3 Prozent p.a. für die Kursgewinne (ohne Dividenden) und rund 3.9 Prozent p.a. für die Unternehmensgewinne. Die inflationsbereinigt «realen» Kurs- bzw. Firmenertragssteigerungen betragen übrigens 2.2 Prozent bzw. 1.8 Prozent. Einerseits erinnert uns dies an die logisch nachvollziehbare Tatsache, dass die Börsenkurse à la longue in etwa dem unternehmerischen Gewinnwachstum entsprechen plus einem Zuschlag für die Dividenden. Anderseits illustriert das sehr gut, dass wir uns seit etwa 2009 einer deutlich ausgeprägten Erholungsphase befinden. Im Vergleich dazu sind die Kursgewinne wirklich vernünftig – wenn nicht gar bescheiden.

Schlussendlich hängt die Antwort auf die Frage nach der Aktienbewertung aber nicht von solchen «rückblickenden» Daten, sondern von der zukünftigen Entwicklung der Unternehmenserträge ab. So kommt ein Investor – ebenso wie ein Unternehmer – letztlich um «spekulative» Urteile über die wahrscheinlichste Zukunft nicht wirklich umhin.

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 11. September 2014 | Die Börsenblogger

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