Sklavenarbeit: Die vergessenen Menschen der Textilindustrie

Sklavenarbeit: Die vergessenen Menschen der Textilindustrie 

Obwohl während der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert die Sklaverei praktisch in allen Ländern verboten wurde, schaffte Mauretanien diese als letztes Land erst 1980 offiziell ab. Und sogar heute leben weltweit immer noch zwischen 25 bis 35 Millionen Menschen in Sklaverei. Gemäss Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) erwirtschaften Unternehmen und Privatorganisationen jährlich mehr als 150 Milliarden US-Dollar mit Sklavenarbeit.

Tut Ihr Geld Gutes?

Für institutionelle Investoren gehört es zur treuhänderischen Pflicht, genau hinzuschauen, wie ein Unternehmen wirtschaftet, wie es seine Mitarbeiter behandelt, wie die Lohnstrukturen und Arbeitszeiten sind oder welche Gesundheits- und Sicherheitsaspekte abgedeckt werden. Obwohl diese Aufgabe heute in allen Ländern ausser Frankreich freiwillig ist, gibt es bereits Bestrebungen der Europäischen Kommission, diese moralische Pflicht zur gesetzlichen Pflicht zu erheben. Und das ist auch gut so. Denn Sie als Investor entscheiden mit, ob Ihr Dollar Gutes bewirkt, oder Leid und Elend zur Folge hat.

Sklavenarbeit kennt viele Gesichter und alle Kontinente

Formen moderner Sklaverei sind die Ausnützung von Kriegs- und politischen Gefangenen, Kinderarbeit, Zwangsprostitution, der Einsatz von Kindersoldaten sowie die klassischen Formen der Leibeigenschaft und wirtschaftlicher Ausbeutung. Einziger Unterschied der Sklaverei heute: Früher war es legal Leibeigene zu halten. Heute wird Sklaverei versteckt betrieben, weshalb die betroffenen Frauen, Kinder und Männer vollkommen schutzlos sind.

Menschen, darunter auch Kinder, die Zwangsarbeit auf Feldern und in Fabriken verrichten müssen, gibt es nicht nur in Drittweltländern. Auch mitten in Europa gibt es verschiedene Formen der Zwangsarbeit. Es ist zum Beispiel hinlänglich bekannt, dass in allen westlichen Ländern Menschenhandel mit Frauen existiert.

Weniger bekannt sind die Billig-Textilarbeiter mitten im westlichen Europa. Unlängst berichteten verschiedene Medien über chinesische Arbeiter in einem Textilunternehmen in Italien oder über Nordkoreaner, die in Malta Kleider zu Dumping-Preisen nähen. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit schuften diese Menschen 14 Stunden am Tag, um unseren Hunger nach Billigkleidern zu stillen. Die Fabriken sehen denjenigen in Bangladesch ähnlich: Gearbeitet wird auf engstem Raum ohne Tageslicht und bei unerträglicher Hitze.

Sie fragen sich, wie so etwas möglich ist? Ganz einfach: Bei Kleidern interessiert nur der Preis; und der muss möglichst tief sein. Viele Konsumenten interessiert es nicht, woher das neue T-Shirt kommt, wie es hergestellt wurde oder wer es genäht hat. Oft ist sogar egal, ob Jeans mit Giftrückständen vom Färben behaftet sind. Hauptsache billig oder von einer bekannten Marke. Und von jeder neuen Kollektion muss mindestens ein Stück im eigenen Kleiderschrank hängen.

Wir Konsumenten sollten uns für die Menschen interessieren, die unsere Kleider produzieren, und uns vor dem Kauf fragen, wie die Arbeiter behandelt und ob die Kleider womöglich von Kinderhänden gefertigt oder sogar unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt wurden.

Der ethische Hebel: Investieren gegen Sklavenarbeit

Ich möchte zum Schluss auf die treuhänderische Pflicht von Investoren zurückkommen: Diese haben es in der Hand, ob aus einem investierten Dollar viele gute Dollars werden, oder ob daraus viel Leid und Elend entsteht.

Um zu verhindern, dass ein investierter Dollar Schlechtes finanziert, sollten Investoren Nachhaltigkeitsfaktoren, sogenannte ESG-Kriterien (Environment, Social und Governance), in den Investmentprozess integrieren und bei Unternehmen der Textilindustrie den Aspekten Zwangsarbeit, Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit besondere Beachtung schenken. Die LGT wendet hierfür seit Jahren einen systematischen Prozess an, der hilft, die schlechten Investments auszusondern und sich auf die Guten zu konzentrieren.

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Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Herbert Pucher at 08:27

    Liebe Ursi,

    vielen Dank für Deinen Block. Jeder hat es in der Hand, eine Veränderung in dieser Angelegenheit herbeizuführen; sei es als Konsument, indem die Produzenten, Verteiler und deren Conduct of Business hinterfragt wird und durch Kaufentscheide (Produkte eben nicht nur aufgrund von Preisentscheidungen zu kaufen) zu beeinflussen;
    sei es als Investor, indem Produzenten und deren Verteiler der Zugang zu Kapital auch wiederum von deren Conduct of Business abhängig gemacht wird. Dein Blog regt hier zum Nachdenken und Umdenken an. Liebe Grüsse

    • Ursula Finsterwald
      Ursula Finsterwald at 17:34

      Lieber Herbert
      Besten Dank für Deinen Kommentar. Es freut mich, dass er Dich zum Denken anregt. Leider gibt es noch zuviele Konsumenten, die nur den Blick fürs Preisschild haben, aber nicht die Menschen dahinter denken. Ich denke, dass die Investoren stärker Einfluss auf die Textilindustrie und deren gesamte Zulieferkette ausüben müssen. Und am Ende steht auch der Gesetzgeber im jeweiligen Land in der Pflicht, die Unternehmen gesetzlich zu verpflichten, ihre Arbeiter fair zu entlöhnen und mit Respekt zu behandeln.

      Viele Grüsse
      Ursi

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