Speisekarten: Wenn auch die Preise bekömmlich sind

Speisekarten: Wenn auch die Preise bekömmlich sind 

Manchem Gast soll schon der Appetit vergangen sein, wenn er auf die Preise in der Speisekarte blickt. Doch mit ein bisschen Empathie werden sogar höhere Preise leichter verdaulich.

Ein wenig Poesie für den Hausgebrauch lässt oft die Kasse klingeln, auch im Restaurant. Viele Gäste sind bereit, für das „saftige Filet von Waldviertler Jungschweinen“ mehr Geld auszugeben als nur für ein „Schweinefilet“. Davon ist der Unternehmer und Verkaufstrainer Roman Kmenta überzeugt. Der Tipp mit den Jungschweinen gehört zum Repertoire seiner Preispsychologie für Speisekarten. Ein anderer Tipp, der nur im ersten Moment paradox klingt: Ein paar Speisen oder Weine sollten „richtig sauteuer“ sein. Dann nämlich würden die nicht ganz so teuren Angebote als ausgesprochen günstig wahrgenommen – und geordert. Eine weitere Empfehlung: Keine Währungsangaben hinter den Preisen. 56,50 ist bekömmlicher als 56,50 EUR oder CHF. Der Hinweis auf die jeweilige Währung kann dann diskret in der Fusszeile der Karte erfolgen.

Älteste Speisekarten aus China

Die ersten Vorläufer unserer heutigen Speisekarten waren die Speisetafeln im China des 12. und 13. Jahrhunderts. Garküchen und Strassenrestaurants gaben damit ihren eiligen Gästen einen Überblick, mit welchen mehr oder minder wohlschmeckenden Tagesangeboten der Kalorienbedarf der Gäste gedeckt werden konnte.

Wie, so teuer…?

Erst der Wiener Wirt Josef Meriana soll im Jahr 1784 auf die Idee gekommen sein, Preise in seiner Speisekarte aufzuführen. Vermutlich nicht zuletzt, um beim Bezahlen Stress mit seinen Gästen zu vermeiden („Wie, so teuer…?“). Meriana nannte diese Karten „Kuchenzeddl mit Tariffen“.

Speisekarten im Zeppelin

Auch an Bord der Zeppeline wurden künstlerisch gestaltete Speisekarten mit Preisangaben gereicht. Viele dieser Karten sind heute begehrte Sammlerstücke. Im Luftschiff LZ10 zahlten die Gäste 1911 zum Beispiel für eine Portion Kaviar („Bester Beluga-Malossol“) 4 Mark, wer sich an Strassburger Gänseleber delektieren wollte, musste 3 Mark berappen. Dazu einen Riesling Rauenthaler Berg, Jahrgang 1908, zum Preis von 4.50 Mark.

Leselink
– Online-Datenbank mit historischen Speisekarten der New York Public Library

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