Die Zwillingsbrüder und die grüne Null

Die Zwillingsbrüder und die grüne Null 

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Francois und Louis Blanc wurden mit einer einfachen Erkenntnis zu reichen Männern: Wer beim Roulette gewinnen will, sollte nicht im Casino spielen, sondern dieses besitzen.

Viele Roulettespieler träumen davon, im Casino reich zu werden. Das dies nur den wenigsten gelingt, liegt an der grünen Null. Diese sorgt dafür, dass langfristig immer die Spielbank gewinnt. Wieviel dieser eingebaute Vorteil aber tatsächlich wert ist, hat erstmals der französische Mathematiker, Financier und spätere Spielbankbetreiber Francois Blanc (1806–1877) mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung ermittelt.

Vom Bankgeschäft zur Spielbank

Francois Blanc

Francois Blanc

Francois und sein Zwillingsbruder Louis hatten ihre Karriere in Bordeaux im Bankgeschäft begonnen und erkannten schon damals, wie sie sich einen Wettbewerbsvorteil sichern konnten: Durch die Bestechung von Telegrafenbeamten erfuhren sie jeweils frühzeitig von Kursbewegungen an der Pariser Börse und nutzten dieses Wissen für lukrative Insidergeschäfte. Als die Brüder schliesslich aufflogen, mussten sie zwar eine Busse bezahlen, konnten den Grossteil der erzielten Gewinne aber einbehalten. Mit diesem Geld als Startkapital gründeten Francois und Louis ein kleines Casino in Luxembourg. Schon bald wollten sie aber höher hinaus. Sie lernten nämlich den in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Gouverneur von Luxembourg, den Landgrafen Philipp von Hessen-Homburg, kennen und schlugen ihm vor, in Bad Homburg ein grosses Kurhaus mit angeschlossener Spielbank zu eröffnen. Obwohl der Gouverneur dem Glücksspiel eher skeptisch gegenüber stand, überzeugten ihn die mathematisch garantierten Gewinne.

Weg mit der Doppel-Null

1841 begann der Spielbetrieb im Homburger Brunnensälchen. Abermals verschafften sich die Blancs mit einer ebenso genialen wie einfachen Massnahme einen Wettbewerbsvorteil: Sie reduzierten die damals in Spielbanken übliche Doppel-Null auf eine einfache Null. Zwar reduzierte sich so der Vorteil für die Bank, gleichzeitig verbesserten sich aber die Gewinnchancen der Spieler. Dieser Umstand trug erheblich zur Attraktivität des Homburger Casinos bei. Aus ganz Europa strömten aristokratische Gäste nach Bad Homburg zum Kuren und Roulette spielen. Die Stadt blühte auf, der Landgraf konnte seine Finanzen sanieren und Francois Blanc, dessen Zwillingsbruder mittlerweile verstorben war, erwirtschaftete sich ein erkleckliches Vermögen.

Die berühmteste Spielbank der Welt

Als Bad Homburg 1872 an Preussen fiel, wurde das Casino geschlossen. Und auch diesen Rückschlag nutzte Blanc für einen noch grösseren Erfolg: In kluger Voraussicht hatte er sich nämlich eine 50-jährige Konzession für den Betrieb einer Spielbank in Monaco gesichert. Er machte diese zum berühmtesten Casino der Welt und trug durch die Mitfinanzierung von Strassen und Bahnlinien zur leichteren Erreichbarkeit von Monaco bei. Dass das Fürstentum an der französischen Riviera zu einem Pilgerort der Reichen und Schönen wurde, ist wohl wesentlich auch sein Verdienst. Als Francois Blanc 1877 im schweizerischen Leukerbad starb, hinterliess er ein Vermögen, das nach heutigen Massstäben über 450 Millionen Euro betrug.

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