Autopiloten für die Geld- und Anlagepolitik?

Autopiloten für die Geld- und Anlagepolitik? 

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Antiblockiersystem, Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat: Unübersehbar hat die Digitalisierung im Automobil Einzug gehalten, längst haben da elektronische Assistenzsysteme einen beachtlichen sicherheits- und marketingrelevanten Stellenwert erlangt. Und je widriger sich Strassenzustand und Verkehrsverhältnisse präsentieren, desto mehr wünschen sich überforderte Fahrer davon – bis hin zum ausgewachsenen Autopiloten. Braucht es und gibt es auch autonome Stabilitätskontrolle für Investoren?

Autor: Dr. Alex Durrer, Chief Economist LGT Capital Partners

Tatsächlich herrschen in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten seit geraumer Zeit so bedrohlich unübersichtliche Bedingungen wie auf schroffen Bergstrassen bei Nebel, Schnee oder Eisglätte. Vor uns Anlegern liegt eine Wegstrecke mit schwer abschätzbaren Risiken: vom schwelenden sino-amerikanischen Handelskonflikt über latente Rezessionsängste bis hin zum ungewissen Ausgang des leidigen Brexit. Ergo liesse sich ein gewisser Bedarf bzw. Nachfrage von Investorenseite nach – mehr oder weniger – autonomen Anlageassistenzsystemen vermutlich ausmachen.

Stabilität vs. Flexibilität

Voraussetzung für die Kreation eines erfolgreich durch die Finanzmärkte navigierenden Autopiloten wäre freilich die Möglichkeit, einstweilen die zugrundeliegende Realwirtschaft mithilfe eines ebensolchen Steuerungssystems auf dem gewünschten Kurs zu halten. Denn aller weit verbreiteten Zweifel und Verwirrung infolge temporärer Marktübertreibungen zum Trotz, sind und bleiben die Börsen die akkuratesten Pulsmesser der realen Wirtschaft und ihrer Unternehmen. Doch leider können weder politische Akteure, etwa Notenbanker, die Wirtschaft wie Ingenieure mechanistisch feinsteuern, noch reagieren Zielgrössen – wie Wachstums- oder Inflationsraten – immer in der gewünschten Weise auf monetäre Impulse. Im Gegenteil kommt es zu Zeitverzögerungen und Rückkoppelungseffekten, die im Vorfeld nur schwer abschätzbar sind. Nur allzu gut wissen dies auch die Finanzmärkte selber – entsprechend harsch und allergisch haben sie Ende letzten Jahres auf eine unbedachte Äusserung des US-Notenbankchefs Jerome Powell reagiert, wonach der Normalisierungsprozess der Fed-Bilanz auf Autopilot gestellt sei. Just aus diesem Grunde wollen die Marktteilnehmer, dass Währungshüter nicht blind automatisierte Regeln befolgen, sondern flexibel reagieren, wenn die Wirtschaftsdaten eine Kursanpassung erfordern.

Stabilitätskontrolle im Asset Management

Haben wir es folglich auf dem heiklen Parkett der Geld- und Anlagepolitik mit einer letzten Bastion der diskretionären Selbstlenker zu tun? Nicht ganz ausschliesslich – immerhin verfügen wir im Asset Management auf verschiedenen Stufen über gewisse Instrumente, welche uns beim bestmöglichen Erhalt und der Mehrung von Vermögenswerten intelligent unterstützen. Den wichtigsten Beitrag zur Stabilitätskontrolle liefert auf Stufe der strategischen Asset Allokation (SAA) die Bestimmung eines für diverse zukünftige Entwicklungsverläufe robusten Portfolios. Dabei werden in einem mehrstufigen Prozess zunächst eine Reihe denkbarer Haupt- und Nebenszenarien entwickelt, welche divergenten ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Faktoren Rechnung tragen. Aus diesen qualitativen «Zukünften» werden alsdann quantitative Grössen wie Renditen, Risiken und Korrelationen für eine Vielzahl von Anlageklassen abgeleitet und eine optimale Vermögensstruktur je Szenario bestimmt. Schliesslich wird ein robustes Portfolio gesucht, das zwar in jedem einzelnen Umfeld nicht ganz an die maximale Rendite herankommt, sich dafür aber in sämtlichen relevanten Szenarien als robust erweist. Damit ist die Basis für eine langfristig erfolgreiche Anlagepolitik gelegt, die durch taktische Investitionsentscheide (TAA) zu ergänzen ist.

Wenigstens ein Halbautomat

Ausserdem ermöglicht der Fokus auf alternative Anlagen, von weitgehend unkorrelierten Risikoprämien zu profitieren. Paradebeispiel hierfür sind die Prämien für das übernommene Ereignisrisiko bei versicherungsbasierten Anlagen. Als weiteres gewissermassen «halbautomatisch» stabilisierendes Element dient uns bei der LGT im Rahmen der Fürstlichen Strategie bei gewissen Anlageklassen ein System zur konsequenten Wahrnehmung antizyklischer Opportunitäten, die sich aufgrund besonders attraktiver Bewertung ergeben. Da diesbezügliche Entscheidungen naturgemäss aufgrund von Stress im Markt und/ oder Herdentrieb nie leichtfallen, werden die entsprechenden Kaufs- und Verkaufssignale im Voraus recherchiert und definiert – in Basispunkt-Aufschlägen oder in Standardabweichungen vom langfristigen Mittelwert – und zeitlich von der eigentlichen Exekution getrennt.

Kein Ersatz für das regelmässige Fahrtraining

Bei alldem gilt in der Geld- und Anlagepolitik genauso wie im Strassenverkehr: Kein noch so ausgeklügeltes Assistenzsystem vermag das regelmässige Fahrertraining inklusive Antischleuderkurs zu ersetzen. Ebenso wenig lässt sich auch im Asset Management die Verantwortung für eine unfallfreie Zielerreichung weg programmieren. Hier wie dort impliziert schliesslich umsichtiges Steuern vorausschauen, vorausdenken. So lassen sich manche Schläge nach dem Prinzip «TEMPORA TEMPORE TEMPERA» über die Zeit abfedern.

Wo und wie die LGT derzeit konkret – mitunter dank Assistenzsystemen, aber definitiv ohne Autopiloten – den taktischen Kurs und Fahrstil der Portfolios den makroökonomischen Verhältnissen anpassen, lesen Sie im aktuellen Investorama.

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Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
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