Stiftungen und Nachhaltigkeit: eine perfekte Symbiose

Stiftungen und Nachhaltigkeit: eine perfekte Symbiose 

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Eine Stiftung richtig aufzusetzen ist komplex – zahlreiche Parameter müssen im Vorfeld definiert werden. Weshalb sich nachhaltiges Investieren für Stiftungen gleich doppelt auszahlt.

Autor: Dietmar Arzner, Teamhead Wealth Planning der LGT Bank AG

Eine Stiftung muss eine Vielzahl von Kriterien erfüllen. Zuoberst stehen selbstverständlich der Wunsch und die Vorstellungen des Stifters. Daneben gibt es zahlreiche formale Parameter, die beim Aufsetzen einer Stiftung berücksichtigt werden müssen, zum Beispiel steuerrechtliche Anforderungen, Stiftungsform, Zweck oder Domizil. Sind diese Formalitäten definiert, stellt sich im Anschluss für Stiftungen schnell die Frage, wie der Stiftungszweck mit den bestehenden finanziellen Mitteln bestmöglich und langfristig erfüllt werden kann.

Klare Anlagerichtlinien definieren

Generell haben Stiftungen das Ziel, das Kapital langfristig zu erhalten. Darüber hinaus sollen aber auch entsprechende Erträge erwirtschaftet werden, um den eigentlichen Stiftungszweck zu erfüllen. Es lohnt sich deshalb, gemeinsam mit Experten eine Anlagestrategie und entsprechende Richtlinien zu definieren, die beiden Zielen gerecht werden.

Stiftungen haben entweder einen zweckkonformen oder einen zweckfördernden Investitionsansatz. Bei ersterem wird sichergestellt, dass die Investitionen der Stiftungen nicht dem definierten Stiftungszweck widersprechen. Der zweckfördernde Investitionsansatz hingegen geht einen Schritt weiter. Hier wird bewusst in Unternehmen oder Organisationen investiert, deren Ziele mit dem Stiftungszweck übereinstimmen oder ihn sogar aktiv fördern. Eine Stiftung beispielsweise, die sich für den Umweltschutz engagiert, investiert in Unternehmen, die ressourcenschonend wirtschaften, ihren Energieverbrauch optimieren und Klimaschutzmassnahmen treffen. Sprich: Bei diesen Anlageentscheiden werden ökologische und soziale Kriterien sowie Aspekte der Unternehmensführung, die sogenannten ESG-Kriterien, berücksichtigt. Die LGT Nachhaltigkeitsanalysten verwenden für die Bewertung der einzelnen Anlageinstrumente ein selbst entwickeltes Rating-Instrument, das sie bereits seit rund neun Jahren erfolgreich beim Management ihrer Nachhaltigkeitsfonds einsetzen. Das sogenannten ESG-Cockpit ist auch Basis für das LGT Sustainability Rating, das den Privatkunden der LGT verständliche Informationen über die Nachhaltigkeitsqualität ihrer Portfolios gibt.

Kapitalerhalt mit positiver Nebenwirkung

Für Stiftungen bedeutet eine nachhaltige Investitionsstrategie nicht nur, dass der Stiftungszweck gefördert wird, sie bringt eine Reihe weiterer interessanter Vorteile mit sich. Investieren Stiftungen zum Beispiel in Unternehmen, die ihre ökologischen und sozialen Risiken nicht im Griff haben, bedeutet das auch ein hohes Risiko für die Stiftung selbst. Denn langfristig zahlen diese Unternehmen einen hohen Preis – beispielsweise in Form von höheren Energiekosten oder existenzbedrohenden Reputationskosten. Ziehen sich Stiftungen aus der Finanzierung solcher Unternehmen und Organisationen zurück, mindern sie zum einen das Anlagerisiko und zum anderen das Haftungsrisiko der Stiftungsorgane.

Platzieren sie diese Anlagen also ganz bewusst in Unternehmungen, die eine positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft haben, können sie aktiv zu einer nachhaltigeren Entwicklung der Wirtschaft beitragen. Für Stiftungen, die auf neue Förderer und Spender angewiesen sind, ist das eine gute Möglichkeit, ihre Öffentlichkeitswirkung zu verstärken. Denn neben Risiko und Rendite fliessen nun auch Wert- und Moralvorstellungen in die Anlageentscheide mit ein.

Gleichwertige Erträge generieren

Nachhaltiges Investieren spricht also für den langfristigen Vermögenserhalt. Stellt sich nur noch die Frage, ob damit auch entsprechende Erträge generiert werden können. Viele Privatanlegern denken immer noch, dass nachhaltiges Investieren der Rendite abträglich ist. Dabei haben bereits viele institutionelle Investoren erkannt, dass sich Unternehmen, welche eine nachhaltige Strategie verfolgen, gegenüber den Wettbewerbern langfristig durchsetzen, und sich Investitionen in diese Unternehmen auch hinsichtlich der Rendite auszahlen. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten belegen dies: 31 von 39 Studien renommierter Universitäten weisen bei langfristigen Investments einen positiven Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Aktienperformance auf.

Nachhaltiges Investieren ist vorausschauend, mindert Risiken und verspricht mindestens gleichwertige, wenn nicht höhere Renditen – Vorteile, die für alle Stiftungen interessant sind, auch wenn ihr Zweck nicht per se nachhaltig ist. Das Gedankengut des nachhaltigen Investierens und der langfristigen Anlagestrategie von Stiftungen ist daher eine perfekte Symbiose.

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