Stranded Assets – der grosse Hebel für mehr Nachhaltigkeit?

Stranded Assets – der grosse Hebel für mehr Nachhaltigkeit? 

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Stranded Assets sind Vermögenswerte, die unter plötzlicher Wertberichtigung oder einer grossen Abwertung leiden. Im extremen Fall können sich diese Werte sogar in Verbindlichkeiten verwandeln. Die Ursachen sind mannigfaltig: Änderungen in den gesetzlichen Rahmenbedingungen, neue regulatorische Bestimmungen, Marktkräfte, disruptive Innovation, soziale Normen oder Umweltschocks lassen Anlagen in betroffene Branchen buchstäblich stranden.

Von «Stranded Assets» war zum ersten Mal in den 1980er Jahren die Rede: In den USA haben öffentliche Gesundheitsorganisationen einschliesslich die American Public Health Association, American Cancer Society und die Weltgesundheitsorganisation WHO ihre Beteiligungen an Tabakkonzernen verkauft, weil diese ihrer Mission widersprachen.

Stranded Assets als Risiko für Investoren

Heute sind mit gestrandeten Vermögenswerten in erster Linie CO2-intensive Sektoren gemeint, also Firmen, die fossile Energieträger wie Öl, Kohle oder Gas fördern. Diese sind mit zunehmenden Risiken konfrontiert:

  1. Politische Rahmenbedingungen ändern sich: Direkte Regulierung der CO2-Emissionen auf lokaler, regionaler, nationaler oder internationaler Ebene. Indirekte Regulierung der CO2-intensiven Branchen durch strengere Gesetzgebung in der Luftverschmutzung. Oder es droht eine neue Regulierung, die ein Umfeld der Unsicherheit schafft.
  2. Marktkräfte: die Förderung erneuerbarer Energie wird attraktiver dank tieferen Produktionskosten, langfristiger Preisstabilität und mehr Innovation.
  3. Soziopolitischer Druck: der Druck der Gesellschaft könnte ein Umfeld kreieren, in welchem CO2-intensive Unternehmen ihre licence to operate verlieren.

Als Investor gewärtige ich bei einem Investment in eine CO2-intensive Branche die oben erwähnten Risiken. Viele Investoren interessieren sich heute zwar für die Höhe der Rendite, nicht aber, mit welchen Firmen im Portfolio sie diese erreichen. Wollen sie längerfristig eine positive Rendite einfahren, müssen sie Branchen oder Unternehmen identifizieren, die einen negativen Beitrag zur Rendite haben oder in Zukunft haben könnten. Das heute noch abstrakte Klimarisiko wird so zu einem konkreten Investmentrisiko.

Nachhaltigkeit als bessere Investmentstrategie

Die Staatengemeinschaft verständigte sich 2009 in Cancun darauf, dass der globale Temperaturanstieg auf 2°C zu begrenzen sei. Dass sich die Staaten an der Klimakonferenz in Paris 2015 wirklich auf ein entsprechendes Abkommen einigen können und dieses festzurren, wird von vielen bezweifelt. Trotzdem haben grosse Staaten bekannt gegeben, dass sie verbindliche Ziele zur Eindämmung der CO2-Emissionen vorgeben werden. Nach der EU sind das unter anderen die USA und China.

Der Druck auf die Staaten nimmt auch von Seiten ihrer eigenen Bevölkerung und der Zivilgesellschaft zu. Dies aufgrund immer häufiger auftretender und gravierenderer Wetterereignisse. Beispielsweise hat der Wirbelsturm Sandy 2012 mehr als 75 Mia USD an Kosten verursacht. Für die Rückversicherungsgesellschaften ist klar, dass diese extremen Wetterereignisse auf die Klimaveränderung zurückzuführen sind. Die Swiss Re schreibt in ihrem Corporate Responsibility Report 2013, dass, wenn nichts gegen den Klimawandel unternommen wird, sich die Kosten bis Ende dieses Jahrhunderts auf 20 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts belaufen könnten.

Diese gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen betreffen alle Marktteilnehmer. In besonderem Masse aber die CO2-intensiven Branchen, die mit neuen Verboten und Einschränkungen zu rechnen haben. Firmen mit einem schlechten Image in der Öffentlichkeit sind weniger attraktiv für Mitarbeiter, Lieferanten, Partner, Kunden wie auch Konsumenten. Auch Regierungen und Politiker verpflichten lieber eine «saubere» Firma, als eine, die ständig negativ in der Presse steht – auch um ihrer eigenen Reputation willen.

Auf diese Weise kann die «Abwertungsspirale» der Stranded Assets ausgelöst werden: Für diese Firmen wird es immer schwieriger, an günstiges Kapital oder überhaupt an Kapital zu gelangen. Sie verlieren neben ihrer Reputation auch ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das Unternehmen erleidet einen Wertverlust, der es noch unattraktiver für Investoren macht. Investoren dieser Unternehmen droht der Verlust von Kapital und Rendite. Will ich das Risiko des Strandens meiner Investitionen vermeiden, muss ich in Ziele investieren, die klimapolitisch nachhaltig sind. Die Stranded Loans könnten also zum grossen Hebel für mehr Nachhaltigkeit werden.

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 21. August 2014 | Die Börsenblogger
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  3. Pingback: Die Kohlenstoffblase: Warum wir besser nicht in fossile Energieträger investieren « Solar Repowering

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