Supermacht der Kaufleute: Die Hanse

Supermacht der Kaufleute: Die Hanse 

Artikel bewerten

Wirtschafts- und Handelspolitik geht heute von Nationalstaaten und internationalen Institutionen aus. Das war nicht immer so. Jahrhunderte lang mussten sich europäische Fürsten und Könige in Handelsfragen dem mächtigen Kaufmannsbund der Hanse beugen.

Bis Mitte des 12. Jahrhunderts war Fernhandel in weiten Teilen Europas mehr Abenteuer als Erfolg versprechendes Geschäft. Fernstrassen und Seewege wurden von Wegelagerern und Piraten für ihr Gewerbe ebenso gerne und häufig genutzt, wie von Händlern für das ihre. Auf den Schutz der Obrigkeit konnten sich Handeltreibende kaum verlassen. Fürsten und Könige liessen sich bewaffneten Schutz teuer bezahlen – wenn sie ihn denn überhaupt gewährten und nicht wenige fanden selbst Interesse an der kostbaren Handelsfracht. Aus dieser Not machten Kaufleute eine Tugend:

Selbst ist der Kaufmann: Handelsbund gegen Staatsversagen

Die ersten „Hansen“ waren Kaufmannsbünde, die sich den Schutz der Handelszüge und -flotten teilten, ihre Interessen gemeinsam vertraten und sich gegenseitig Rechte und Pflichten gewährten. 1161 einigten sich zwei der mächtigsten Kaufmannsbünde im so genannten Artlenburger Privileg auf ein gemeinsames Regelwerk für den Ostseehandel. Ihre Einflusssphäre reichte nun von den Niederlanden im Westen bis zum baltischen Estland im Osten und vom schwedischen Gotland im Norden bis Köln und Krakau im Süden. Ihre bauchigen Handelsschiffe lieferten Getreide, Pelze, Holz und Erze des Ostens bis nach Spanien und versorgten im Gegenzug die Städte von Reval bis Kiew mit den Fertigprodukten des Westens und Südens wie Tuche, Waffen, und Gewürzen. Seit 1376 prägte der Kaufmannsbund sogar eigene, streng genormte Münzen, den so genannten Lübecker Witten, die ähnlich dem Euro heute als transnationales Zahlungsmittel verwendet wurden. Mit dem Handel wuchsen die Städte – und in ihnen der Einfluss der Kaufleute. Die so genannten Hansestädte bildeten ab Mitte des 14. Jahrhunderts nicht nur das Kraftzentrum des Handels, sondern auch der Handelspolitik. Auf den Hansetagen, einer Art internationale Städteparlament, wurde die gemeinsame Position unter bis zu 200 vertretenen Städten verhandelt.


Unsere Beiträge direkt in Ihrer Mailbox

[wysija_form id=“1″]

Gezeitenwende: Die Entdeckung Amerikas und der Untergang das Hanse

Vom 13. bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts beherrschte die Hanse weitgehend den Warenaustausch über die Nord- und Ostsee. Sie überstand Konflikte mit den Seemächten England und der Niederlande. Selbst der mächtige Dänenkönig Waldemar IV. Atterdag musste die Herrschaft über die Ostsee nach einer Niederlage gegen eine Hanseflotte dem internationalen Kaufmannsbund überlassen. Doch der Erfolg der Hanse war auch Ursache des eigenen Niedergangs: Zum einen wurde der Handel über Land und See durch die gemeinsamen Schutzmassnahmen der Kaufleute immer sicherer und erlaubte mutigen Kaufleuten, ihr Geschäft in Eigenregie voran zu treiben. Vom Handel über Land profitierten wiederum die Staaten und Fürstentümer, die traditionellen Gegenspieler der Hansestädte. In zahlreichen Konflikten rangen die aufstrebenden Grossmächte Schweden, Habsburg, England und das Grossfürstentum Moskau den Kaufmannsgilden immer mehr an Macht und Einfluss ab. Die Entdeckung Amerikas und dessen scheinbar unerschöpfliche Ressourcen marginalisierte schliesslich den Bund der Städte und Kaufleute – für die Idee des freien Handels zwischen den Regionen Europas wurde sie dennoch zur Blaupause.

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 7. März 2018 | marktEINBLICKE
  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 7. März 2018 – Firmenweb | Business News im Minutentakt

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.