Sustainable Development Goals – Investmentchance oder Marketingtool?

Sustainable Development Goals – Investmentchance oder Marketingtool? 

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Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind ein neues „Buzz word“ in der Finanzindustrie. Es gibt kaum eine Bank oder einen Asset Manager, die nicht eine Lösung rund um die SDGs anbieten. Sind SDGs die neue Nachhaltigkeit? Was kann der Beitrag der Finanzindustrie sein, um sie zu erreichen und wie fundiert sind all die Lösungen, die nun angeboten werden?

Die Ziele für nachhaltige Entwicklung sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen (UN), die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen. Sie umfassen 17 Hauptziele, wie „keine Armut“, „null Hunger“, Geschlechtergleichstellung“ und „Klimaschutz“, die in 163 Subzielen und mit 230 Indikatoren sehr genau umrissen werden. Die SDGs traten 2016 in Kraft, 193 Staaten weltweit haben sich seither verpflichtet, die SDGs umzusetzen. Für die erfolgreiche Umsetzung der SDGs müssen laut UN Report bis 2030 voraussichtlich 90 Billiarden US-Dollar investiert werden. Circa 80 Prozent dieser Summe soll der private Sektor beisteuern. Somit werden die Sustainable Development Goals auch für die Finanzindustrie zu einem wichtigen Thema.

Die Schwierigkeit der Interpretation von Sustainable Development Goals

Nachhaltigkeit hat sich als wichtiges Thema in der Finanzbranche etabliert. Der zunehmende regulatorische Druck auf Investoren und damit auch auf die Anbieter von Anlagelösungen, aber auch die griffige Formulierung der Sustainable Development Goals sorgt nun dafür, dass auch die SDGs zügig von der Finanzindustrie aufgegriffen werden. Die Interpretation der 17 Ziele aus der Sicht von Investoren stellt allerdings eine Herausforderung dar: Sie wurden primär als Aufgaben für Regierungen formuliert, müssen aber nun auf Investitionstätigkeiten abgebildet werden.

Vergleichsweise klare Hinweise darauf, was mit jedem der Hauptziele erreicht werden soll, liefern die 163 Subziele und die dazugehörigen Indikatoren. Nur, wer diese systematisch beleuchtet und gründlich auf ihre Investierbarkeit prüft kann für sich beanspruchen, die SDGs auch wirklich umzusetzen.

Verschiedene Organisationen wir GIIN, UN Global Compact und die Global Reporting Initiative (GRI) haben sich der Interpretation angenommen und umfassende Dokumentationen dazu veröffentlicht. Es zeigt sich, dass Investoren nicht zu allen Subzielen massgeblich beitragen können, aber auch, dass die SDGs interessante Anlagemöglichkeiten bieten können.

Die Investierbarkeit von SDGs – ein Beispiel

Betrachten wir SDG 4 – qualitativ hochwertige Bildung. Dieses Ziel umfasst zehn Subziele. Für unser Beispiel genügt es, die ersten vier zu betrachten:

4.1 Bis 2030 sicherstellen, dass alle Mädchen und Jungen gleichberechtigt eine kostenlose und hochwertige Grund- und Sekundarschulbildung abschließen, die zu brauchbaren und effektiven Lernergebnissen führt

4.2 Bis 2030 sicherstellen, dass alle Mädchen und Jungen Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Erziehung, Betreuung und Vorschulbildung erhalten, damit sie auf die Grundschule vorbereitet sind

4.3 Bis 2030 den gleichberechtigten Zugang aller Frauen und Männer zu einer erschwinglichen und hochwertigen fachlichen, beruflichen und tertiären Bildung einschließlich universitärer Bildung gewährleisten

4.4 Bis 2030 die Zahl der Jugendlichen und Erwachsenen wesentlich erhöhen, die über die entsprechenden Qualifikationen einschließlich fachlicher und beruflicher Qualifikationen für eine Beschäftigung, eine menschenwürdige Arbeit und Unternehmertum verfügen

Ziel 4.1. bezieht sich auf eine Aufgabe, die in vielen Staaten klar dem Staat obliegt. Private Investoren können hier kaum einen substantiellen Beitrag leisten. Bei Ziel 4.2 sieht das schon anders aus. Dieses Segment der Bildung wird heute bereits vielfach durch privatwirtschaftliche Angebote abgedeckt, bietet also auch Investitionsmöglichkeiten.

Zu 4.3 und 4.4 können Regierungen in grossem Umfang, aber sicher au private Investoren beitragen. Dieses Beispiel zeigt die Ambivalenz der Interpretation: Nur eine gründliche Analyse kann Investitionsthemen identifizieren, die einen positiven Beitrag zu den Sustainable Development Goals liefern können. In weiteren Schritten müssen Investitionsobjekte gefunden werden, die diesen Vorgaben entsprechen und mit denen die gewünschte Wirkung erzielt werden kann.

Beiträge zu den Zielen – Verknüpfung der SDGs mit den Investments

Wie können Investoren nun feststellen, ob ihre Investitionen die Zielerreichung unterstützen? Das wichtigste ist in diesem Zusammenhang, die Ziele mit der wirtschaftlichen Tätigkeit von Unternehmen zu verknüpfen. Hier bieten sich zuallererst die Produkte und Dienstleistungen der Unternehmen als Gradmesser an. Im Beispiel SDG 4 – qualitativ hochwertige Bildung – leistenz.B. Anbieter von Vorschulbildung oder ähnlicher Einrichtungen, aber auch von Lehrmaterialien, spezifische IT – Lösungen oder Software, oder physischen Lehrgebäuden einen Beitrag. Erst die Analyse der Subziele gibt Aufschluss darüber, welche Dienstleistungen und Produkte einen Beitrag zu den SDGs leisten. Bleibt diese aus, besteht die Gefahr, möglichst viele Unternehmensaktivitäten willkürlich mit den SDGs in Bezug zu setzen, was wie Greenwashing wirkt.

Ein weiterer Bereich, mit dem Unternehmen zu der Erreichung der SDGs beitragen können, ist natürlich auch ihre nachhaltige Performance im Rahmen ihrer unternehmerischen Aktivitäten. So ergibt sich auch aus dem Ressourceneinsatz und dem Emissionsniveau in der Produktion oder der Umsetzung sozialer Standards bei Zulieferern oder für die eigenen Mitarbeiter ein direkter Beitrag zu den SDGs, die aus unserer Sicht unbedingt neben den Produkten und Dienstleitungen auch ein Teil der Gesamtbewertung eines Unternehmens sein sollten. Denn der positive Beitrag eines Produktes relativiert sich schon deutlich, wenn mit dessen Herstellung spürbar negative Beiträge im Umwelt- oder Sozialbereich verbunden sind.

Die Sustainable Development Goals als Chance

Die SDGs bieten Investoren ohne Zweifel Chancen. Diese zu Nutzen kann einen wertvollen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene leisten. Allerdings muss und wird der Rahmen, den die SDGs bieten präziser interpretiert werden müssen. Vor allem aber muss in der Finanzindustrie ein klarer Standard gefunden werden, um die Beiträge zur Erreichung der Ziele messbar und damit auch vergleichbar zu machen. Auch wenn bei vielen Akteuren in der Finanzbranche die bunten SDGs schon auf Marketingunterlagen prangen, wird zur Umsetzung dieses Leistungsversprechens noch einiges zu tun sein.

 

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  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 19. April 2018 | marktEINBLICKE

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