Politik ist nicht genug: Warum die UN-Entwicklungsziele private Investoren brauchen

Politik ist nicht genug: Warum die UN-Entwicklungsziele private Investoren brauchen 

5 (100%) 1 vote

Die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen sollen der Fahrplan sein, um bis 2030 eine nachhaltigere Welt zu schaffen. Doch die Mittel der 195 Unterzeichnerstaaten zur Umsetzung der Ziele sind begrenzt. Nur in Verbindung mit einer nachhaltigeren Investitionspolitik kann aus den politischen Zielen globale Realität werden.

Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind in erster Linie ein Fahrplan für Politiker und Regierungen. Ihr primäres Ziel ist ein verbindliches Regelwerk und ein Prozess für die dringend notwendige nachhaltige Umgestaltung der globalen Wirtschaft und Gesellschaft. Bei der Umsetzung jedoch stossen staatliche Akteure schnell an die Grenzen des Machbaren: Rund 1.5 Trillionen US-Dollar aus der Privatwirtschaft werden laut Experten benötigt, um die Richtungsänderung für mehr Nachhaltigkeit einzuleiten. Investoren stellt sich also die Frage, wie sie investieren können, um einerseits Renditeziele zu erreichen, andererseits die Verwirklichung der SDG-Ziele zu unterstützen.

Hierfür müssen die SDGs in konkrete Anlagemöglichkeiten „übersetzt“ werden. Viele Marktteilnehmer, darunter regierungsnahe Organisationen, internationale Einrichtungen, NGOs, Versicherungen und Pensionskassen arbeiten bereits an der Umgestaltung bestehender Anlagen und an völlig neuen, nachhaltigen Investitionsmöglichkeiten. Vor allem der Nachweis, wie bestimmte Investitionen auf die verschiedenen SDGs systematisch wirken, wird dabei zur zentralen Herausforderung.

Übersicht über Anlagethemen, die sich aus den SDGs ergeben können

Sustainable Development Goals

Quelle: Business & Sustainable Development Commission, Report 2017 (Better Business Better World)

Der Weg von der Nische zum Standard

SDG-Konformität ist heute noch ein Nischenansatz ohne signifikante Bedeutung im Anlagebereich. Das kann und das muss sich mittelfristig ändern. Die SDG-Unterstützung muss vom Exotenansatz zum Standard mit Breitenwirkung werden. Eine Blaupause hierfür liefern die Kriterien nachhaltigen Investierens (ESG). Auch sie starteten zunächst als Nischenkonzept, das von einigen wenigen neben Standardinvestitionsmöglichkeiten in Erwägung gezogen wurde. Zunächst standen separate Ansätze zur Corporate Social Responsibility im Vordergrund, die Ausübung von Stimmrechten (Active Voting) war ein weiterer Schritt. Oft wurde das Thema in eigenständigen Anlagelösungen auch als ethische Investition adressiert. Schliesslich wurden ESG-Faktoren als Möglichkeit identifiziert, um die Risikoanalyse von Anlagen zu erweitern.

Diese „Übersetzung“ der ursprünglich politischen Ziele in konkrete Investitionschancen und -risiken kann als Durchbruch zur Integration von ESG-Kriterien in den Investitionsprozess gesehen werden. Heute werden ESG-Kriterien standardmässig in der Überwachung von Investitionen eingesetzt. ESG hat sich zu einem Mainstream-Thema auch für private Investoren entwickelt – und die nachhaltigen Entwicklungsziele könnten eine ähnliche Entwicklung nehmen.

SDGs als zukünftige Investitionschancen

Wenn der Einfluss auf die SDGs im Rahmen von Standardprozessen analysiert werden kann, können auch die SDGs systematisch in verschiedenen Investmentstilen und Anlageklassen adressiert werden. Dies würde auch ermöglichen, die Wirkung einzelner Anlagen miteinander zu vergleichen und aus der politischen Forderung ein handfestes Investitionskriterium werden zu lassen: Investoren wären transparent darüber informiert, ob ihre Anlagen eine negative oder positive Auswirkung auf das Erreichen der SDGs haben und in welchem Masse diese erfolgt. Ein guter erster Schritt wäre, die bestehenden und bereits wirkenden ESG-Kriterien in Bezug zu den SDGs zu setzen. So könnten Investoren ihre Anlagen bezüglich der nachhaltigen Entwicklungsziele einschätzen, auch wenn eine dezidierte Messbarkeit noch nicht möglich ist. Gleichzeitig könnten Investoren auch spezifische SDGs definieren und ihre Anlagelösungen entsprechend ausrichten.

Zugegeben: Es gibt noch viel Arbeit, um die SDGs in konkrete Investitionsmöglichkeiten zu übersetzen. Je nach Geschäftsmodell und Industrie sowie Anlageklasse muss geprüft werden, welche SDGs überhaupt beeinflusst werden können und wie eine Mess- und Vergleichbarkeit entwickelt werden kann. Dass das Konzept der SDGs schon heute sehr schnell an Bedeutung gewinnt, erkennt man jedoch daran, wie viele Staaten, Organisationen und Interessensvertreter sich dem Thema inzwischen angenommen haben – und wie bei der Blaupause der ESG werden diejenigen Investoren in der besten Position für neue SDG-Anlagemöglichkeiten sein, die dem Mainstream voraus sind.
Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 21. September 2018 | marktEINBLICKE
  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 21. September 2018 – Firmenweb | Business News im Minutentakt

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.