Tapering: Fitnessprogramm der U.S.-Notenbank

Tapering: Fitnessprogramm der U.S.-Notenbank 

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Das richtige Timing zählt im Sport genauso wie in der Geldpolitik. Der Begriff des «Taperings» entstammt den Trainingsprogrammen von Hochleistungssportlern. Tapering macht derzeit jedoch vor allem in der Geldpolitik Karriere – nicht immer zur Freude der Finanzmärkte.

Beginnen wir sportlich: Ausdauersportler wie Marathonläufer, Triathleten oder Langstreckenschwimmer reduzieren während der letzten Wochen vor einem Wettkampf systematisch ihr Trainingsprogramm. Durch dieses so genannte «Tapering» soll sich ihr Körper von der harten Belastung intensiver Trainingszyklen erholen und dann optimal vorbereitet in den Wettkampf starten. Das richtige Timing ist dabei zentral.

Die Wirtschaft verhält sich ähnlich: Sie braucht Stimuli, um fit zu werden. In den USA bestehen diese Stimuli zurzeit in Anleihekäufen der Zentralbank. Durch diese Käufe pumpt sie Geld in die Wirtschaft und Finanzmärkte und hofft, so vor allem die Wirtschaft anzukurbeln. Weil damit aber gleichzeitig ein Inflationspotential aufgebaut wird, steht die Zentralbank vor der Herausforderung, das Stimulationsprogramm rechtzeitig wieder zurückzufahren. Auch hier kommt es auf das Timing an. Wenn der U.S.-Notenbankchef Ben Bernanke also von Tapering spricht, meint er damit nichts andereres, als dass er die Anleihekäufe reduzieren will. Dem intensiven Aufbautraining durch gezielte Konjunkturstimuli folgt das Tapering als Massnahme zur Regeneration.

In der Trainingslehre bietet Tapering beste Voraussetzungen, um Athleten auf den Punkt genau fit und wettkampffähig zu machen. In der wirtschaftlichen Praxis tritt mitunter das Gegenteil ein. So erzeugte der künstliche Investitionsschub bei manchen Investoren Erwartungen und Abhängigkeiten. Für sie wirkt sich das Reduzieren des staatlichen Stimulus im Rahmen des Tapering aus wie das Absetzen ihrer Aufbaupräparate. Statt Regeneration erwartet sie Leistungsabfall und Muskelkater im Portfolio, weil die künstlich stimulierten Trends und Gewinne wieder verloren gehen.

Das Fitnessprogramm der Notenbanken ist eine ganzheitliche Trainingsmethode. Wie im Leistungssport gibt es kein unbegrenztes «schneller, höher weiter», sondern eine Phase der intensiven Stimuli und Phasen des regenerativen Taperings.

Leselinks:

Mark Dittli fragt auf Nevermindthemarkets: Wem nützt Bernankes Geldpolitik? (04.10.2013)
Georg Erber blickt auf dem Blog Ökonomenstimme in die Zukunft: Was folgt nach dem Tapering Out? (17.09.2013)
Matthias Garscha setzt sich auf dem Blicklog mit Tapering im Zusammenhang der Finanzkrise auseinander: Die Krise verstehen (der Ansatz von Hyman Minsky) (20.08.2013)

Beitragsbild: Katja Fuhr-Boßdorf/pixelio.de

Es gibt 3 Kommentare zu diesem Artikel
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